Schauen, Staunen, Shoppen - das empfiehlt die Werbetafel. Wer nur staunt, vielleicht mit der Bierflasche in der Hand, ist unerwünscht.
Herzen zu Pestbeulen
Dieser Trend reichte über Jahrzehnte, spielte den Bahnhöfen übel mit: Aufblühen des Schwarzhandels nach dem Zweiten Weltkrieg, Bedeutungsverlust des Bahnverkehrs ab Ende der 1950er Jahre, dürftige Instandhaltung, Entstehen von Bahnhofsvierteln, Kriminalität, Wertverlust des umliegenden Territoriums - der Rand quoll über in die Mitte, nahm die Bahnhöfe der großen Städte in Besitz.
Von "Pestbeulen", in die sich die "pulsierenden Herzen der Städte" wandelten, vom Milieu, welches "das Image des Bahnfahrens zusätzlich schädigte", ist in einem Ausstellungskatalog der Deutschen Bahn AG die Rede. Dass Bahnhöfe damit gerade zu Orten dessen wurden, was die Vielfalt von Städten nun mal ausmacht, dass sie randständige Phänomene und Resultate des Stadtlebens integrieren, ist die andere, positive Seite der Medaille: Denn, "die herkömmliche Umhüllung eines Bahnhofs durch gemischte Bereiche mit Rotlichtmilieu, Hotels, Pensionen aller Art und Couleur, robuster Gastronomie und so weiter ist keineswegs überflüssig", schreibt der Architekturpublizist Dieter Hoffmann-Axthelm.
Eine urbane Funktion
"Nach wie vor dienen alle diejenigen Bahnhöfe, die noch nicht in Einkaufszentren verwandelt wurden, als neutrale öffentliche Zone für Fremde, Treffpunkt für Ausländer, für sozial Schwache und Randgruppen. Bahnhofsgegenden sind Umschlagplätze für abweichendes Verhalten; Vereinsamung, Halbwelt. Das alles sind Dinge, die man zwar polizeilich wegdrängen, aber nicht wegschaffen kann; sie gehören zur Stadt", so Hoffmann-Axthelm. Die Bahnhofsmission ist eine Form dieser wichtigen urbanen Funktion.
Das legendäre Leipziger Astoria steht heute leer: zwar bahnhofsnah, doch kein Investor in Sicht. (Bild: msz)
Wenn Bahnhöfe auch Stadtentwicklung bestimmen und bestimmen sollen, dann fragt sich eben, ob sie losgelöst von der sozialen Entwicklung, von zunehmender Armut im Besonderen, überhaupt denkbar sind: Glitzernde Raumschiffe, sorgsam gesäubert und bewacht gegen den sozialen Rand, sind vielleicht nicht jedem eine wünschenswerte Vision.
"Ob das Konzept aufgeht, ist fraglich. Der mächtig aufgestylte Bahnhof Leipzig zum Beispiel mit Dienstleistungszentrum und Läden ohne Ende wird bei weitem nicht so heftig frequentiert wie erwartet", konstatiert die Journalistin Gerlinde Buck im Sommer 2004. Kein Wunder, sinkt doch die Kaufkraft vieler Menschen stetig.
Schienen-"Kathedralen"
Nicht nur, weil die "kosmopolitische Elite" längst die Flughäfen bevölkert, steht der Renaissance der Schienen-"Kathedralen" einiges entgegen: Welche Kathedrale wird schon wiedergeboren, indem man sie zum Tempel des Konsums umfunktioniert - und die Armen der Stadt von ihren Segnungen fernzuhalten trachtet?
Michael Schmittbetz (aktualisiert 18.11.2009)
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Kopf-, Kreuz-, Durchgangsbahnhof
Es gibt verschiedene Kategorien von Bahnhöfen. Zu den ältesten Arten zählt der Kopfbahnhof, wie er sich beispielsweise in Leipzig findet: Die Eisenbahnstrecken enden dort ähnlich einer Sackgasse. Am häufigsten anzutreffen ist der Durchgangsbahnhof, wo mehrere Gleise am Empfangsgebäude vorbeilaufen. In einem Kreuzungsbahnhof wie etwa im neuen Berliner Hauptbahnhof überschneiden sich verschiedene Strecken - auf einer oder auf mehreren Ebenen. Nur selten anzutreffen ist der Berührungsbahnhof, bei dem zwei und mehr nicht miteinander verbundene Strecken aneinander vorbeilaufen.
Es gibt verschiedene Kategorien von Bahnhöfen. Zu den ältesten Arten zählt der Kopfbahnhof, wie er sich beispielsweise in Leipzig findet: Die Eisenbahnstrecken enden dort ähnlich einer Sackgasse. Am häufigsten anzutreffen ist der Durchgangsbahnhof, wo mehrere Gleise am Empfangsgebäude vorbeilaufen. In einem Kreuzungsbahnhof wie etwa im neuen Berliner Hauptbahnhof überschneiden sich verschiedene Strecken - auf einer oder auf mehreren Ebenen. Nur selten anzutreffen ist der Berührungsbahnhof, bei dem zwei und mehr nicht miteinander verbundene Strecken aneinander vorbeilaufen.



