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Tunnel

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Der Gotthard-Scheiteltunnel
Ende der 1860er Jahre waren Verkehrsverbindungen über die Alpen dank Bahnen und Tunnels in Österreich und Frankreich schon gut entwickelt. Die Schweiz allerdings drohte, vom lukrativen Geschäft des Nord-Süd-Verkehrs abgeschnitten zu werden.

Also machte man sich, mit internationaler Unterstützung, an die Umsetzung eines ehrgeizigen Vorhabens: Durch das Gotthardmassiv sollte ein 15 Kilomter langer Tunnel gegraben werden. Die Tunneltechnik stand noch am Anfang, doch es gelang, Fachleute zu gewinnen, die bereits an Projekten wie der Brennerbahn, der Schwarzwaldbahn und dem Fréjustunnel gearbeitet hatten.

Den Auftrag zum Bau der Gotthardbahn erhielt der Unternehmer Louis Favre; am 13. September 1872 begannen die Arbeiten am Tunnel. Nur langsam kam der Bau voran: Das Gestein erwies sich als härter als gedacht, immer wieder brach Wasser aus unterirdischen Quellen hervor, die Temperaturen von über 30 Grad Celsius bei unzureichender Belüftung setzten den Arbeitern zu.

Während einer zehnwöchigen Krankheit des zuständigen Vermessungsingenieurs Gelpke verfehlten die Arbeiter zudem die Bohrrichtung, so dass die Neigungswinkel der Tunnelröhren nicht mehr stimmten - zweihundert Meter Tunnel musste man aufgeben. Dem Unternehmer Louis Favre soll das eine "Herzkrise" beschert haben, er starb am 19. Juli 1879.

Der Durchbruch erfolgte am 28. Februar 1880, und als erstes reichten die Bergleute eine Kapsel mit dem Bild Louis Favres durch die Öffnung. Nur 22 Monate später fuhr die erste Lok durch den Tunnel; die offizielle Eröffnung feierte man am 23. Mai 1882. Der Gotthard-Scheiteltunnel war damals der längste Tunnel der Welt.

Mindestens ebenso spektakulär wie der Tunnel sind übrigens die Anfahrtsrampen: Auf der Nordrampe musste die Bahn einen Höhenunterschied von mehr als sechshundert Meter überwinden, auf der Südrampe waren es sogar mehr als achthundert Meter. Um das zu bewerkstelligen, entstanden zahlreiche Kehrtunnel und Schraubentunnel. Die Gesamtlänge aller Tunnel beträgt mehr als 32 Kilometer. Noch heute ruft die Gotthardbahn, dieses Meisterwerk der Ingenieurskunst, Bewunderung hervor.