Symbole der Macht
Die Epoche des Absolutismus brachte so prächtige Anlagen wie Versailles hervor. Die Schlösser beherbergten oft den vollständigen Hofstaat. Hier wurde Politik gemacht. Nach innen wie nach außen waren Paläste stets Symbole der Macht.Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638 bis 1715): Auf seinen Hof schaute ganz Europa.
Nutzen statt Ästhetik
Prunkvolle Schlösser wie Versailles, umgeben von blühenden Gartenanlagen, verkörpern wie nie zuvor die Macht der Herrschenden. Dabei ist es noch gar nicht lange her, seit das feine Leben am Hofe der Mächtigen Einzug gehalten hat. Noch wenige Jahrzehnte zuvor lebte man in zugigen Burgen, die den Mittelpunkt des ritterlichen Lebens bildeten. Drum herum wuchsen Siedlungen, waren Marktplatz und Schutz vor dem Feind zugleich. Als Wehranlagen entworfen, diente ihre Architektur dem reinen Nutzen und nicht der Ästhetik. Von Bergspitzen herab wirkten sie gleichermaßen imposant wie bedrohend. Hohe Mauern, Zugbrücken und tiefe Gräben - die Burgherren versuchten alles, einen Sturm auf die Burg so schwer wie möglich zu machen.
Aus Rebellen werden Höflinge
In die Zeit der Renaissance und des späteren Barock fällt das Auflösen der feudalen Gesellschaft in Westeuropa. Damit änderte sich die Situation der Könige. Aus ihren einstigen rebellischen Vasallen waren Höflinge geworden. Die Macht konzentrierte sich am Hofe. Dicke Mauern, die ausgrenzten, waren nun nicht mehr das richtige Mittel der Repräsentation. In Zeiten von Aufklärung, Reformation und modernen Wissenschaften mussten Höfe einladend sein und elegant. Auch Kriege wurden nicht mehr gewonnen, indem man Burgen erstürmte, sondern durch Siege auf dem Schlachtfeld. Damit konnten Schlösser, frei von Wehranlagen, ihre Schönheit entfalten.
Das Schloss von Versailles: Gebaut wurde es von 1661 bis 1710.
Die Architektur der berühmten Schlösser der Barockzeit war nicht ganz neu. Vielmehr war sie eine Weiterentwicklung des Baustils der Renaissance, der als ein Stil der Statik, mit klaren und einfachen Linien, Ruhe und Festlichkeit ausstrahlte. Barock bedeutete Dynamik; Gegensätze von großen und kleinen Formen, von Hell und Dunkel formten eine berauschende Pracht, die alles überwältigte - auch durch architektonische Kniffe, wie etwa perspektivische Täuschungen.
Rauschende Feste und Empfänge
Von italienischen Baumeistern stammten die Ideen, in Frankreich wurden sie vom Sonnenkönig Ludwig XIV. (1638-1715) perfektioniert. Sein Schloss in Versailles war Inbegriff absoluter Herrschaft und Vorbild für zahlreiche Schlösser in Europa. Und nicht nur die Architektur wurde übernommen, sondern auch die französische Art des Lebens bei Hofe. Ludwig XIV. beherbergte Tausende Aristokraten und Bedienstete. Rauschende Feste und Empfänge prägten das alltägliche Leben im Schloss. Der König suchte die Nähe zu den Adligen und verlieh ihnen Titel und Ämter. So konnte er sie an sich binden, kontrollieren und seine Macht festigen.
Gute Manieren
Zwangsläufig kennzeichneten Höflichkeit und Etikette nun das Leben der Oberschichten. Das Schneuzen in ein Taschentuch ist zum Beispiel erst an Ludwigs Hof allgemein als vornehm angesehen worden. Zuvor bediente man sich einfach nur der Hand. Auch der geregelte Gebrauch von Besteck galt nun erst als Pflicht. Gute Manieren, Eleganz und Sinn für die Kunst wurden zum Standard. Vor allem den Damen bei Hofe kam dabei eine kultivierende Rolle zu.
Festliches Gedeck: Das Benutzen einer Gabel ist erst seit dem 17. Jahrhundert üblich.
Um seine vielen Gäste bei Laune zu halten, versammelte der Sonnenkönig Maler, Poeten, Musiker, Schriftsteller und Schauspieler in Versailles. Auch sie galt es an sich zu binden, denn die Künste zu lenken, bedeutete auch, die eigene Politik zu stärken. Besonders eignete sich die Musik: Spätestens am Ende des 16. Jahrhunderts sahen weltliche und geistliche Fürsten in ihr das passende Mittel zur Selbstdarstellung. Die Arien der so genannten Barockoper waren Lobgesänge auf den jeweiligen Herrscher. Und die Herrscher selbst wurden Teil der Inszenierung. Die französische Ouvertüre hat sich in ihrer Form "langsam - schnell - langsam" nur entwickelt, da Ludwig XIV. während des instrumentalen Vorspiels den Opernsaal betrat. Durch ihr Tempo und ihren Rhythmus betonte sie seinen majestätischen Auftritt.
Nach französischem Vorbild
Die große Zeit der Schlösser war der Barock. Überall in Europa wurden sie nach französischem Vorbild gebaut; am Hofe wurde nach französischen Vorbild gelebt und französisch gesprochen. Mit der Entwicklung von Nationalstaaten in den folgenden Jahrhunderten verschwand jener Einfluss zunehmend. Geblieben sind die Schlösser mit ihren Gärten.
Jochen Bast (19.10.2006, aktualisiert 26.08.2010)
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Wasser, wie eklig!
Die Schlösser des 17. und 18. Jahrhunderts dürfte ein merkwürdiger Geruch durchströmt haben. Die Vorstellung von Hygiene wich weit von dem ab, was heute selbstverständlich ist. Wasser schrieb der Volksmund unheimliche Eigenschaften zu: Es öffne die Poren der Haut, weiche den Körper bis ins Innerste auf und ließe damit alle Arten von Krankheitserregern eindringen. Baden schien gesundheitsschädlich. Stattdessen rieb sich die höhere Gesellschaft lieber trocken oder mit einem parfümierten Tuch ab und puderte stark nach, um jeden Rest von Feuchtigkeit zu eliminieren.
Die Angst vor dem Wasser stammte aus den Badehäusern des Mittelalters, die sich bis ins 16. Jahrhundert immer mehr zu Bordellen gewandelt hatten. Das die Übertragung von Krankheiten eher vom wechselhaften Liebesspiel als vom Wasser kam, war für die damalige Zeit nicht vorstellbar. Auch Düfte hielt man für fähig, Krankheiten zu übertragen. Immerhin wechselte der auf Sauberkeit bedachte Adelige nunmehr täglich seine Unterwäsche - im Mittelalter war noch einmal im Monat üblich.
Schlechte Gerüche galten ebenso als schädlich, konnten aber durch andere Düfte neutralisiert werden. So war das Parfüm in der besseren Gesellschaft praktisch überall. Puder, Haare, Kleider, Tücher, Unterwäsche - alles musste stark parfümiert und mehrmals täglich mit Duftwasser aufgefrischt sein. Die Toilettensitten waren allerdings weniger schlimm als oft erzählt. Zwar gab es keine Toiletten, doch hatte jeder Adelige einen Diener, der einen Keramiktopf trug, in dem jederzeit die Notdurft verrichtet werden konnte - ohne jede Scham auch in der Öffentlichkeit. Wer viel auf sich hielt, besaß einen so genannten Kackstuhl, in dem, unter einem Loch in der Sitzfläche, der Abort-Topf fest angebracht war.
Die Schlösser des 17. und 18. Jahrhunderts dürfte ein merkwürdiger Geruch durchströmt haben. Die Vorstellung von Hygiene wich weit von dem ab, was heute selbstverständlich ist. Wasser schrieb der Volksmund unheimliche Eigenschaften zu: Es öffne die Poren der Haut, weiche den Körper bis ins Innerste auf und ließe damit alle Arten von Krankheitserregern eindringen. Baden schien gesundheitsschädlich. Stattdessen rieb sich die höhere Gesellschaft lieber trocken oder mit einem parfümierten Tuch ab und puderte stark nach, um jeden Rest von Feuchtigkeit zu eliminieren.
Die Angst vor dem Wasser stammte aus den Badehäusern des Mittelalters, die sich bis ins 16. Jahrhundert immer mehr zu Bordellen gewandelt hatten. Das die Übertragung von Krankheiten eher vom wechselhaften Liebesspiel als vom Wasser kam, war für die damalige Zeit nicht vorstellbar. Auch Düfte hielt man für fähig, Krankheiten zu übertragen. Immerhin wechselte der auf Sauberkeit bedachte Adelige nunmehr täglich seine Unterwäsche - im Mittelalter war noch einmal im Monat üblich.
Schlechte Gerüche galten ebenso als schädlich, konnten aber durch andere Düfte neutralisiert werden. So war das Parfüm in der besseren Gesellschaft praktisch überall. Puder, Haare, Kleider, Tücher, Unterwäsche - alles musste stark parfümiert und mehrmals täglich mit Duftwasser aufgefrischt sein. Die Toilettensitten waren allerdings weniger schlimm als oft erzählt. Zwar gab es keine Toiletten, doch hatte jeder Adelige einen Diener, der einen Keramiktopf trug, in dem jederzeit die Notdurft verrichtet werden konnte - ohne jede Scham auch in der Öffentlichkeit. Wer viel auf sich hielt, besaß einen so genannten Kackstuhl, in dem, unter einem Loch in der Sitzfläche, der Abort-Topf fest angebracht war.
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Schwieriges Erbe
Riesige Säle, dutzende Räume mit hohen Decken - was so schön und prunkvoll wirkt, ist unter heutigen Gesichtspunkten eine Horrorvorstellung für jeden Energiesparer. Die Kosten für Unterhaltung und Renovierung eines Jahrhunderte alten Schlosses sind dermaßen hoch, dass nur noch wenige als Residenzen dienen. Häufig sind aus den berühmten Herrenhäusern Museen geworden. Doch auch die kämpfen ums Überleben.
Besser steht es um Schloss Versailles: 1792 musste Ludwig XVI. seine Residenz verlassen. In der Folgezeit ließ man das Zeichen der absolutistischen Macht verfallen. Erst zwischen 1833 und 1837 konnte das Schloss mit Hilfe privater Sponsoren renoviert werden. Aus ihm wurde das Museum zum Ruhme Frankreichs. Seit den 1950er Jahren zieht es Touristen in Massen an. Kleineren Schlössern bleibt ein solch großer Erfolg meist versagt. Die Einnahmen durch Eintrittsgelder und durch den Verkauf von Andenken decken nur einen geringen Teil der Ausgaben.
Viele alte Bauwerke bedürfen dringend der Sanierung. Derzeit gibt es in Deutschland zehn Stiftungen, die sich um Burgen, Schlösser und Gärten kümmern. Ihre Aufgabe ist es, die vielfältigen Denkmäler zu pflegen, zu restaurieren und zu verwalten. Doch auch sie sind von der schlechten finanziellen Lage der Länder und des Bundes betroffen. Geradezu rapide sind die durchschnittlichen Investitionen für die dreißig Objekte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in den vergangenen Jahren gesunken.
Die Folge ist, dass sich die Stiftung auf die "schweren Fälle" konzentrieren muss, während der Zahn der Zeit an den anderen Denkmälern ungehindert weiter nagt. Was den barocken Herrschern als Prestigeobjekt galt, ist mittlerweile eine hohe finanzielle Belastung für Bund, Länder und Kommunen. Allein die Instandhaltung der Objekte verschlingt Millionen, ganz abgesehen von dem hehren, aber utopischen Gedanken, Kunstsammlungen in den Schlössern zu erweitern.
Riesige Säle, dutzende Räume mit hohen Decken - was so schön und prunkvoll wirkt, ist unter heutigen Gesichtspunkten eine Horrorvorstellung für jeden Energiesparer. Die Kosten für Unterhaltung und Renovierung eines Jahrhunderte alten Schlosses sind dermaßen hoch, dass nur noch wenige als Residenzen dienen. Häufig sind aus den berühmten Herrenhäusern Museen geworden. Doch auch die kämpfen ums Überleben.
Besser steht es um Schloss Versailles: 1792 musste Ludwig XVI. seine Residenz verlassen. In der Folgezeit ließ man das Zeichen der absolutistischen Macht verfallen. Erst zwischen 1833 und 1837 konnte das Schloss mit Hilfe privater Sponsoren renoviert werden. Aus ihm wurde das Museum zum Ruhme Frankreichs. Seit den 1950er Jahren zieht es Touristen in Massen an. Kleineren Schlössern bleibt ein solch großer Erfolg meist versagt. Die Einnahmen durch Eintrittsgelder und durch den Verkauf von Andenken decken nur einen geringen Teil der Ausgaben.
Viele alte Bauwerke bedürfen dringend der Sanierung. Derzeit gibt es in Deutschland zehn Stiftungen, die sich um Burgen, Schlösser und Gärten kümmern. Ihre Aufgabe ist es, die vielfältigen Denkmäler zu pflegen, zu restaurieren und zu verwalten. Doch auch sie sind von der schlechten finanziellen Lage der Länder und des Bundes betroffen. Geradezu rapide sind die durchschnittlichen Investitionen für die dreißig Objekte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten in den vergangenen Jahren gesunken.
Die Folge ist, dass sich die Stiftung auf die "schweren Fälle" konzentrieren muss, während der Zahn der Zeit an den anderen Denkmälern ungehindert weiter nagt. Was den barocken Herrschern als Prestigeobjekt galt, ist mittlerweile eine hohe finanzielle Belastung für Bund, Länder und Kommunen. Allein die Instandhaltung der Objekte verschlingt Millionen, ganz abgesehen von dem hehren, aber utopischen Gedanken, Kunstsammlungen in den Schlössern zu erweitern.



