Die rostende Lady
Joseph B. Strauss erfüllte sich einen Traum: Er baute die damals größte Hängebrücke der Welt, die Golden Gate Bridge in San Francisco. 1937, nach vier Jahren Bauzeit, war das Ungetüm fertig.Die Golden Gate Bridge - ausnahmsweise bei Sonnenschein: Es ist Rostschutzfarbe, die ihr den berühmten Schimmer verleiht.
Dennoch: Ganz handfester Amerikaner aus dem Osten, strotzte der Mann nach Außen vor Optimismus. Immerhin standen gute Gründe auf seiner Seite: Diesseits wie jenseits der Meerenge zwischen San Francisco und Marine Peninsula County wuchsen die Einwohnerzahlen rasant. Der Verkehr nahm zu, die alten Fähren bekamen ihn kaum noch in den Griff. Da war also ein Hindernis. Und Hindernisse gehören ausgeräumt!
Nein, ganz allein eine Idee des Mister Strauss ist die Golden Gate Bridge trotz allem nicht. Schon 1872 planten die Stadtväter von San Francisco etwas in der Art. Dann lag der Gedanke auf Eis, um in den dynamischen 1920er Jahren wieder aktuell zu werden. Freilich, hätte man in der Zeit der allerschlimmsten Wirtschaftskrise, 1932, die letztendlichen Baukosten geahnt, wer weiß, ob der Sieg nicht doch noch auf Seiten der Bedenkenträger gewesen wäre.
Stahl und Beton
So aber fällt um die Mitte des Jahres 1933 der Startschuss - für den Bau einer der schönsten Brücken der Welt. Stahl, in rauen Mengen, wird gebraucht. Allein die Hauptstahlstränge, welche von den 227 Meter hohen Pfeilern herunter schwingen, sind knapp einen Meter dick und bestehen aus je 27.000 bleistiftstarken Einzeldrähten. Dreimal um den Globus würden sie reichen. Mit dem Beton, der für Verankerungen und Pfeiler verbraucht wird, hätte man einen anderthalb Meter breiten Gehweg von New York bis San Francisco legen können.
Am 28. Mai 1937 gibt Joseph B. Strauss den Zugang zu seinem Bauwerk frei. Vier harte Jahre sind vorüber.
Und es hätten mehr sein können: Strauss jedoch, der vorsorgliche Planer, ließ eine riesige Netzkonstruktion etliche Meter über dem Wasser spannen. Neunzehn Bauleute wurden so gerettet. Der Schöpfer selbst überlebte die Vollendung seines Glanzstücks nur um Monate: Am 16. Mai 1938 starb Chief Engineer und Brückenarchitekt Joseph Baermann Strauss in Los Angeles.
International Orange
Für viele ist die Golden Gate Bridge, trotz aller Grazilität, schlichtweg ein Monster - so ähnlich wie der Pariser Eiffelturm. Noch dazu ein Monster, das in den feuchten, salzhaltigen Nebelbänken der Meerenge hartnäckig rostet. Täglich gilt es also, die "Lady" frisch zu schminken. Das fordert, pro Jahr, 22.000 Liter Farbe. Die Sorte heißt International Orange. Wenn es sie nicht gäbe, würde die Brücke ihr Attribut "Golden" wohl schnell verlieren.
Auch sonst lässt der Verschleiß ein Team von 110 Malern, Spenglern, Elektrikern und Tischlern nicht arbeitslos werden. Ungefähr 120.000 Autos, die heute täglich die Brücke queren, machen sich nun mal bemerkbar. Und seit den Anschlägen von Ground Zero gibt es noch so manches zusätzlich zu tun...
Schwebende Brücke
Die Golden Gate Bridge von ferne - es ist ein Traumbild: Gerade wenn der Nebel, neben dem Wind ihr bislang schlimmster Feind, aus dem Wasser steigt, scheint sie zu schweben - unwirkliche Realität. Steht man später, irgendwann im Sonnenschein, zwischen ihren Pfeilern, öffnet sich der Blick auf die alte Häftlingsinsel Alcatraz, auf San Francisco natürlich und Marine County - und auf die Brücke selbst. Dann lebt sie unter den Füßen.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 16.05.2012)
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Infobox
Traummaße
Die Golden Gate Bridge ist eine in der Erde verankerte Hängebrücke. Sie quert seit ihrer Fertigstellung 1937 die Golden Gate genannte San Francisco Bay. Ihre Länge beträgt 2.737 Meter, ihre Spannweite 1.280 Meter. Die zwei Pfeiler der Brücke haben eine Höhe von 227, 4 Metern.
Auf der 27,5 Meter breiten Brücke haben sechs Fahrspuren und ein Gehweg Platz. Über 120.000 Fahrzeuge passieren täglich die Brücke. Bei einem solch hohen Verkehrsaufkommen waren die Baukosten von rund 37 Millionen Dollar bis 1971 durch Nutzungsgebühren wieder reingeholt. Doch man ist gnädig - die Gebühr von sechs Dollar wird nur in einer Richtung, stadteinwärts, erhoben.
Die Golden Gate Bridge ist eine in der Erde verankerte Hängebrücke. Sie quert seit ihrer Fertigstellung 1937 die Golden Gate genannte San Francisco Bay. Ihre Länge beträgt 2.737 Meter, ihre Spannweite 1.280 Meter. Die zwei Pfeiler der Brücke haben eine Höhe von 227, 4 Metern.
Auf der 27,5 Meter breiten Brücke haben sechs Fahrspuren und ein Gehweg Platz. Über 120.000 Fahrzeuge passieren täglich die Brücke. Bei einem solch hohen Verkehrsaufkommen waren die Baukosten von rund 37 Millionen Dollar bis 1971 durch Nutzungsgebühren wieder reingeholt. Doch man ist gnädig - die Gebühr von sechs Dollar wird nur in einer Richtung, stadteinwärts, erhoben.





