"Stadt der Zukunft"?
Finanzmisere, Arbeitslosigkeit und Abwanderung sind Halles Probleme, ein Drittel der Bewohner schon weg. Besonders betroffen: Halle-Neustadt. Die Realität hat die kühnen Ideen der damaligen Planer längst eingeholt.Der Bahnhof in Halle-Neustadt - im Jahr 2006: Wo einst Zehntausende kamen und gingen, trifft man nur noch vereinzelt auf Menschen. (Bild: Claudia Unger)
In Rekordzeit
Halle-Neustadt ist eine Stadt vom Reißbrett. 1963 als Chemiearbeiterstadt geplant, läuft die Entwicklung von Ha-Neu wie im Zeitraffer ab: Grundsteinlegung ist 1964, nur ein Jahr später ziehen die ersten Bewohner dorthin. Noch bevor der erste Wohnkomplex fertig ist, wird der Stadtteil zur eigenständigen Stadt. In Rekordzeit wachsen Plattenbauten aus dem Boden. Bereits 1972 leben mehr als 50.000 Menschen in Halle-Neustadt, bis 1981 steigt die Einwohnerzahl auf über 90.000.
Vergleichsweise luxuriös
Aus der ganzen Region kamen die Menschen - vor allem wegen der Arbeit. Allein in Leuna waren zu Spitzenzeiten 40.000 Personen tätig. Während große Teile der Hallenser Altstadt verfielen, bildeten die Wohnungen in Halle-Neustadt einen Glücksfall für die Mieter: Fernheizung, warmes Wasser und oft sogar Innen-WC - luxuriös im Vergleich zu manch vorherigem Heim.
Fehlendes Leben
Neben der grauen Altstadt sollte Ha-Neu ein hell erleuchteter Lichtpunkt sein. Allerdings konnte es den Ansprüchen von Stadtplanern und Politikern nie gerecht werden: Eine junge, lebendige Stadt, die alle Bereiche des Lebens bedienen kann? Tatsächlich lag 1970 das Durchschnittsalter der Bewohner bei 23 Jahren. Dennoch fehlte die Lebendigkeit: Die Stadt hatte kein Zentrum, keine kleinen Ladenstraßen, kaum kulturelle Einrichtungen. Und all das, was vorhanden war, stammte ebenso vom Reißbrett wie die Stadt selbst - schlechte Vorraussetzung für einen Ort zum Wohlfühlen und Genießen, für Hoffnungen und Träume.
Bizarr wirkt der zurückgelassene Herd - über 30.000 Menschen kehrten Ha-Neu schon den Rücken. (Bild: Claudia Unger)
Ha-Neu war nie die Stadt der Menschen. Der Mangel an Lebendigkeit verdeutlicht sich auch im Begriff Schlafstadt. Wichtig war nicht Heimatgefühl, sondern die Belieferung der nahen Chemiewerke mit Arbeitskräften. So legte man die Bahnlinien Richtung Leuna und Buna für große Kapazitäten aus, während der Bau einer Straßenbahnlinie in die Altstadt bis zur Wende unterblieb. Auch das Fehlen von Straßennamen zugunsten schlichter Nummern verhinderte heimische Gefühle.
Monotonie zwischen Beton
Einst galt Halle-Neustadt als leuchtender Ort, errichtet mit klarem Auftrag: "Baut eine neue Stadt". Doch bereits 1977 bescheinigten die westdeutschen Autoren Albrecht Timm und Herman Heckmann der Stadt Monotonie, nur selten bekam man zwischen den standardisierten Betonbauten etwas Neues zu sehen. Doch obwohl die Hoffnungen, die an Ha-Neu geknüpft waren, bereits zu DDR-Zeiten nicht Realität wurden, erscheint die Stadt von damals - in Anbetracht der erschreckenden Anblicke, die sich heute dort bieten - regelrecht mit Leben erfüllt...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zu den Themen
| Plattenbau | ![]() |
| Halle | ![]() |
Infobox
Initiativen...
wie der KulturBlock e.V. setzen sich dafür ein, dass Halle-Neustadt keine Geisterstadt wird, sondern echte Heimat. Mit regelmäßigen Themenabenden will man die Bewohner in die Entwicklung von Halle-Neustadt einbeziehen. Besonderes Anliegen ist, die durch Abriss leer werdenden Flächen den Bewohnern zu übergeben. Sie selbst sollen bestimmen, was daraus wird.
Die Mieter erhalten im Projekt Neustadt-Gärten kostenlos Fläche. Im Gegenzug sollen sie durch liebevolle Pflege ihres Gartens dazu beitragen, Ha-Neu lebenswerter zu machen. Weiterhin werden Ausstellungen und Galerien geschaffen, um Halle-Neustadt einen kulturellen Anreiz geben. Durch Thematisierung des Ortes in künstlerischen Werken soll die Problematik der Stadt auch Menschen nahe gebracht werden, die nicht selbst betroffen sind.
wie der KulturBlock e.V. setzen sich dafür ein, dass Halle-Neustadt keine Geisterstadt wird, sondern echte Heimat. Mit regelmäßigen Themenabenden will man die Bewohner in die Entwicklung von Halle-Neustadt einbeziehen. Besonderes Anliegen ist, die durch Abriss leer werdenden Flächen den Bewohnern zu übergeben. Sie selbst sollen bestimmen, was daraus wird.
Die Mieter erhalten im Projekt Neustadt-Gärten kostenlos Fläche. Im Gegenzug sollen sie durch liebevolle Pflege ihres Gartens dazu beitragen, Ha-Neu lebenswerter zu machen. Weiterhin werden Ausstellungen und Galerien geschaffen, um Halle-Neustadt einen kulturellen Anreiz geben. Durch Thematisierung des Ortes in künstlerischen Werken soll die Problematik der Stadt auch Menschen nahe gebracht werden, die nicht selbst betroffen sind.




