Klotzen, nicht kleckern
Der Gigantismus kennt offenbar keine Grenzen, wie die Dammbau-Nation Indien beweist. Tausende Großstaudämme gibt es hier bereits, weitere sollen hinzukommen. Wer aber profitiert davon?1941 war dies die größte Talsperre der Welt: Grand Coulee Dam am Columbia River in Washington (USA).
Pro und Contra
Das Opfer, welches Millionen Menschen zu bringen gezwungen sind, stehe in keiner Relation zum Nutzen der Staudamm-Projekte, meinen Kritiker. Große Staudämme dienten, behaupten hingegen ihre Befürworter, der günstigen und zuverlässigen Versorgung von Millionen Großstädtern mit Trinkwasser und Strom. Von den Bewässerungsmöglichkeiten profitiere die Landwirtschaft auch in Dürreperioden und könne damit eine dauerhafte Versorgung mit Nahrungsmitteln sicherstellen. Und die durch Staudämme erwirtschafteten Staatseinnahmen kämen dem Ausbau der sozialen Infrastruktur zugute.
"Tempel des modernen Indien"
Eindeutig zu Gunsten der Kritiker sprechen Zahlen aus Indien, drittgrößte Dammbauer-Nation der Welt: Rund 3.600 "Tempel des modernen Indien" (wie Jawaharlal Nehru, erster demokratisch gewählter indischer Ministerpräsident, die Staudämme nannte) entstanden seit 1947, darunter etwa 1.500 Großstaudämme. In Indien leben allerdings rund 350 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze, können sich den Strom, den die Wasserkraftwerke erzeugen, nicht leisten. Weit mehr als achtzig Prozent der ländlichen Haushalte sind bis heute nicht ans Stromnetz angeschlossen. Und noch immer haben 250 Millionen Inder, ein Viertel der Bevölkerung, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Slum am Rand von Mumbai: Ungefähr 350 Millionen Menschen können sich keinerlei Stromversorgung leisten.
Mindestens vierzig Millionen Inder wurden durch den Bau der Staudämme heimatlos, ihres Landes und damit ihrer Lebensgrundlage beraubt. Lediglich ein Drittel erhielt staatliche Umsiedlungshilfe, der Rest verschwand, völlig verarmt, spurlos in den Slums indischer Millionenstädte. Nach Einschätzung der WCD verschärften die Großstaudämme das soziale Ungleichgewicht in Indien; der erhoffte Nutzen habe sich dagegen nicht eingestellt, vielmehr seien die ökonomischen, ökologischen und sozialen Kosten der Staudämme weit über den geplanten Umfang hinausgewachsen.
Unangemessene Kosten?
"Große Staudämme sind ihrer Rolle als Denkmäler der modernen Zivilisation, als Symbole für die Herrschaft des Menschen über die Natur nicht gerecht geworden", resümiert Arundhati Roy, indische Schriftstellerin und Aktivistin im Kampf gegen das umstrittene Narmada-Staudamm-Projekt (siehe Infobox). Der indische Staat aber hält an seinem Kurs fest: Betrieb und Bau großer Staudämme dienten dem Wohlergehen der Nation, dem nationalen Fortschritt. Nie wurde von Seiten der Regierung geprüft, ob auch nur ein Damm die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt hat, geschweige denn, wie hoch und gerechtfertigt die meist enormen Kosten tatsächlich waren...
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Das Narmada-Staudamm-Projekt
Es zählt zu den größten Wasserbauvorhaben der Welt: Dreißig große, 135 mittelgroße und mehr als 3.000 kleine Staudämme sollen am Narmada-Fluss gebaut werden. Sechs große Staudämme sind trotz Protesten bereits fertiggestellt. Kernstück - und besonders umstritten - ist der Sardar Sarovar-Staudamm: 245 Dörfer und fast vierzigtausend Hektar Land müssten geflutet, rund 200.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden. Bereits 1987 wurde mit dem Bau des Staudamms begonnen, nach langen Protesten stoppte 1999 der Oberste Gerichtshof Indiens vorläufig das Projekt. Doch seit Oktober 2000 darf wieder gebaut werden.
Eine der engagiertesten Aktivistinnen im Kampf gegen das Projekt ist Arundhati Roy. Mit ihrem Romandebüt Der Gott der kleinen Dinge landete sie 1996 einen Welterfolg. Das Buch wurde in über dreißig Ländern veröffentlicht, in ihrem Heimatland aber wegen angeblicher Obszönitäten und Untergrabung der öffentlichen Moral zensiert. Indiens berühmteste Schriftstellerin, mittlerweile eine Ikone gewaltlosen Widerstandes, nutzt nun ihre internationale Popularität, um weltweit auf die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen des Narmada-Staudamm-Projekts aufmerksam zu machen.
Auch zu anderen aktuellen Geschehnissen, zum Beispiel zum 11. September oder zu den Kriegen in Afghanistan und in Irak, und zu den Auswirkungen der Globalisierung nimmt die Inderin engagiert Stellung.
Es zählt zu den größten Wasserbauvorhaben der Welt: Dreißig große, 135 mittelgroße und mehr als 3.000 kleine Staudämme sollen am Narmada-Fluss gebaut werden. Sechs große Staudämme sind trotz Protesten bereits fertiggestellt. Kernstück - und besonders umstritten - ist der Sardar Sarovar-Staudamm: 245 Dörfer und fast vierzigtausend Hektar Land müssten geflutet, rund 200.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben werden. Bereits 1987 wurde mit dem Bau des Staudamms begonnen, nach langen Protesten stoppte 1999 der Oberste Gerichtshof Indiens vorläufig das Projekt. Doch seit Oktober 2000 darf wieder gebaut werden.
Eine der engagiertesten Aktivistinnen im Kampf gegen das Projekt ist Arundhati Roy. Mit ihrem Romandebüt Der Gott der kleinen Dinge landete sie 1996 einen Welterfolg. Das Buch wurde in über dreißig Ländern veröffentlicht, in ihrem Heimatland aber wegen angeblicher Obszönitäten und Untergrabung der öffentlichen Moral zensiert. Indiens berühmteste Schriftstellerin, mittlerweile eine Ikone gewaltlosen Widerstandes, nutzt nun ihre internationale Popularität, um weltweit auf die verheerenden sozialen und ökologischen Folgen des Narmada-Staudamm-Projekts aufmerksam zu machen.
Auch zu anderen aktuellen Geschehnissen, zum Beispiel zum 11. September oder zu den Kriegen in Afghanistan und in Irak, und zu den Auswirkungen der Globalisierung nimmt die Inderin engagiert Stellung.



