Wichtige Außenseiter
Bereits die Anzahl der Träger des Namens Müller lässt erahnen, welche Bedeutung die Müller einmal hatten. Sehr viele gab es von ihnen, und alle hatten eines gemeinsam: Sie waren wichtige Außenseiter.Müller hatten es schon immer schwer. Gerade im Mittelalter. Um zu Wohlstand zu kommen, mussten oft ihre Töchter Opfer bringen. Einer wurde gar mit dem Tod gedroht, wenn sie es nicht schaffe, in einer Nacht eine Kammer voller Stroh zu Gold zu spinnen. Am Ende ging die Geschichte gut aus, das Mädchen bekam einen König zum Gemahl und der Müller hatte ausgesorgt.
Unersetzbar - aber ohne Ruhm
Doch so erfreulich wie in Grimms Märchen sah es in der Realität meist nicht aus, ihre Töchter konnten die Müller nur schwer an den Mann bringen. Das Problem: Genau wie Hirten galten sie in ihrem Beruf als unersetzlich und waren daher vom Wehrdienst befreit. Aber nur der Wehrdienst versprach Ruhm und Ehre - wer nicht berechtigt oder verpflichtet war, im Heer zu dienen, galt als ehrlos und gehörte zu keinem Stand.
Nicht gerne gesehen
Weil Müller deshalb in keiner Zunft oder Gilde Aufnahme fanden, hatten es auch ihre Töchter schwer: Auf dem Heiratsmarkt waren diese "unehrlichen" Bräute nicht gern gesehen. Wenig wahrscheinlich also, dass ausgerechnet Könige sich ihrer annahmen.
Müller, Möller, Müllner
Leer sollten sie aber nicht ausgehen. Auch andere Müller hatten schließlich Söhne, die nicht ihr Leben lang Single bleiben wollten - und Müller gab es damals viele. Nicht von ungefähr ist der Name Müller, inklusive der niederdeutschen Abwandlung Möller, mit rund siebenhunderttausend Trägern der häufigste Nachname in Deutschland. Dagegen gibt es nur noch rund tausend Familien, welche die älteste Form des Namens tragen: Müllner.
Kein Feierabendverbot
Immerhin, ein paar Privilegien festigten ihren Stand am Rande der Gesellschaft: Betreiber von Windmühlen waren wie kaum ein anderer Beruf von der Natur abhängig - ohne Wind konnte nicht gearbeitet werden. Deshalb galt: Müller unterliegen nicht dem Feierabend- oder Feiertagsgebot.
Ohne Mühlen gäbe es einen großen Teil Hollands nicht. Sie halfen, eingedeichtes Land trocken zu legen. (Gemälde: Claude Monet, 1871)
Nicht immer nur Positives
Wie von solchen Übeltätern hatten Müller auch von den Bauern nicht immer nur Positives zu erwarten. Viele brave Landwirte bezichtigten die Müller, sich auf ihre Kosten zu bereichern, stets gingen sie ja mit weniger Mehl nach Hause, als sie Korn geliefert hatten. Die Tatsache, dass der Lohn des Müllers - die Metze, ein sechzehntel Teil des Ertrages - ebenso abgezogen wurde wie der Anteil des Landesherren, ignorierten sie gern.
Schankrecht und Prostitution
Um solche Einnahmen zu festigen, erließen viele Herrscher den Mahlzwang: Bauern durften nur in vorgeschriebenen Mühlen mahlen. Einige setzen sogar noch eins drauf und verliehen den Müllern das Schankrecht. So brachte sich mancher Bauer an der Theke um den Lohn vieler Tage Arbeit. Einige munkelten sogar von halblegaler "Mühlenprostitution", die mit dem Schankrecht einhergehen sollte.
Bedeutungsverlust dank Dampfmaschinen
Während der industriellen Revolution lockerten sich Rechte und Pflichten der Müller. Viele Mühlen verloren an Bedeutung, da nun dank Dampfmaschinen unabhängig von Wind oder Ort gemahlen werden konnte - und das auch noch mit deutlich höherer Effektivität.
Idylle adé
Mit dem ursprünglichen Bild des Müllers in seiner idyllisch gelegenen Mühle hat der Job heute kaum mehr etwas zu tun. Lebensmitteltechniker und Ingenieure prägen den Alltag, industrielle Großbetriebe sind die Arbeitgeber. Nur eines ist gleich geblieben: Auch heute haben es Müllerstöchter schwer, die Gemahlin eines Königs zu werden.
Daniel Najock (27.05.2004)
Infobox
Mühlenarten
Im 11. Jahrhundert gab es in Europa die ersten Mühlen. Experten vermuten, dass die Erfindung aus arabischen Ländern importiert wurde. Aus simplen Mahlsteinen (4000 v. Chr.) und dem Wasserrad (3000 v. Chr.) wurde die Wassermühle, die der römische Architekturphiliosoph Vitruv im Jahr 10 v. Chr. beschrieb.
Lange dauerte es, bis sich die Müller auf den Wind als Energiequelle besannen. Die erste Windmühle wird im Jahr 1180 in der Normandie erwähnt. Schnell verbreitete sich von dort die neue Technik in Europa. Den Anfang machte die Bockwindmühle. Das ganze Gebäude war drehbar auf einem Bock gelagert und konnte schnell abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden. Nur der Bock blieb zurück.
Eine stabilere Variante war die Paltrockmühle - sie entsprach der Bockwindmühle, nur wurde das Gebäude auf Rollen gelagert. Eine echte Neuerung stellte die Kokerwindmühle dar: Sie bestand aus einem das Mahlwerk aufnehmenden festen und einem aufgesetzten drehbaren Teil.
Aus dieser Art entwickelte sich die Turmmühle, die wir heute noch vor allem im Mittelmeerraum sehen können - ein gemauerter Körper mit aufgesetzten beweglicher Kappe - die Art, die auch Don Quijote bekämpfte. Die modernste Windmühlenart ist die Holländer- mühle - ein meist achteckiger Körper mit ebenfalls drehbarer Kappe.
Im 11. Jahrhundert gab es in Europa die ersten Mühlen. Experten vermuten, dass die Erfindung aus arabischen Ländern importiert wurde. Aus simplen Mahlsteinen (4000 v. Chr.) und dem Wasserrad (3000 v. Chr.) wurde die Wassermühle, die der römische Architekturphiliosoph Vitruv im Jahr 10 v. Chr. beschrieb.
Lange dauerte es, bis sich die Müller auf den Wind als Energiequelle besannen. Die erste Windmühle wird im Jahr 1180 in der Normandie erwähnt. Schnell verbreitete sich von dort die neue Technik in Europa. Den Anfang machte die Bockwindmühle. Das ganze Gebäude war drehbar auf einem Bock gelagert und konnte schnell abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden. Nur der Bock blieb zurück.
Eine stabilere Variante war die Paltrockmühle - sie entsprach der Bockwindmühle, nur wurde das Gebäude auf Rollen gelagert. Eine echte Neuerung stellte die Kokerwindmühle dar: Sie bestand aus einem das Mahlwerk aufnehmenden festen und einem aufgesetzten drehbaren Teil.
Aus dieser Art entwickelte sich die Turmmühle, die wir heute noch vor allem im Mittelmeerraum sehen können - ein gemauerter Körper mit aufgesetzten beweglicher Kappe - die Art, die auch Don Quijote bekämpfte. Die modernste Windmühlenart ist die Holländer- mühle - ein meist achteckiger Körper mit ebenfalls drehbarer Kappe.
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Mehr als Mehl
Denkt man an Mühlen, kommt einem zuerst ihr Produkt Mehl in den Sinn. Doch in Holland - dem Land der Mühlen - haben die windgetriebenen Konstruktionen noch eine ganz andere Aufgabe: Land entwässern und so für die Menschen nutzbar machen.
Weil Holland zum größten Teil unter dem Niveau des Meeresspiegels liegt, musste das Wasser in den Poldern - dem durch Eindeichen gewonnenem Land - teilweise bis zu viereinhalb Metern in die Höhe gehievt werden, damit es ins Meer abfließen konnte. Diese Aufgabe übernahmen so genannte Poldermühlen.
Da solche Mühlen für das Land lebenswichtig waren, ist es kaum verwunderlich, dass aus Holland auch die innovativsten technischen Impulse kamen. Mühlen mit über 27 Metern Flügeldurchmesser sind in diesem Land keine Seltenheit.
Denkt man an Mühlen, kommt einem zuerst ihr Produkt Mehl in den Sinn. Doch in Holland - dem Land der Mühlen - haben die windgetriebenen Konstruktionen noch eine ganz andere Aufgabe: Land entwässern und so für die Menschen nutzbar machen.
Weil Holland zum größten Teil unter dem Niveau des Meeresspiegels liegt, musste das Wasser in den Poldern - dem durch Eindeichen gewonnenem Land - teilweise bis zu viereinhalb Metern in die Höhe gehievt werden, damit es ins Meer abfließen konnte. Diese Aufgabe übernahmen so genannte Poldermühlen.
Da solche Mühlen für das Land lebenswichtig waren, ist es kaum verwunderlich, dass aus Holland auch die innovativsten technischen Impulse kamen. Mühlen mit über 27 Metern Flügeldurchmesser sind in diesem Land keine Seltenheit.


