Kunst und Symbol
Dank Brücken dehnte der Mensch seinen Lebensraum aus, konnten Händler Waren transportieren und Eroberer in fremde Länder einfallen. Bald schon waren die Bauten mehr als nur Verkehrswege.Aus 129.000 Kilometern gesponnenem Draht bestehen die beiden mächtigen Hauptkabel der Golden Gate Bridge in San Francisco.
Eng verbunden ist die Brückenbaukunst mit der Geschichte der Menschheit: Wachsende Gesellschaften brauchen mehr Lebensraum und müssen somit nach Wegen suchen, um natürliche Hindernisse zu überwinden. Ein umgefallener Baum zum Beispiel hilft über den Fluss. So erlaubten erste Balkenbrücken eine Ausweitung frühmenschlicher Lebensstätte: mehr Kommunikation mit Nachbarn, mehr Waren, wachsende Siedlungen, Verkehr und Handel.
Kühne Konstruktionen
Mit dem technischem Fortschritt wurden Brückenkonstruktionen kühner: Im sechsten Jahrhundert v. Chr. ließ König Nebukadnezar von Babylon eine Brücke aus Zypressen- und Zedernholz über den Euphrat bauen. Der wurde kurzerhand umgelenkt, um die Steinpfeiler im Flussbett besser errichten zu können. Lange Hängebrücken für Wagemutige gab es schon vor viertausend Jahren in China und Indien.
Kunstvolle Bogenbrücken aus Stein bauten erst die Etrusker, dann die Römer: So entstand der monumentale Pont du Gard im Jahre 19 v. Chr. als Teil eines Aquädukts, das Wasser vierzig Kilometer weit über das Felstal des Gardon bei Nîmes leitete. Die römische Brückenbaukunst war Voraussetzung für den Ausbau des Wasser- und Verkehrsnetzes und damit eine der Grundlagen der Macht des Römischen Reiches: Wer die Brücken beherrscht, beherrscht das Land. Und wer das Land beherrscht, beherrscht auch dessen Menschen.
In kirchlicher Obhut
Im Mittelalter übernahm oft die Kirche Bau und Wartung von Brückenanlagen. So genannte Brücken-Bruderschaften ermöglichten Pilgern und Kaufleuten die Weiterreise. Die enorme Macht der Kirche dokumentieren auch Entstehungslegenden von Brücken:
Der Pont d'Avignon über die Rhône, die längste Brücke des Mittelalters, soll von einem Schafhirten namens Bénézet 1187 auf Gottes direktes Geheiß hin erbaut worden sein. Übrigens: Als Rom zum Zentrum der christlichen Kultur wurde, übernahm der Papst den zuvor kaiserlichen Titel Pontifex Maximus - oberster Brückenbauer.
Brückenmarkt in Erfurt
Als öffentliche Marktplätze hatten Brücken oft kommerzielle Funktionen: Bebaute Brücken, wie der Ponte Vecchio in Florenz, waren im Mittelalter keine Seltenheit. Auf der Krämerbrücke in Erfurt zum Beispiel drängten sich einst 62 Häuschen, die höchstens 2,80 Meter schmal waren. Noch heute beherbergen 32 liebevoll gestaltete Läden Kunst und Kultur. Die längste geschlossen bebaute Brücke nördlich der Alpen hat ihr besonderes Flair bis in die Gegenwart erhalten.
Während sich die Industrialisierung von England über Europa ausbreitete, entstand 1779 in der Nähe von Birmingham die erste gusseiserne Bogenbrücke - über den Fluss Severn. Konstruktionen des 19. Jahrhunderts mussten den wachsenden Anforderungen besonders des Eisenbahnverkehrs genügen.
Die Storebæltbrücke zwischen den dänischen Inseln Fünen und Seeland misst fast 2.700 Meter - damit ist sie Europas längste Hängebrücke.
Ein gigantisches Projekt war der Bau der Bahnverbindung von Leipzig nach Hof in den Jahren 1846 bis 1851. Dessen imposantester Teil ist die Göltzschtalbrücke. In jüngster Vergangenheit hat sie es durch Suizide zu eher trauriger Berühmtheit gebracht - doch heute wie damals ist sie dank ihrer 26 Millionen Ziegel die größte Ziegelbrücke der Welt.
Seit der Industriellen Revolution haben technische Erfindungen wie Stahlbeton - eine besonders elastische und stabile Mischung eben von Stahl und Beton - Tragsicherheit und Lebensdauer der Brücken stetig erhöht. Die empirische Bauweise wurde von einer wissenschaftlichen Ingenieurtechnik abgelöst.
Grün wird Blau
Eindrucksvolle Verbindungen von technischer Effizienz und Ästhetik waren das Resultat: Der Anblick der Golden Gate Bridge fasziniert noch immer. 1937 fertiggestellt, war sie mit einer Länge von drei Kilometern die damals größte frei stehende Hängebrücke der Welt. Von solchen Dimensionen wagte man noch wenige Jahrzehnte zuvor nicht zu träumen.
Berühmte Brücken kann man auch fast vor der Haustür finden: Allein in Mitteldeutschland gibt es etliche Brücken und ihre Geschichten zu bestaunen. Zum Beispiel das Blaue Wunder in Dresden: Die stählerne Konstruktion hatte als einzige Brücke Dresdens den Zweiten Weltkrieg überstanden. 1945 bewahrten Dresdner Bürger sie vor der Sprengung durch die SS. Der Name Blaues Wunder soll daher rühren, dass der ursprünglich grüne Farbanstrich bereits in der ersten Nacht blau geworden war.
Zum Miteinander gezwungen
Brücken und Kriege - es ist im Grunde ein eigenes Thema: Die Stari Most, die "alte Brücke", gab der bosnischen Stadt Mostar den Namen. "Einen Kopf kürzer machen" wollte Herrscher Suleiman ihren Baumeister Hajrudin, falls die Brücke nicht halten würde. Sie hielt - bis kroatische Artillerie sie 1993 zerstörte.
Jahrhundertelang war die Stari Most ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben von Moslems und Christen. Ohne Brücke fühlten sich Christen vom Muezzin auf der einen und Moslems vom Kreuz auf der anderen Seite der Neretva provoziert. Allein die Möglichkeit, den Fluss zu überqueren, hatte Menschen unterschiedlichen Glaubens früher erfolgreich zum Miteinander gezwungen.
Symbol des Zusammenlebens
Dank UNESCO und Weltbank steht die Brücke seit 2004 wieder - als Grundstein zur Versöhnung. Ein Kunstprojekt beschäftigte sich bereits 2000 mit dem Dilemma dieses Ortes: Den noch unterbrochenen Weg über die Brücke säumten Fahnen mit Zitaten internationaler Literaten, darunter der Satz des Ungarn István Eörsi: "Die Brücke: menschliche Beziehung, zur Materie befestigt..."
Fanny Backhaus (aktualisiert 14.05.2012)
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Infobox
Bauwerk der Superlative
Schon die alten Römer träumten davon, Sizilien mit dem Festland zu verbinden. Vor mehr als zweitausend Jahren wollten sie mit Hilfe zusammengebundener Flöße die Meerenge von Messina überbrücken.
Ende des letzten Jahrhunderts kamen diese Gedankenspiele erneut auf, doch diesmal in einer modernen Variante. Eine Brücke soll nun Festland und Insel verbinden: 3.300 Meter lang, 60 Meter breit und 380 Meter hoch, mit sechs Fahrspuren und zwei Schienensträngen.
Die geplante Brücke wäre die weltweit größte Hängebrücke, ganze 1.310 Meter länger als Japans Akashi-Kaikyo-Brücke. Als Bauwerk der Superlative soll sie sogar die Golden Gate Bridge von San Francisco in den Schatten stellen.
Baubeginn des sechs Milliarden Euro teuren Vorhabens sollte 2007 sein. Die italienische Abgeordnetenkammer unter Ministerpräsident Romano Prodi setzte das Projekt jedoch im Oktober 2006 aus: Die Brücke sei wegen der schwachen Infrastruktur Siziliens unsinnig. Auch Umweltschützer kämpften jahrelang gegen den Bau des Prestigeobjekts.
2008 allerdings hieß es erneut: "Von diesem Projekt rücken wir nicht mehr ab. Das ist ein gewaltiges Bauwerk, das auch Touristen bringt." Dieser Appell des damaligen Infrastruktur-Ministers Altero Matteoli war ganz im Sinne der Regierung Berlusconi, die den umstrittenen Plan für das Bauwerk im April 2008 wieder aufnahm.
2017 soll die Brücke befahrbar sein, hieß es damals. Doch im Juli 2011 wurde der Baubeginn auf Mitte 2012 verschoben. Zudem hat sich die offizielle Kostenprognose im Laufe der Jahre stetig erhöht: 8,5 Milliarden Euro soll Berlusconis einstiges Lieblingsprojekt nun kosten. Ob sich der Jahrtausende alte Traum erfüllt, bleibt abzuwarten.
Schon die alten Römer träumten davon, Sizilien mit dem Festland zu verbinden. Vor mehr als zweitausend Jahren wollten sie mit Hilfe zusammengebundener Flöße die Meerenge von Messina überbrücken.
Ende des letzten Jahrhunderts kamen diese Gedankenspiele erneut auf, doch diesmal in einer modernen Variante. Eine Brücke soll nun Festland und Insel verbinden: 3.300 Meter lang, 60 Meter breit und 380 Meter hoch, mit sechs Fahrspuren und zwei Schienensträngen.
Die geplante Brücke wäre die weltweit größte Hängebrücke, ganze 1.310 Meter länger als Japans Akashi-Kaikyo-Brücke. Als Bauwerk der Superlative soll sie sogar die Golden Gate Bridge von San Francisco in den Schatten stellen.
Baubeginn des sechs Milliarden Euro teuren Vorhabens sollte 2007 sein. Die italienische Abgeordnetenkammer unter Ministerpräsident Romano Prodi setzte das Projekt jedoch im Oktober 2006 aus: Die Brücke sei wegen der schwachen Infrastruktur Siziliens unsinnig. Auch Umweltschützer kämpften jahrelang gegen den Bau des Prestigeobjekts.
2008 allerdings hieß es erneut: "Von diesem Projekt rücken wir nicht mehr ab. Das ist ein gewaltiges Bauwerk, das auch Touristen bringt." Dieser Appell des damaligen Infrastruktur-Ministers Altero Matteoli war ganz im Sinne der Regierung Berlusconi, die den umstrittenen Plan für das Bauwerk im April 2008 wieder aufnahm.
2017 soll die Brücke befahrbar sein, hieß es damals. Doch im Juli 2011 wurde der Baubeginn auf Mitte 2012 verschoben. Zudem hat sich die offizielle Kostenprognose im Laufe der Jahre stetig erhöht: 8,5 Milliarden Euro soll Berlusconis einstiges Lieblingsprojekt nun kosten. Ob sich der Jahrtausende alte Traum erfüllt, bleibt abzuwarten.
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Die Brücke
Am 7. Juni 1905 gründeten die vier Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff in Dresden die Künstlergruppe Brücke, auch KG Brücke genannt. Sie gilt als ein Wegbereiter des deutschen Expressionismus.
Der Name entstand auf einem Spaziergang, wie sich Erich Heckel später in seinem Tagebuch erinnert: "Wir haben natürlich überlegt, wie wir an die Öffentlichkeit treten könnten. Eines Abends sprachen wir auf dem Nachhauseweg wieder davon. Schmidt-Rottluff sagte, wir könnten das Brücke nennen - das sei ein vielschichtiges Wort, würde kein Programm bedeuten, aber gewissermaßen von einem Ufer zum anderen führen."
Die Brücke diente hier als Metapher. Ziel der Künstlergemeinschaft war es, "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen", wie Schmidt-Rottluff 1906 in einem Brief an Emil Nolde schrieb. Alle Mitglieder, zu denen sich ab 1906 auch Max Pechstein und Emil Nolde, ab 1910 Otto Mueller zählten, lehnten den tradierten Malstil der Akademien ab. Neue Ausdrucksformen galt es zu finden, um der Kunst eine neue Richtung zu geben.
Dabei orientierten sich die Künstler besonders an Südseemotiven und der Malerei von Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Edvard Munch. Die gemalten Motive, wie Landschaften und Akte, sollten das innere Erleben der Welt und das subjektive Empfinden der Künstler widerspiegeln. Die Reduzierung auf das Wesentliche und der Verzicht auf Details wurden Markenzeichen der Gruppe.
Nach dem Umzug nach Berlin 1911 entwickelten sich die Künstler in unterschiedliche Richtungen. Zwei Jahre später löste sich die Gruppe wegen interner Streitigkeiten auf. Rund 400 Gemälde sowie eine Vielzahl von Handzeichnungen, Aquarellen und Originalgraphiken sind heute im 1967 eröffneten Brücke-Museum in Berlin zu sehen.
Am 7. Juni 1905 gründeten die vier Architekturstudenten Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff in Dresden die Künstlergruppe Brücke, auch KG Brücke genannt. Sie gilt als ein Wegbereiter des deutschen Expressionismus.
Der Name entstand auf einem Spaziergang, wie sich Erich Heckel später in seinem Tagebuch erinnert: "Wir haben natürlich überlegt, wie wir an die Öffentlichkeit treten könnten. Eines Abends sprachen wir auf dem Nachhauseweg wieder davon. Schmidt-Rottluff sagte, wir könnten das Brücke nennen - das sei ein vielschichtiges Wort, würde kein Programm bedeuten, aber gewissermaßen von einem Ufer zum anderen führen."
Die Brücke diente hier als Metapher. Ziel der Künstlergemeinschaft war es, "alle revolutionären und gärenden Kräfte an sich zu ziehen", wie Schmidt-Rottluff 1906 in einem Brief an Emil Nolde schrieb. Alle Mitglieder, zu denen sich ab 1906 auch Max Pechstein und Emil Nolde, ab 1910 Otto Mueller zählten, lehnten den tradierten Malstil der Akademien ab. Neue Ausdrucksformen galt es zu finden, um der Kunst eine neue Richtung zu geben.
Dabei orientierten sich die Künstler besonders an Südseemotiven und der Malerei von Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Edvard Munch. Die gemalten Motive, wie Landschaften und Akte, sollten das innere Erleben der Welt und das subjektive Empfinden der Künstler widerspiegeln. Die Reduzierung auf das Wesentliche und der Verzicht auf Details wurden Markenzeichen der Gruppe.
Nach dem Umzug nach Berlin 1911 entwickelten sich die Künstler in unterschiedliche Richtungen. Zwei Jahre später löste sich die Gruppe wegen interner Streitigkeiten auf. Rund 400 Gemälde sowie eine Vielzahl von Handzeichnungen, Aquarellen und Originalgraphiken sind heute im 1967 eröffneten Brücke-Museum in Berlin zu sehen.




