Geschlossene Schalter im Saalbahnhof: was Reisenden früher als Empfangshalle diente, hat heute seine Funktion verloren. (Bild: ys)
Also seien sie selbst auf das Dach geklettert, um es zu reparieren, erinnert sich Katja Neumann. Alle Renovierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen wie der Einbau von Sanitäranlagen, Malerarbeiten oder der Bau der Theaterbühne und Theke seien zwangsläufig Marke Eigenbau.
Bahn als Sponsor
Dem Projekt kamen geringe Mietkosten zugute, sodass JenKultig einen Großteil seines aus der Gastronomie und aus Vermietungen erwirtschafteten Gewinns re-investieren konnte. "Damit ist die Bahn indirekt als Sponsor aufgetreten", so Neumann, "wofür wir sehr dankbar sind." Ohne die engagierte Arbeit der Vereinsmitglieder aber wäre der Kulturbahnhof auf dem Papier geblieben. "Grob überschlagen habe ich in den letzten Jahren über zehntausend ehrenamtliche Stunden im Saalbahnhof verbracht", rechnet Tilo Hermes.
Kino, Bücher, Akte
Bedauert hat der als Lehrer arbeitende Hermes seinen Einsatz nie, denn was JenKultig in nunmehr acht Jahren - ohne Fördergelder - auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich. In der obersten Etage, wo zu DDR-Zeiten der Intershop war, befindet sich ein Jazzcafé, das für viele Jenenser mittlerweile zu einem beliebten Treffpunkt geworden ist.
Gegen einen Obolus nutzen Theatergruppen das zum Theatersaal umfunktionierte frühere Mitropa-Restaurant, proben Bands im Keller, haben Künstler in ehemaligen Büros Ateliers eingerichtet. Daneben gibt es Kinoabende, Lesungen, Jam Sessions, Stammtischtreffen, Kreativkurse wie Aktzeichnen und Töpfern, Ausstellungen und vieles mehr.
Wohnzimmeratmosphäre: Pflanzen, postsozialistischer Charme und alte Möbel machen das Jazzcafé zu einem beliebten Treffpunkt der Jenenser. (Bild: ys)
Im Jahr 2007 wurde die Zukunft des Saalbahnhofs allerdings in Frage gestellt, als die Deutsche Bahn das Gebäude samt zugehörigem Gelände - insgesamt eine Fläche von 20.000 Quadratmetern - zum Verkauf ausschrieb. Etlichen Interessenten schwebte eine hauptsächlich gewerbliche Nutzung vor. Das kulturelle Angebot wäre dann möglicherweise zur Nebensache verkommen.
Eine Frage des Geldes
Den Zuschlag erhielt schließlich Tilo Hermes, der noch große Pläne für den Kulturbahnhof hat. So will er beispielsweise zwei weitere Cafés einrichten und Computerkurse für Senioren anbieten, um die Attraktivität des Saalbahnhofs zu steigern. Ein Ort der Begegnung für Jung und Alt - das schwebt dem Vereinsvorstand vor. Ob Hermes seine Pläne verwirklichen kann, hängt wie so oft am Geld. Doch der Lehrer lässt nicht locker. "Schließlich haben wir das Kind zum Laufen gebracht", sagt Tilo Hermes eindringlich. "Jetzt müssen wir auch sein Zuhause sichern."
Yvonne Schmidt (02.06.2008)
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Privat - staatlich - privat
1835: Geburtsstunde der deutschen Eisenbahn mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Nürnberg - Fürth.
Bis 1870: Entstehung verschiedener Privat- und Staatsbahnen.
1870er Jahre: Das Nebeneinander privat und staatlich betriebener Bahnen stellt sich wegen unterschiedlicher Tarife als ein gravierendes Problem dar.
1885: Übergang von 11.000 Streckenkilometern privater Bahnen in preußischen Staatsbesitz.
1920: Gründung der Deutschen Reichsbahn.
Anfang der 1990er Jahre: Durch zunehmenden Autoverkehr bedingtes Streckensterben.
1994: Gründung der Deutschen Bahn AG als privatrechtlich organisiertes Staatsunternehmen zur Wettbewerbsförderung.
2008: Zustimmung von CDU/CSU und SPD zur Teilprivatisierung der DB. Mit dem Verkauf von Unternehmensanteilen an private Investoren und dem angestrebten Börsengang erhofft sich die Bahn Erlöse in Millionenhöhe.
1835: Geburtsstunde der deutschen Eisenbahn mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Nürnberg - Fürth.
Bis 1870: Entstehung verschiedener Privat- und Staatsbahnen.
1870er Jahre: Das Nebeneinander privat und staatlich betriebener Bahnen stellt sich wegen unterschiedlicher Tarife als ein gravierendes Problem dar.
1885: Übergang von 11.000 Streckenkilometern privater Bahnen in preußischen Staatsbesitz.
1920: Gründung der Deutschen Reichsbahn.
Anfang der 1990er Jahre: Durch zunehmenden Autoverkehr bedingtes Streckensterben.
1994: Gründung der Deutschen Bahn AG als privatrechtlich organisiertes Staatsunternehmen zur Wettbewerbsförderung.
2008: Zustimmung von CDU/CSU und SPD zur Teilprivatisierung der DB. Mit dem Verkauf von Unternehmensanteilen an private Investoren und dem angestrebten Börsengang erhofft sich die Bahn Erlöse in Millionenhöhe.



