Rauch und Panik
Nicht nur beim Tunnelbau gibt es Fortschritte. Auch an der Sicherheit wird fleißig weiter getüftelt. Der Experte ist Gerhard Wahl, Chef der Autobahn-Betriebsleitstelle Zella-Mehlis - im Interview.Brandmelder im Königshainer Tunnel in Sachsen: Bei mehr als drei Kilometern Röhrenlänge können solche Anlagen Schlimmes verhüten.
Wahl: Das Allerwichtigste ist, die nächste Notrufeinrichtung aufzusuchen und dort den Brandmelder zu betätigen. Damit wird die Feuerwehr alarmiert. Alles andere ist eine Entscheidung aus eigenem Ermessen: Kann ich anderen helfen, oder geht es nur noch darum, den Tunnel schnell zu verlassen.
LexiTV: Was ist die größte Gefahr in einem Tunnel?
Wahl: Im Tunnel stellt Rauch die größte Gefährdung dar. Die damit einhergehende Sichtbehinderung führt zum Verlust der Orientierung.
LexiTV: Den absolut sicheren Tunnel - gibt es das?
Wahl: Nein, ein Restrisiko bleibt immer. Es ist die Häufung von Zufällen, die man nicht vorhersehen kann. In der Regel sind Tunnel sicher, aber man ist einfach nicht gefeit davor, dass Leute in Panik geraten.
LexiTV: Apropos Sicherheit: Welchen Wert hat der ADAC-Tunneltest?
Wahl: Tunneltests, wie sie der ADAC durchführt, sollen Autofahrer über den Zustand der Tunnel informieren. Auf der anderen Seite sollen sie die Betreiber der Tunnel anspornen, mehr für die Sicherheit zu tun. Sie stellen eine gewisse Wertung dar.
LexiTV: Sind die Kriterien nach Ihrer Ansicht ausreichend?
Wahl: Grundsätzlich trifft das zu, ja. An der Stelle, wo es Abweichungen gibt, sollten Besonderheiten jedoch noch weitaus mehr Berücksichtigung finden. Im Thüringer Wald besteht zum Beispiel eine spezielle Randbedingung darin, dass wir eine enge Folge von unterschiedlichen Bauwerken haben: Brücken und Tunnel. Besonders im Winter führt das zu Gefährdungen, denn die Fahrbahnen in den Tunneln sind trocken, die auf den Brücken aber nass und glatt.
LexiTV: Verhalten sich PKW-Fahrer in Tunneln anders als auf offener Straße?
Wahl: Ein wenig schon: Zum Teil aufgrund der Besonderheiten von Tunneln, aber auch wegen bestimmter Vorfälle brechen leicht Hysterie und Panik aus. Gerade dazu darf es aber nicht kommen. Es ist geboten, Umsicht zu bewahren und in Ruhe das Umfeld zu beobachten. Anders als auf der freien Straße gibt es im Tunnel keine Möglichkeit, weit weg zu rennen. Dazu kommt, dass man nur in eine Richtung laufen kann.
LexiTV: Immerhin verfügen die meisten Tunnel doch über zwei Röhren: Brennt es in einer, kann in der anderen ein Überdruck erzeugt werden, um zu verhindern, dass der giftige Rauch dort hinein gelangt.
Wahl: Theoretisch ist das richtig, in der Praxis funktioniert es leider nicht immer so gut: Zu viele Daten müssen erfasst werden, um dieses Ausgleichssystem zu steuern. Das liegt in der Natur der Sache: Einige Faktoren, etwa, wieviel Winddruck von draußen in den Tunnel kommt, sind schwer zu beherrschen.
LexiTV: Was kann langfristig verbessert werden? Gibt es Entwicklungen, die in Zukunft das Reisen durch Tunnel sicherer machen?
Wahl: Da existiert nur wenig Konkretes. Sie sollten daran denken: Hundertprozentige Sicherheit wird man nie bekommen. Genau wie auf der freien Strecke bleibt ein gewisses Risiko. Immerhin gibt es in modernen Tunnelbauwerken alle 150 Meter eine Kamera.
LexiTV: Herr Wahl, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Das Interview führte Markus Hevesi. (20.10.2002)
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Tunnelangst kann lästig sein...
und die Fahrt durchs Gebirge richtig vermiesen. Sie sei meist eine Facette der Klaustrophobie, der krankhaften Angst vor geschlossenen Räumen, erläutert Diplompsychologe Frank Meiners, Pressesprecher der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg.
Genau wie Klaustrophobie ist Tunnelangst behandelbar: Verhaltenstherapie - Erfolgsquote 80 Prozent - hilft. Etwas tun können Betroffene allerdings auch selbst: "Bauen Sie mit einem Spaziergang vor der Fahrt Stress und Aggressionen ab", rät Verkehrspsychologin Dr. Karin Müller vom TÜV Rheinland. Ebenso wichtig ist die entspannte Sitzposition hinter dem Lenkrad.
Während der Panikattacke sollten Autofahrer möglichst nicht anhalten, sondern erst hinter dem Tunnel parken. Jeder Tunnel geht schließlich mal zu Ende. Raschen Nutzen bringt die bewusste Konfrontation mit Tunnelfahrten - und ein wenig Seelenstrategie: Der Mensch ist eben kein Maulwurf; mitunter rebellieren ganz schlicht die (durchaus gesunden) Instinkte. Wie bei fast allen Ängsten gilt: Die Angst annehmen ist der beste Weg zur Bewältigung.
Übrigens: Sogar Tunnelbetreiber haben das Problem erkannt. Mehr Licht im Tunnel und abwechslungsreiche farbliche Gestaltung sollen das Wohlbefinden steigern. Vielleicht erzählen Beifahrer oder Beifahrerin auch einfach eine spannende Geschichte über Zwerge, die im Tunnel wohnen...
und die Fahrt durchs Gebirge richtig vermiesen. Sie sei meist eine Facette der Klaustrophobie, der krankhaften Angst vor geschlossenen Räumen, erläutert Diplompsychologe Frank Meiners, Pressesprecher der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) in Hamburg.
Genau wie Klaustrophobie ist Tunnelangst behandelbar: Verhaltenstherapie - Erfolgsquote 80 Prozent - hilft. Etwas tun können Betroffene allerdings auch selbst: "Bauen Sie mit einem Spaziergang vor der Fahrt Stress und Aggressionen ab", rät Verkehrspsychologin Dr. Karin Müller vom TÜV Rheinland. Ebenso wichtig ist die entspannte Sitzposition hinter dem Lenkrad.
Während der Panikattacke sollten Autofahrer möglichst nicht anhalten, sondern erst hinter dem Tunnel parken. Jeder Tunnel geht schließlich mal zu Ende. Raschen Nutzen bringt die bewusste Konfrontation mit Tunnelfahrten - und ein wenig Seelenstrategie: Der Mensch ist eben kein Maulwurf; mitunter rebellieren ganz schlicht die (durchaus gesunden) Instinkte. Wie bei fast allen Ängsten gilt: Die Angst annehmen ist der beste Weg zur Bewältigung.
Übrigens: Sogar Tunnelbetreiber haben das Problem erkannt. Mehr Licht im Tunnel und abwechslungsreiche farbliche Gestaltung sollen das Wohlbefinden steigern. Vielleicht erzählen Beifahrer oder Beifahrerin auch einfach eine spannende Geschichte über Zwerge, die im Tunnel wohnen...



