Tröstliche Genüsse
Bereits im Mittelalter war es Brauch, sich am 25. Dezember einmal so richtig den Bauch vollzuschlagen. Ein üppiges Mahl sollte entschädigen für all die Entbehrungen, die man das ganze Jahr über zu ertragen hatte."Weihnachten ist das Fest der Freude. Leider wird dabei zu wenig gelacht", hat Jean-Paul Sartre einmal gesagt. Wer an einem Samstag im Dezember über den Weihnachtsmarkt einer Stadt in Deutschland geht, wird ihm Recht geben: Unter den Passanten, die die warmen Lichter und leckeren Düfte genießen, gibt es immer auch ein paar Leute, die sich - genervt vom Trubel - gegenseitig schubsen, auf die Füße treten und ankeifen.
Gänsebraten und Pfefferkuchen
Trost scheint angebracht - vielleicht eine Tüte gebackene Mandeln, oder lieber ein Stück Stollen? Die Weihnachtsmarktstände mit Leckereien lassen keinen kulinarischen Wunsch offen, schließlich gehören die Gaumenfreuden zur Advents- und Weihnachtszeit dazu: "Wenn man von Weihnachten spricht, dann erwacht für viele als erstes die Assoziation zu gutem Essen. Es riecht sogleich nach Gänsebraten und Pfefferkuchen", schrieb die Volkskundlerin Ingeborg Weber-Kellermann 1978.
Die Genüsse, die heutzutage die Adventszeit versüßen, sind allerdings gar nicht in dem Sinne, den die Kirche im ersten halben Jahrtausend ihres Bestehens meinte: Für den Advent schrieb sie - ähnlich wie für die Passionszeit vor Ostern - Fasten, Buße und gute Werke vor. Alles Leckere und Gute war vor Weihnachten untersagt; weder Fleisch noch Butter noch Milch kamen auf den Tisch.
Fastenbrot Stollen
Acht Wochen hatte das kirchlich angeordnete Fasten zu dauern, vom Martinstag am 11. November bis zum ursprünglichen Weihnachtstermin, dem 6. Januar. Bis weit ins zweite Jahrtausend hielt sich der Fastenbrauch: So wird erstmals 1329 ein typisches Mahl und Fastenbrot erwähnt, genannt Stollen, das aus Wasser, Rübenöl und Hafer zusammen gerührt wurde. Wegen des tranigen, mageren Geschmacks dürfte es wenige Verehrer gehabt haben. Mit dem reichhaltigen Christstollen von heute war es jedenfalls nicht zu vergleichen.
Päpstliche Genehmigung
Erst im 15. Jahrhundert erfolgte - mit päpstlicher Genehmigung - eine Lockerung des Adventfastens. Unter anderem bemühte sich Kurfürst Ernst von Sachsen (1441 bis 1486), Papst Nikolaus V. zur Genehmigung leckerer Ingredienzien zum Stollenrezept zu erweichen - zunächst vergeblich. Papst Innozenz VIII. erlaubte schließlich ab 1491 die Zutat von Butter, unter der Bedingung, dass dafür (finanzielle) Buße abgeleistet werde.
Am Ende der alljährlichen, weitgehend genusslosen Adventszeit jener Epoche stand das weihnachtliche Festmahl - es war der kulinarische Höhepunkt des Jahres überhaupt. In Zeiten, als viele Menschen noch von Hunger bedroht waren und nur das essen konnten, was die Jahreszeit hergab, unterschied sich das Festessen klar vom Alltagsmahl: Selbst arme Familien gönnten sich etwas und ließen für einen Abend ihre sonst kargen Lebensverhältnisse hinter sich. Die Völlerei, nach der klassischen Theologie eines der sieben Hauptlaster (umgangssprachlich als "Todsünden" bekannt), kehrte sich somit an Weihnachten um in einen Ausdruck von Lebensfreude und Gemeinschaft.
Heute ist die Gans der beliebteste Braten an Weihnachten. Der Brauch geht zurück auf die Martinsgans.
Das bevorzugte Weihnachtsmahl im Mittelalter war die Mettensau, also Schweinebraten. Das hing mit dem Jahresverlauf zusammen: die Tiere wurden nach der Ernte gemästet, und an Weihnachten konnte es ein gutes Mahl geben. Hier hat die Redewendung "Schwein haben" ihren Ursprung - wer ein Schwein sein Eigen nannte, den erwartete ein Weihnachtsfest voll Glück und Freude.
Heute ist die Gans der beliebteste Braten an Weihnachten. Dieser Brauch geht auf
die Martinsgans zurück: Sie war das traditionelle Mahl zum Martinstag am 11. November, also dem Tag, der das Adventfasten einleitete. Der Abschluss des Fastens an Weihnachten wurde wiederum mit einer Gans gefeiert.
Backen - eine bürgerliche Tugend
Das Fasten im Advent, aufgeweicht durch den "Butterbrief" des Papstes, dürfte spätestens im 19. Jahrhundert verschwunden sein: Damals, während der Biedermeierzeit, kam das "Hausbackene" in Mode. "Die Hausfrau entwickelte ihre Qualitäten am heimischen Herd", schreibt Ingeborg Weber-Kellermann, "und bald gehörte es zu den bürgerlichen Tugenden, so viel wie möglich an weihnachtlichen Genüssen in der eigenen Küche anzufertigen." Die Adventszeit wurde zur Familienzeit, in der die Familie gemeinsam kochte, backte und schmauste.
Auch wenn das Fasten der Vergangenheit angehört - der Brauch des üppigen, ausgiebigen Festmahls an Weihnachten hat sich bis heute gehalten: Bei einer Umfrage gaben vier Fünftel der Befragten an, sie würden an Weihnachten zu viel speisen. Die Freude am Genuss ist sicher ein Grund dafür, denn "richtig geschmeckt hat's, wenn einem hinterher schlecht ist", meint der Stuttgarter Sternekoch Vincent Klink.
Gans versöhnt
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass der vorweihnachtliche Frust nicht weniger geworden ist, auch wenn die Adventszeit keine Fastenzeit mehr ist. Und wer in der Zeit der Weihnachtsvorbereitungen im Sinne Sartres wenig zu lachen hat, der findet hoffentlich Trost in dem Gedanken: "Aber die Gans, die wird Spitze!"
Urte Paul (11.12.2007)
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Ukrainische Festtafel
Eines der aufwändigsten Weihnachtsessen weltweit wird in der Ukraine aufgetischt: ein Dutzend Speisen umfasst das traditionelle Festmahl, in Erinnerung an die zwölf Apostel Christi. In der Mitte der Tafel liegen, als Symbol für die Dreifaltigkeit, drei ringförmige Weihnachtsbrote (Kolach). Das wichtigste Essen ist Kutya, ein Weizenbrei mit leckeren Zutaten.
Außerdem gibt es die in Osteuropa verbreitete Rote-Beete-Suppe Borschtsch, begleitet von gekochten und mit Pilzen und Zwiebeln gefüllten Klößen - Vushka. Neben mehreren Fischgerichten stehen auch Vrenyky - Teigtaschen mit Kartoffeln, Buchweizen oder Pflaumen - und gefüllter Kohl (Holubtsi) auf der ukrainischen Festtafel. Das Mahl endet mit Uzvar, einem Schmorsaft mit zwölf Fruchtsorten.
Die Zahl 12 spielt auch beim bulgarischen Weihnachtsessen eine wichtige Rolle: die Gerichte repräsentieren jeweils einen Kalendermonat und bestehen unter anderem aus Bohnen, Nüssen, getrockneten Pflaumen und Kuchen. Familien, die noch weitere Gerichte auftafeln, haben das ganze Jahr über genug zu essen - so heißt es jedenfalls im Volksmund. Wie gut es demzufolge norwegischen Familien ergehen muss, die nach der Tradition bis zu sechzig verschiedene Weihnachtsspeisen servieren...
Eines der aufwändigsten Weihnachtsessen weltweit wird in der Ukraine aufgetischt: ein Dutzend Speisen umfasst das traditionelle Festmahl, in Erinnerung an die zwölf Apostel Christi. In der Mitte der Tafel liegen, als Symbol für die Dreifaltigkeit, drei ringförmige Weihnachtsbrote (Kolach). Das wichtigste Essen ist Kutya, ein Weizenbrei mit leckeren Zutaten.
Außerdem gibt es die in Osteuropa verbreitete Rote-Beete-Suppe Borschtsch, begleitet von gekochten und mit Pilzen und Zwiebeln gefüllten Klößen - Vushka. Neben mehreren Fischgerichten stehen auch Vrenyky - Teigtaschen mit Kartoffeln, Buchweizen oder Pflaumen - und gefüllter Kohl (Holubtsi) auf der ukrainischen Festtafel. Das Mahl endet mit Uzvar, einem Schmorsaft mit zwölf Fruchtsorten.
Die Zahl 12 spielt auch beim bulgarischen Weihnachtsessen eine wichtige Rolle: die Gerichte repräsentieren jeweils einen Kalendermonat und bestehen unter anderem aus Bohnen, Nüssen, getrockneten Pflaumen und Kuchen. Familien, die noch weitere Gerichte auftafeln, haben das ganze Jahr über genug zu essen - so heißt es jedenfalls im Volksmund. Wie gut es demzufolge norwegischen Familien ergehen muss, die nach der Tradition bis zu sechzig verschiedene Weihnachtsspeisen servieren...
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Die Folgen des Schlemmens
Sie beginnt mit heftigen, eventuell kolikartigen Schmerzen im Oberbauch, meist begleitet von Übelkeit und Erbrechen: die akute Gallenblasenentzündung als Folge von zu viel und zu fettigem Essen über die Weihnachtsfeiertage. In "einfachen" Fällen helfen ein vom Arzt verordnetes Antibiotikum und ein bisschen Ruhe; in besonders schlimmen Fällen muss die Gallenblase operativ entfernt werden.
Rupturen der Magenwand auf Grund von übermäßigem Essen sind selten; sie treten nur dann auf, wenn die Magenwand bereits einen Defekt hatte, etwa durch ein Geschwür. Maß halten beim Essen ist die beste Vorbeugung gegen Unpässlichkeiten - und wenn es doch mal ein bisschen mehr war: ein Schnaps nach dem Essen und Bewegung an der frischen Luft tun Wunder.
Sie beginnt mit heftigen, eventuell kolikartigen Schmerzen im Oberbauch, meist begleitet von Übelkeit und Erbrechen: die akute Gallenblasenentzündung als Folge von zu viel und zu fettigem Essen über die Weihnachtsfeiertage. In "einfachen" Fällen helfen ein vom Arzt verordnetes Antibiotikum und ein bisschen Ruhe; in besonders schlimmen Fällen muss die Gallenblase operativ entfernt werden.
Rupturen der Magenwand auf Grund von übermäßigem Essen sind selten; sie treten nur dann auf, wenn die Magenwand bereits einen Defekt hatte, etwa durch ein Geschwür. Maß halten beim Essen ist die beste Vorbeugung gegen Unpässlichkeiten - und wenn es doch mal ein bisschen mehr war: ein Schnaps nach dem Essen und Bewegung an der frischen Luft tun Wunder.





