Fröhlich jubelnd begrüßen die Menschen Frau Sunna. (Bild: Jens-Ulrich Koch/ddp)
Verbrennt den Winter!
Wohlan, zum Kampfe bin ich bereit, den Sieg will ich heute erringen! Wohlan, Herr Winter, es ist soweit, zu Ende ist deine Regentenzeit! Ich werde im Kampf dich bezwingen!Mit diesen Worten beginnt das traditionelle Streitgespräch zwischen Frau Sunna und Herrn Winter beim alljährlichen Eisenacher Sommergewinn. Drei Wochen vor Ostern feiern zehntausende Menschen im Schatten der Wartburg eines der größten und schönsten Frühlingsfeste in Deutschland.
Triumph über den Winter
Seit 1897 organisiert die Eisenacher Sommergewinnzunft den ursprünglich heidnischen Brauch. Mit aufwändig geschmückten Wagen ziehen die Mitwirkenden durch das historische Stadtzentrum zum Marktplatz. Dort beginnt dann der Streit zwischen der kalten und der warmen Jahreszeit, bei dem nach altem Brauch der Sommer über den Winter triumphiert. Dieser wird danach symbolisch in Form einer Strohpuppe verbrannt. Jetzt steht dem Frühling als "Bruder der Sonne" nichts mehr im Wege.
Bevorstehende Erlösung
Der Brauch, den Winter zu vertreiben oder zu verbrennen, findet sich auch im christlichen Laetare. So wird etwa seit dem Mittelalter der vierte Fastensonntag nach Karneval genannt. Das Eingangsgebet an diesem Tag beginnt mit "Laetare, Jerusalem" ("Freu dich, Jerusalem") - daher auch der Name. Freuen sollen sich die Gläubigen auf die bevorstehende Erlösung: Die Hälfte der Fastenzeit ist geschafft, von Laetare aus ist das Osterfest - und damit das Ende der Fastenzeit - in greifbarer Nähe.
Die Natur wecken
Viele Frühlingsbräuche, die auf christlichem und vorchristlichem Naturdenken basieren, sind eng mit Laetare verknüpft. So auch das symbolische Verbrennen des Winters. Das Feuer, Zeichen der Sonne und des herannahenden Sommers, soll die Natur wecken und für Fruchtbarkeit sorgen. Diese Symbolik hat sich in vielen regionalen Frühlingsspielen bis heute bewahrt.
Der Winter hat gegen Frau Sunna keine Chance. (Bild: Jens- Ulrich Koch/ddp)
In einigen Gebieten werden glühende Holzscheiben oder brennende Wagenräder von einem Berg oder Hügel ins Tal gerollt - das so genannte Scheibenschlagen. Und auch das Funkenschlagen, bei dem eine mit Stroh umwickelte brennende Stange geschwenkt wird, basiert auf jener Tradition. Beim Saatgang ziehen Bauern mit brennenden Fackeln durch die Felder, anschließend wetteifern die jungen Burschen beim Fackelwettrennen.
Das symbolische Verabschieden des kalten Winters war und ist besonders in ländlichen Gegenden von großer Bedeutung. Harte und entbehrungsreiche Wintermonate sind vorbei, ein neues Erntejahr kann beginnen. Von solch einer Hoffnung zeugen auch die Reigentänze: Neben ausgelassener Freude hat das Tanzen auch praktische Bedeutung, die Hochsprünge der Tänzer deuten auf die Höhe des Korns im Sommer hin.
Ulrike Wolf (04.04.2004)
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