Vergessener Schatz
Salz ist lebenswichtig. Ohne Salz würde der Organismus innerhalb kurzer Zeit versagen. Auch in der Geschichte spielt Salz eine Rolle. Eine Tatsache, an die heute kaum noch jemand denkt.Salz gibt es heute überall für wenig Geld. Das war nicht immer so.
Folgenreiche Umstellung
Speisesalz ist Natriumchlorid. Der Organismus fast aller Lebewesen benötigt Natrium für die Funktion seiner Zellen. Der Mensch als früher Jäger und Sammler nahm allein durch den Verzehr großer Mengen Fleisch und Blut genügend Salz auf. Mit der Sesshaftigkeit aber gelangten mehr und mehr Pflanzen auf seinen Speiseplan. Pflanzen enthalten kaum Natrium. Der Salzbedarf des Körpers musste anders gedeckt werden.
Schmackhafter Schutz
Symptome von Natriummangel sind Kopfschmerzen, Schwindel und niedriger Blutdruck, es folgen Krämpfe, Herzryhtmusstörungen und schließlich der Tod. Doch anders als bei Nahrungs- oder Wassermangel gibt es keine unmittelbare körperliche Gegenreaktion: es gibt kein brennendes Bedürfnis nach Salz. Der einzige dem Menschen angeborene Schutz vor Salzmangel ist der Appetit auf Würze. Der Mensch isst Salz, weil ihm damit andere Dinge besser schmecken.
Konservieren und Desinfizieren
Aber nicht nur Abläufe im Körper verlangen nach Salz: der glitzernde Stoff war für tausende Jahre die einzige bekannte Möglichkeit, Nahrungsmittel haltbar zu machen. In Salz gepökelt oder fermentiert, überdauern Fleisch und Gemüse Monate in essbarem Zustand. Nur so konnten Nahrungsmittel transportiert und gehandelt werden, nur so erreichte Fisch von den Ufern der Ozeane und Seen das Hinterland. Die alten Ägypter bewahrten ihre Mumien mit Salz vor der Verwesung. Im Krieg war es unabdingbar: Salz in hoher Konzentration ist ein Zellgift, in offene Wunden gerieben, tötet es Viren und Bakterien - es desinfiziert, wenn auch unter starken Schmerzen.
Weiße Kruste
Salz holte sich der Mensch zunächst von den Stränden der Ozeane und aus Solequellen. Letztere entstehen, wenn Grundwasser im Boden auf ein Salzbett trifft und sich dabei zu einer Lauge anreichert. An beiden Orten trocknet die Sonne das Wasser und hinterlässt eine weiße Kruste. Um 300 v. Chr. begannen die Chinesen im Boden nach Solequellen zu bohren. Mindestens zweitausend Jahre länger schon sammelten sie natürlich vorkommende Sole und kochten sie, um die Austrocknung zu beschleunigen.
Hallstatt in den Alpen. Hier entstand 1000 v. Chr. das vermutlich erste Salzbergwerk Europas. (Lithografie von 1900)
Die Salzgewinnung in China wurde eines der ersten zivilisatorischen Großunternehmen. Sie war strikt in staatlicher Hand. Der Staat förderte den Salzabbau, baute hölzerne Bohrtürme, ließ Sole pumpende Bambusleitungen verlegen und verteilte Salz überall dort, wo das Volk es brauchte. Dafür verlangte er Steuern. Die Salzsteuer war die Haupteinnahmequelle des Kaisers, durch sie finanzierte er den Bau der chinesischen Mauer. Und sie war stetiger Anlass für Unruhe im Volk. Noch Jahrtausende später ist die Steuer auf Salz einer der Gründe für die französische Revolution.
Überraschendes Know-How
In Mitteleuropa trieben Menschen schon 1000 v. Chr. Stollen in die Berge der Alpen, um Salz ohne den Umweg der Trocknung zu gewinnen. Dies gelang nur durch eine Art genossenschaftliches Gesellschaftssystem mit strikter Arbeitsteilung. Während einige ausschließlich in den Minen arbeiteten, verkauften andere das Salz und versorgten die Arbeiter. Diese so genannte "Hallstattkultur" besaß bereits Handelskontakte und Einfluss in ganz Europa und in Teilen von Asien und Afrika...
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Infobox
Natriumchlorid, ...
oder Kochsalz, ist der wichtigste Mineralstoff im Organismus von Mensch und Tier. Der menschliche Körper enthält im Schnitt gut 600 Gramm reines Salz, drei bis zwanzig Gramm müssen täglich ersetzt werden. Schwitzt man viel, kann dieser Anteil noch steigen.
Natriumchlorid ist farblos. In der Natur vorkommende Kristalle sind oft verunreinigt, was ihnen unterschiedliche Farbtöne verleiht. Natriumchlorid kommt hauptsächlich in Meerwasser vor und in unterirdischen Salzlagerstätten die beim Austrocknen von Meeren und Seen entstanden sind. Es gibt Meersalz, Steinsalz, Sole und Siedesalz.
Meersalz gewinnt man in Salzgärten, in denen Meerwasser durch Sonnenstrahlen trocknet. Steinsalz stammt aus unterirdischen Bergwerken. Sole ist in Wasser gelöstes Salz und kommt entweder aus natürlichen Quellen oder wird künstlich erzeugt, indem man Wasser in Salzkammern pumpt. Dort reichert es sich mit Salz an und kommt als gesättigte Salzlösung wieder heraus. Siedesalz ist beim Einkochen entstehendes hochreines Kochsalz.
oder Kochsalz, ist der wichtigste Mineralstoff im Organismus von Mensch und Tier. Der menschliche Körper enthält im Schnitt gut 600 Gramm reines Salz, drei bis zwanzig Gramm müssen täglich ersetzt werden. Schwitzt man viel, kann dieser Anteil noch steigen.
Natriumchlorid ist farblos. In der Natur vorkommende Kristalle sind oft verunreinigt, was ihnen unterschiedliche Farbtöne verleiht. Natriumchlorid kommt hauptsächlich in Meerwasser vor und in unterirdischen Salzlagerstätten die beim Austrocknen von Meeren und Seen entstanden sind. Es gibt Meersalz, Steinsalz, Sole und Siedesalz.
Meersalz gewinnt man in Salzgärten, in denen Meerwasser durch Sonnenstrahlen trocknet. Steinsalz stammt aus unterirdischen Bergwerken. Sole ist in Wasser gelöstes Salz und kommt entweder aus natürlichen Quellen oder wird künstlich erzeugt, indem man Wasser in Salzkammern pumpt. Dort reichert es sich mit Salz an und kommt als gesättigte Salzlösung wieder heraus. Siedesalz ist beim Einkochen entstehendes hochreines Kochsalz.
Infobox
Halloren...
nennt sich seit über fünfhundert Jahren die Vereinigung der Salzarbeiter in der mitteldeutschen Stadt Halle. Schon vor über 1300 Jahren baute man dort Salz ab. Aufwendigere Technik machte den Vorgang immer komplizierter, aber auch einträglicher.
Facharbeiter waren gesuchte Leute und brachten dem Landesherrn willkommene Einnahmen. Als Gegenleistung erhielten sie Privilegien wie eigene Feiertage und Jagdrecht. Die Gemeinschaft der Salzarbeiter fand in Halle besonders eng zusammen: 1524 entstand die Bruderschaft der Salzwirker, sie nannten sich Halloren.
Die Bruderschaft hatte hunderte Mitglieder, eine eigene Tracht und benutzte einen ausgestorbenen Dialekt, um sich vom normalen Volk abzugrenzen. Den Kern bildete ein Kastensystem, das Mitglieder schon bei Geburt an eine bestimmte Aufgabe in der Salzproduktion band. Als Hallore konnte man nur geboren sein, alle waren verwandt. Die höheren Aufgaben der Salzproduktion waren denen vorbehalten, deren beide Eltern Halloren waren.
Auf dem Weg in die Moderne lockerte sich das System allmählich. Mit der Verfügbarkeit von billigem Importsalz ging die Salzproduktion in Halle zurück, 1967 versiegte sie ganz. Die Bruderschaft der Halloren gibt es jedoch weiterhin. Einige Privilegien, wie den Neujahrsempfang des Bürgermeisters und ihre eigenen Feste, hat sie sich erhalten. Hallorenfeste und -umzüge gehören heute zum öffentlichen Hallenser Brauchtum.
nennt sich seit über fünfhundert Jahren die Vereinigung der Salzarbeiter in der mitteldeutschen Stadt Halle. Schon vor über 1300 Jahren baute man dort Salz ab. Aufwendigere Technik machte den Vorgang immer komplizierter, aber auch einträglicher.
Facharbeiter waren gesuchte Leute und brachten dem Landesherrn willkommene Einnahmen. Als Gegenleistung erhielten sie Privilegien wie eigene Feiertage und Jagdrecht. Die Gemeinschaft der Salzarbeiter fand in Halle besonders eng zusammen: 1524 entstand die Bruderschaft der Salzwirker, sie nannten sich Halloren.
Die Bruderschaft hatte hunderte Mitglieder, eine eigene Tracht und benutzte einen ausgestorbenen Dialekt, um sich vom normalen Volk abzugrenzen. Den Kern bildete ein Kastensystem, das Mitglieder schon bei Geburt an eine bestimmte Aufgabe in der Salzproduktion band. Als Hallore konnte man nur geboren sein, alle waren verwandt. Die höheren Aufgaben der Salzproduktion waren denen vorbehalten, deren beide Eltern Halloren waren.
Auf dem Weg in die Moderne lockerte sich das System allmählich. Mit der Verfügbarkeit von billigem Importsalz ging die Salzproduktion in Halle zurück, 1967 versiegte sie ganz. Die Bruderschaft der Halloren gibt es jedoch weiterhin. Einige Privilegien, wie den Neujahrsempfang des Bürgermeisters und ihre eigenen Feste, hat sie sich erhalten. Hallorenfeste und -umzüge gehören heute zum öffentlichen Hallenser Brauchtum.




