Der eigene Bunker
Der Bunkerbau ging einher mit dem Fortschreiten der Waffentechnik. Bombenflugzeuge trugen den Krieg zur Bevölkerung ins Hinterland. Die sollte zunächst einmal selbst vorsorgen.Die militärische Luftfahrtechnik schritt nach dem Ersten Weltkrieg rapide fort. Bombenflugzeuge mit großer Reichweite konnten Ziele im Hinterland des Gegners anzugreifen. Nicht nur militärische Objekte sollten sie zerstören, sondern auch die Moral der Bevölkerung im Bombenhagel ersticken, die im Zuge der Totalisierung des Krieges selbst zur Zielscheibe und schutzbedürftig wurde.
"Luftschutz tut Not"
In Deutschland erlaubten die Siegermächte ab 1926 den Aufbau des zivilen Luftschutzes, der zunächst mit Aktionen zur verbesserten Brandbekämpfung begann. Die Regierung Hitler setzte sich das Ziel, die Bevölkerung zum Selbstschutz unter staatlicher Anleitung zu bewegen. Der Luftfahrtminister Hermann Göring unterstellte Reichsluftschutzbund (RLB) erließ Richtlinien für den Bau privater Schutzräume und bildete freiwillige Helfer aus. Ein Gesetz aus dem Jahr 1935 schrieb den Bürgern vor, sich an Schutzmaßnahmen zu beteiligen. Unter dem Motto "Luftschutz tut Not" stimmte die staatliche Propaganda die Bevölkerung auf kommende Angriffe ein.
Bunkerboom im Reich
Für private Bauherren und Hauseigentümer machten die Behörden den Einbau von Schutzräumen zur Pflicht und gewährten staatliche Zuschüsse. Keller sollten bombenfest gemacht oder externe Räumlichkeiten angelegt werden. Die Wirtschaft stellte sich mit einem vielfältigen Angebot an Schutzausrüstung auf den neuen Markt ein. Auf Befehl des "Führers" begann ab 1940 der Bau öffentlicher Schutzeinrichtungen in städtischen Wohngebieten. Dafür nutzte man vor allem vorhandene unterirdische Anlagen, wie etwa U-Bahn-Tunnel. Die Bunker waren in kleinere Segmente unterteilt und mit Kochnischen, ärztlichen Behandlungszimmern und sanitären Anlagen ausgestattet. Filter und Schleusen sollten vor der Einwirkung chemischer Waffen schützen.
Bombensichere Türme
Auch über der Erde entstanden Schutzbunker, von diversen Herstellern in architektonischer Vielfalt angeboten. Weit verbreitet waren kegelförmige Hochbauten, an denen Bomben abgleiten und erst am Boden explodieren. Die turmartigen Schutzanlagen waren vor allem für die Belegschaft von Industriebetrieben gedacht und konnten bis zu mehrere hundert Personen aufnehmen. Die Architekten ließen sich oft von mittelalterlichen Zisternen oder Wehrbauten inspirieren, damit sich die Hochbunker ins Stadtbild einfügten und den Piloten nicht sofort ins Auge stachen. Den Flächenbombardements der Alliierten konnten die Schutzmaßnahmen für die zivile Bevölkerung jedoch wenig entgegensetzen. Besonders die von Brandbomben ausgelösten Feuerstürme forderten zahllose Opfer.
Unter dem Berliner Alexanderplatz gibt es ebenfalls einen einstigen Tiefbunker - bis zu 3.500 Personen bietet er Platz.
Nach dem Krieg dauerte es erneut einige Jahre, bis die Siegermächte Deutschland den Bau von Schutzanlagen gestatteten. Zum Schutz vor der atomaren Bedrohung griff die Regierung der noch jungen Bundesrepublik zu ähnlichen Mitteln, wie sie in Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs zur Anwendung kamen: Ein Bundesluftschutzverband gab zum Bau atombombenfester Schutzkeller Anleitungen heraus; wieder wollte man mit Fördermitteln einen Anreiz zur Selbstvorsorge schaffen. Für den größeren Geldbeutel boten Firmen auch fertige Atombunker an, wie die so genannten Kugelschutzräume. Insgesamt blieb die Zahl privater Schutzplätze allerdings gering, vielmehr besannen sich die Deutschen der Bunker aus dem vergangenen Krieg und richteten sie für den Ernstfall wieder her.
Friedliche Nutzung
Zusätzlich bauten die Behörden Großraumbunker, etwa unterm Kurfürstendamm in Berlin. Genug Platz für alle gab es dennoch nicht; im Westen der geteilten Stadt hätten gerade 27.000 Menschen Unterschlupf in öffentlichen Schutzbauten gefunden. Ihrer ursprünglichen Bestimmung müssen die Bunker nun hoffentlich nicht mehr dienen, stattdessen lassen sie sich auf kreative Weise zivil nutzen. Ihre Existenz kann uns auch in der Spaß- und Erlebnisgesellschaft daran erinnern, dass ein unbeschwertes Leben in Frieden nicht selbstverständlich ist.
Thomas Tschepke (03.05.2005)
Infobox
Neue Aufgaben
Zweckentfremdet werden viele erhaltene Bunker. In Berlin dienten öffentliche Schutzräume nach dem Krieg zeitweilig als Asyle für Obdachlose, Gefängnisse, Hotels oder zur Pilzzucht. Der Atombunker unterm Ku'damm hat heute Partys auf dem Programm. Eine Projektgemeinschaft erwarb in München einen Hochbunker für Ausstellungen und Veranstaltungen, die den Umbau zum Wohngebäude begleiten.
Im Musikbunker in Aachen sind Probenräume für Musiker untergebracht. Eine ehemalige Luftschutzanlage in Minden bauten Mitglieder eines Motorradclubs zum Treffpunkt und Veranstaltungsort um. Und Studenten in Gießen machten einen alten Hochbunker zur Kletteranlage.
Zweckentfremdet werden viele erhaltene Bunker. In Berlin dienten öffentliche Schutzräume nach dem Krieg zeitweilig als Asyle für Obdachlose, Gefängnisse, Hotels oder zur Pilzzucht. Der Atombunker unterm Ku'damm hat heute Partys auf dem Programm. Eine Projektgemeinschaft erwarb in München einen Hochbunker für Ausstellungen und Veranstaltungen, die den Umbau zum Wohngebäude begleiten.
Im Musikbunker in Aachen sind Probenräume für Musiker untergebracht. Eine ehemalige Luftschutzanlage in Minden bauten Mitglieder eines Motorradclubs zum Treffpunkt und Veranstaltungsort um. Und Studenten in Gießen machten einen alten Hochbunker zur Kletteranlage.


