Kaffee, Jam und Jazz
Absolut finster sieht es für zahlreiche Provinzbahnhöfe aus mit ihren stillgelegten Gleisen und menschenleeren Bahnsteigen. Doch es gibt Ideen, wie man neues Leben in die Gebäude bringen kann.Stillgelegt: zwischen vielen Schienen sprießt seit dem Streckensterben in den 1990er Jahren Gras. (Bild: msz)
Einst das Tor zur Stadt
Anders in der Provinz, wo sich viele Bahnhöfe mit vernagelten Fenstern, Graffitischmierereien, bröckelndem Putz und überwucherten Gleisen präsentieren. Bahnschalter sind meist geschlossen. Auskunft gibt es am Automaten, sofern man ihn bedienen kann. Derartige Stationen, einst das Tor zur Stadt, gehören seit dem Streckensterben in den 1990er Jahren zum Alltag: Stationen, die weder zum Aussteigen noch Verweilen einladen - wenn überhaupt noch Züge halten.
Aushängeschild von Kommunen
Neue Nutzungskonzepte müssen also her, schließlich sind verriegelte Bahnhöfe nicht gerade das beste Aushängeschild von Kommunen. Weil der Sanierungsaufwand der oft bis zu hundert Jahre alten Stationen für die Bahn allein zu hoch ist, will sie Länder und Gemeinden stärker einbeziehen. Statt zu vermodern, so die Idee, könnte der Leerstand Bibliotheken, Volkshochschulen oder Jugendclubs Platz bieten.
Viel Platz zu bieten hat auch der alte Saalbahnhof in Jena, der ab 1874 der wichtigste Fernverkehrshalt der Bahnstrecke Nord-Süd war. Doch spätestens mit dem Umbau des Haltepunktes Jena Paradies 2001 verlor der Bahnhof als Bahnhof jede Bedeutung. War die Verwaltung schon zehn Jahre früher ausgezogen, schloss die Deutsche Bahn ein Jahr später auch die Schalter, 2004 die Empfangshalle. Seitdem müssen Fahrgäste um das Gebäude herumgehen, wollen sie einen der noch haltenden Regionalzüge erwischen.
Ende für den Saalbahnhof in Jena - im Jahr 2004 schloss die Bahn das Gebäude für den Bahnbetrieb. (Bild: ys)
Wahrscheinlich wäre der Saalbahnhof in Vergessenheit geraten, hätte der Verein JenKultig e.V. im Jahr 2000 nicht dringend eine neue Bleibe gesucht. "Wir wollten Leben in den Bahnhof bringen und ihn vor dem Verfall bewahren", erklärt Vorstandsmitglied Katja Neumann. "Deshalb wurden wir von der Bahn mit offenen Armen empfangen."
Mehr als eine Vereinsstube
Wohl auch, weil dem studentischen Verein mehr im Sinn stand als nur eine Vereinsstube. Ein Kulturbahnhof sollte es werden, mit einer breiten Palette von Veranstaltungen für ein noch breiteres Publikum. "In dieser Zeit waren Kulturbahnhöfe gerade im Kommen", sagt Vereinsvorstand Tilo Hermes. "Nur bekamen wir den Titel nicht von der Bahn verliehen - wir haben ihn uns selbst verliehen." ...
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Bahnhöfe vor dem Aus
Gegenwärtig betreibt die Deutsche Bahn Station&Service AG 5.400 Bahnhöfe in ganz Deutschland. Viele Objekte stehen schon seit längerer Zeit leer. Und es könnten bald mehr werden, denn der Bund will den Neu- und Ausbau wenig frequentierter Strecken sowie Stationen nicht länger bezuschussen. Steigen pro Werktag weniger als hundert Fahrgäste ein und aus, droht vor allem Provinzbahnhöfen das Ende. Laut Karl-Heinz Daehre, Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, seien nach diesen Kriterien allein in seinem Bundesland 53 Prozent der Bahnhöfe von der Schließung betroffen. Die Bahn bemüht sich daher, ihre Immobilien an Kommunen und private Investoren zu verkaufen, um sie vor dem Verfall zu bewahren.
Gegenwärtig betreibt die Deutsche Bahn Station&Service AG 5.400 Bahnhöfe in ganz Deutschland. Viele Objekte stehen schon seit längerer Zeit leer. Und es könnten bald mehr werden, denn der Bund will den Neu- und Ausbau wenig frequentierter Strecken sowie Stationen nicht länger bezuschussen. Steigen pro Werktag weniger als hundert Fahrgäste ein und aus, droht vor allem Provinzbahnhöfen das Ende. Laut Karl-Heinz Daehre, Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, seien nach diesen Kriterien allein in seinem Bundesland 53 Prozent der Bahnhöfe von der Schließung betroffen. Die Bahn bemüht sich daher, ihre Immobilien an Kommunen und private Investoren zu verkaufen, um sie vor dem Verfall zu bewahren.



