Umsonst geleuchtet
Sie sind Zeichen der Zivilisation: Leuchttürme zu bauen und zu unterhalten war teuer. Ihr Dienst stand dem Nutzer, dem Seemann, jedoch kostenlos zur Verfügung. Wie passte das zusammen?Das Wetter ist trüb, die See ist rau. Da muss man leuchten! Koste es, was es wolle. (Gemälde von J. E. Buttersworth, um 1860)
Von Bord aus angepeilt, erlaubte seine Existenz das exakte Bestimmen der Schiffsposition - für den Seemann von unschätzbarem Wert, um nicht auf die nächste Klippe zu laufen. Aber was half es? Statt wenigstens ein Geldgeschenk zu hinterlegen, ließ der Käptn bloß weitersegeln.
Nützliches Verlustgeschäft
Leuchttürme sind teuer, brauchen Pflege, erfordern Personal. Doch als Profitquelle taugen sie nicht. Sie abzuschalten, was betriebswirtschaftlich sinnvoll wäre, würde allerdings zu Katastrophen führen. Dieses so genannte Leuchtturm-Dilemma hat bereits Ende des 18. Jahrhunderts kluge Köpfe zum Qualmen gebracht. Der klügste Kopf gehörte dem schottischen Nationalökonomen Adam Smith (1723 bis 1790).
Adam Smith' Theorie der unsichtbaren Hand - das sind die Mechanismen von Angebot und Nachfrage, Kosten und Preis, die angeblich alles auf das Vortrefflichste regeln - faszinierte schon des großen Denkers Zeitgenossen: Unrentables gehe dahin, Nützliches - sprich: Profitables - erblühe, meinte der intelligente Schotte. Was Verluste einspielt, gehört abgeschafft! Die Leuchttürme aber, wenn nur die Leuchttürme nicht wären! Denn die sind ja ein nützliches Verlustgeschäft und passen nicht zum sonst perfekten Konzept.
So könnte es den Seefahrern der Antike geleuchtet haben: das siebte Weltwunder nahe der Handelsstadt Alexandria.
Halbwegs unternehmerisch gedacht, müssten alle Leuchttürme Billigversionen sein. Um so mehr überrascht, dass ausgerechnet die Geschichte der Leuchttürme mit Gigantismus beginnt, und mit ausufernden Kosten: Millionen Kubikmeter Erde und Gestein ließen die Herren der Hafenmetropole Alexandria - Anfang des 3. Jahrhunderts v. Chr. - zu einem Riff neben der Insel Pharos transportieren.
Resultat war ein mehr als hundert Meter hoher Turm, auf dem man Harz und Öl verbrannte. Als siebtes Weltwunder der Antike ging das Bauwerk, koste es was es wolle, in die Geschichtsbücher ein.
Alexandria machte nicht Pleite
Der weltweiten Bekanntheit des Giganten ist geschuldet, dass sein Name in allen romanischen Sprachen noch immer für Leuchtturm steht: lateinisch pharus, italienisch und spanisch faro, französisch phare und portugiesisch farol. Skeptisch fragen wir heute: Ja hat sich das Riesending denn gerechnet? Immerhin: Alexandria wuchs zum bedeutenden Handelsplatz heran, statt in die Pleite zu rutschen.
Wir wissen nicht, wer an des Pharos' Spitze das Leuchtfeuer unterhielt. Vermutlich wirkten da Staatssklaven mit und die Lohnkosten waren minimal. Das blieb auch später so: Da Leuchttürme wegen des Leuchtturm-Dilemmas nicht profitabel sind, sind Leuchtturmwärter keine "Leistungsträger". Zu Spitzeneinkommen und zu Berühmtheit brachten sie es fast nie in ihrem einsamen Job.
Deutschlandweit wurde nur Walter Hoerenz bekannt, weil er hierzulande der Letzte war: 1998 ging Hoerenz, nach 37 Dienstjahren auf Hiddensee, in Pension. Der Sieg der beinahe automatischen Fernsteuerung war mit seinem Abschied vollendet.
Trotz allem blieb der Job im Leuchtturm der Traum jedes Romantikers: eine Arbeit, die weder entfremdet noch nichtentfremdet war, einerseits weder an Kostendruck, Maschinentakt und Stechuhr gebunden, andererseits auch nicht wirklich beunruhigend frei und selbstbestimmt.
Vom Störfall zum Paradebeispiel
Wie hat Adam Smith, der große Liberale, das Leuchtturm-Dilemma eigentlich gelöst? Sehr einfach: Smith erfand die Domäne des Staates - jenen möglichst kleinen Bereich außerhalb des Wirkens der unsichtbaren Hand, in dem der Staat ökonomisch mitzuspielen hat.
Jetzt erst konnte der Leuchtturm vom theoretischen Störfall zum Paradebeispiel werden. Natürlich: Leuchttürme obliegen dem Staat, weil es an ihnen nichts zu verdienen gibt - ähnlich den Arbeitshäusern und der Sozialfürsorge in späteren, glücklichen Epochen. Der Staat bezieht ja Steuern, womit er, zum Beispiel, die Leuchttürme finanziert.
Zwingende Investition
Folge: In das Ding, das nur teuer ist, gar nichts einbringt, und doch nicht abgeschaltet werden darf, steckte man Forschungsgelder in beachtlichem Umfang. Der Staat investierte. Und der Fortschritt bezog die Leuchttürme ein.
Ging das technische Equipment bis zum Ende des 18. Jahrhunderts kaum über die Praxis der Römer hinaus - welche Steintürme mit Feuerkörben oben drauf erbauten -, etablierte der Schweizer Jean Robert Argand um 1790 die rauchlose Flamme: Glaszylinder, verstellbarer Docht, Öl aus der Neuen Welt - die Petroleumlampe nahm Besitz von der Leuchtturmkuppel. Diverse Spiegel leiteten und verstärkten ihr Licht, so dass die unprofitable Ausnahme in der liberalen Theorie weit über das Meer leuchten konnte.
Fresnellinsen erlauben Reichweiten von über vierzig Kilometern. Diese hier ist das Herz eines Leuchtturms auf Hiddensee. (Bild: Dr. Thomas Köhler)
Erheblich weiter noch ging es wenig später: Der Franzose Augustin Jean Fresnel (1788 bis 1827) entwickelte eine Linse, die Licht streuungsarm bündelt, was den Leuchtfeuern zu deutlich mehr Ausstrahlung verhilft. 1819 zum Sekretär der staatlichen französischen Kommission für Leuchttürme ernannt, konstruierte der Ingenieur seine Fresnellinse speziell für den Ersatz der bis dahin üblichen Spiegel.
Reichweiten von mehr als vierzig Kilometern waren nun drin. Als schließlich Elektrizität in die oft abgelegenen Türme Einzug hielt, dauerte es nicht mehr lange bis zu ersten elektronischen Systemen. Und damit nahte das Ende.
Endlich profitabel!
In Zeiten von Radar und GPS ist der navigatorische Wert von Leuchttürmen vernachlässigbar. Manchen Turm hat man modernisiert, die meisten schlicht stillgelegt. Abgerissen aber wurden sie in der Regel nicht. Denn - endlich! - bekamen die ansehnlichen Bauten im Sinne von Smith' Theorie unmittelbaren Wert: An reizvollen Orten gelegen, sind sie - nun privatisiert - begehrte Touristenziele. Die Ferienwohnung im Leuchtturm, wie schön! Und: Touristen zahlen im Voraus und cash. So wurde der Leuchtturm doch noch, was er nie sein konnte: eine Quelle des Profits. Adam Smith hätte sich gefreut.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 28.10.2011)
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Leuchtfeuer für die Seefahrt
Besonders an Küsten und in engen Fahrwassern gibt es mehr als nur Leuchttürme. Schwimmende Seezeichen, wie Feuerschiffe und Leuchttonnen, spielten schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Überall dort, wo es für Schiffe eng werden könnte, weisen Leitfeuer, Richtfeuer (zur Peilung), Torfeuer (an Einfahrten) und Uferfeuer den Weg.
Die Kennung ist der "Steckbrief" eines jeden Leuchtfeuers: Sie gibt an, ob ein Leuchtfeuer blitzt, ob es in Intervallen blinkt oder dauerhaft sein Licht ausstrahlt. Alle Leuchtfeuer, nach Küstenregionen sortiert, beschreibt das Leuchtfeuerverzeichnis des Deutschen Hydrographischen Instituts. Das mehrbändige Werk hält jeder Kapitän auf der Brücke seines Schiffes griffbereit.
Besonders an Küsten und in engen Fahrwassern gibt es mehr als nur Leuchttürme. Schwimmende Seezeichen, wie Feuerschiffe und Leuchttonnen, spielten schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle. Überall dort, wo es für Schiffe eng werden könnte, weisen Leitfeuer, Richtfeuer (zur Peilung), Torfeuer (an Einfahrten) und Uferfeuer den Weg.
Die Kennung ist der "Steckbrief" eines jeden Leuchtfeuers: Sie gibt an, ob ein Leuchtfeuer blitzt, ob es in Intervallen blinkt oder dauerhaft sein Licht ausstrahlt. Alle Leuchtfeuer, nach Küstenregionen sortiert, beschreibt das Leuchtfeuerverzeichnis des Deutschen Hydrographischen Instituts. Das mehrbändige Werk hält jeder Kapitän auf der Brücke seines Schiffes griffbereit.
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Funktechnische Navigationshilfen...
wie zum Beispiel das GPS ersetzen Leuchttürme heute weitgehend. Doch auch solche Systeme können versagen. Dann ist der solide alte Leuchtturm die unverzichtbare Rückfallebene. In bestimmten Fällen, etwa als Richtfeuer auf dicht befahrenen Wasserstraßen, ist er sogar die denkbar genaueste Navigationshilfe überhaupt.
Obwohl Leuchttürme immer noch vereinzelt ihren Dienst tun, existiert der Beruf des Leuchtturmwärters seit Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts praktisch nicht mehr. Grund: Leuchttürme sind automatisiert oder werden zentral von entfernten Orten gesteuert.
wie zum Beispiel das GPS ersetzen Leuchttürme heute weitgehend. Doch auch solche Systeme können versagen. Dann ist der solide alte Leuchtturm die unverzichtbare Rückfallebene. In bestimmten Fällen, etwa als Richtfeuer auf dicht befahrenen Wasserstraßen, ist er sogar die denkbar genaueste Navigationshilfe überhaupt.
Obwohl Leuchttürme immer noch vereinzelt ihren Dienst tun, existiert der Beruf des Leuchtturmwärters seit Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts praktisch nicht mehr. Grund: Leuchttürme sind automatisiert oder werden zentral von entfernten Orten gesteuert.
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Wann die Geschichte...
der Leuchttürme begann, ist kaum feststellbar. Zu naheliegend war der Gedanke, als dass es eines konkreten Anlasses bedurft hätte. Überall dort, wo es Seehandel gab, gab es wohl auch Leuchtfeuer. Sei es, um Hafeneinfahrten kenntlich zu machen, um vor Untiefen zu warnen, oder um auf Orientierungspunkte hinzuweisen.
Der Koloss von Rhodos - eine Art überdimensionierte Statue über der Hafeneinfahrt -, und der Pharos von Alexandria entstanden um 300 v. Chr. Der Koloss, vermutlich etwas instabil gebaut, hielt nur bis 224 v. Chr. Der Leuchtturm von Alexandria stand immerhin bis zum großen Erdbeben von 1303.
Neben unzähligen kleinen Leuchtfeuern schufen römische Provinzverwaltungen einige wirklich massive Leuchtturm-Bauten: Der Torre de Hérkules im galizischen A Coruna zählt zu den ältesten Exemplaren. Sein Bau war im Jahr 110 abgeschlossen. 1172 errichtete man den Leuchtturm Hook Head in Irland, immerhin 35 Meter hoch.
Berühmt sind auch die Leuchttürme aus dem Zeitalter der Hanse, also aus dem 13. und 14. Jahrhundert. 1310 errichtete etwa Hamburg einen Leuchtturm auf der Nordseeinsel Neuwerk.
der Leuchttürme begann, ist kaum feststellbar. Zu naheliegend war der Gedanke, als dass es eines konkreten Anlasses bedurft hätte. Überall dort, wo es Seehandel gab, gab es wohl auch Leuchtfeuer. Sei es, um Hafeneinfahrten kenntlich zu machen, um vor Untiefen zu warnen, oder um auf Orientierungspunkte hinzuweisen.
Der Koloss von Rhodos - eine Art überdimensionierte Statue über der Hafeneinfahrt -, und der Pharos von Alexandria entstanden um 300 v. Chr. Der Koloss, vermutlich etwas instabil gebaut, hielt nur bis 224 v. Chr. Der Leuchtturm von Alexandria stand immerhin bis zum großen Erdbeben von 1303.
Neben unzähligen kleinen Leuchtfeuern schufen römische Provinzverwaltungen einige wirklich massive Leuchtturm-Bauten: Der Torre de Hérkules im galizischen A Coruna zählt zu den ältesten Exemplaren. Sein Bau war im Jahr 110 abgeschlossen. 1172 errichtete man den Leuchtturm Hook Head in Irland, immerhin 35 Meter hoch.
Berühmt sind auch die Leuchttürme aus dem Zeitalter der Hanse, also aus dem 13. und 14. Jahrhundert. 1310 errichtete etwa Hamburg einen Leuchtturm auf der Nordseeinsel Neuwerk.






