Willst Du, ...?
Wer glaubt, mit der Zeremonie im Standesamt oder in der Kirche die Hochzeit hinter sich zu haben, der irrt. Zahlreiche Bräuche stellen das Durchhaltevermögen von Braut, Bräutigam und Gästen auf die Probe.Das Baumstammsägen ist ein Klassiker unter den Hochzeitsbräuchen. Dabei gilt: Je rostiger die Säge, umso schwerer hat es das Brautpaar!
Reis und Spalier
Zuerst der Reisregen: Dieser Brauch kommt aus dem asiatischen Raum. Als Nahrungsmittel Nummer 1 ist Reis dort nicht nur Symbol des Glücks, sondern vor allem der Fruchtbarkeit! Hängen genug kleine weiße Körner in Frisur und Rüschen, schlängelt sich das Paar durch ein Spalier, das Freunde und Verwandte mit allerlei bedeutsamen Gegenständen bilden - am Ende des Tunnels warten dann ein Baumstamm und eine verrostete Säge.
Es heißt, wer beim Schneiden der Torte das Messer führt, hat auch in der Ehe die Hosen an.
Unter Zurufen der Schaulustigen muss das junge Ehepaar den Stamm komplett zersägen. Das schult angeblich die Fähigkeit, Probleme gemeinsam zu lösen. Das Brautkleid dürfte nun hinlänglich ruiniert sein. Egal, Hauptsache der Bräutigam hat noch genügend Kleingeld in der Tasche, um die anwesenden Kinder zufrieden zu stellen. Die spannen nämlich eifrig Seile über den Weg des Paares, der selbstverständlich nur bei entsprechender Entlohnung freigegeben wird.
Schwielen an den Daumen
Ist die Hochzeitsgesellschaft endlich in der Gaststätte angekommen, überbrückt eine weitere Schikane die Zeit bis zur Vorsuppe: Ausgerüstet mit Nagelscheren müssen die Frischvermählten ein riesiges Herz aus einem Bettlaken schneiden. Darauf stehen die Namen der Brautleute und das Datum des aufregenden Tages. Und als wären die Schwielen an den Daumen nicht genug, fordert der anspruchsvolle Freundeskreis den Bräutigam auf, seine Angetraute samt Reifrock durch das ausgeschnittene Loch zu tragen.
Nichts als Scherben: Zum Wohle des Brautpaars geht am Polterabend manch gutes Stück zu Bruch. Das Getöse soll böse Geister verscheuchen.
Bei Speis und Trank können die Gäste nun beweisen, dass ihre Kondition seit Junggesellen-Party und Polterabend nicht nachgelassen hat. Willkommene Abwechslung bietet die Brautentführung: ein Ritual, mit dem das Angebot anderer Lokale getestet wird - und die Spendierfreudigkeit des Bräutigams. Zu beachten wäre: den Brautstrauß nicht vergessen! Denn ohne Strauß ist die Braut nichts wert. Und: Trauzeugen dürfen an der Suche, aber nicht an der Entführung beteiligt sein.
Stolpern vermeiden
Zurück am Ausgangspunkt wird solange gefeiert, bis der Letzte das Licht ausmacht. Wenn irgend möglich, sollte das nicht der Bräutigam sein, denn der muss ja seine Frau noch über die Türschwelle tragen. Im Mittelalter vermutete man böse Geister in Ritzen und Schwellen des Hauses. Darüber zu stolpern, das verhieß nichts Gutes und musste unbedingt vermieden werden. Darüber hinaus darf die Braut zu diesem Zeitpunkt durchaus Schwäche zeigen: Sie musste sich zuvor mit viel Energie den Brautschleier - das Symbol der Jungfräulichkeit - abtanzen.
Hochzeitsnacht mit Hindernissen
Wer, aus Gründen der Vorsicht, einen Haus- oder Wohnungsschlüssel bei Freunden oder Verwandten hinterlegt, sollte sich auf chaotische Zustände im Schlafzimmer gefasst machen. Kleinteile, Luftballons - unüberwindliche Mengen davon versperren eventuell den Weg ins Bett. Spätestens jetzt wünscht sich der eine oder andere Ehepartner vielleicht, in der Lage von Juri Malenchenko zu sein. Der russische Kosmonaut heiratete seine Freundin Ekaterina Dmitriev von Bord der internationalen Raumstation ISS. Seine wunderschöne Braut saß bei der Trauung im Raumfahrtzentrum Houston, vierhundert Kilometer weit weg.
Katja Bose (akt. Urte Paul, 07.09.2009)
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Den glücklichsten Tag des Lebens verbringt das Brautpaar angeblich am Tag der Hochzeit. Das würde allerdings bedeuten, dass es nach dem rauschenden Fest in puncto Glück nur noch bergab geht! Um das zu verhindern, haben sich Menschen aller Kulturen schon vor geraumer Zeit einige Tricks einfallen lassen, um dem Glück im Eheleben auf die Sprünge zu helfen.
Und so gibt es heute für jede Eventualität den passenden Brauch: Schon vor der Hochzeit soll das laute Getöse am Polterabend böse Geister verscheuchen. Ganz nebenbei stärkt das gemeinsame Aufkehren der Glück bringenden Scherben den Zusammenhalt der künftigen Eheleute. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollten die Kleider der Brautjungfern dem der Braut ähnlich sehen - das verwirrt die Dämonen.
Damit es um die Finanzen des Paars immer gut bestellt ist, versteckt die Braut eine Münze in ihrem Schuh. Die italienische fidanzata hat es da bequemer - ihr werden nach der Trauung Wein und Brot gereicht, das sorgt angeblich für Wohlstand und Gesundheit. Noch während der Trauung sind Braut und Bräutigam angehalten, gut auf die Ringe Acht zu geben: Fällt eines der kostbaren Liebessymbole zu Boden, ist das ein ganz schlechtes Omen für die Ehe, Streit somit schon programmiert.
Reichen Kindersegen bescheren soll das Streuen diverser Naturprodukte: Neben Reiskörnern locken auch zart duftende Blüten Fruchtbarkeitsgöttinnen an. Für manchen Gast könnte sich der Brauch des Brautstrauß- (für die Damen) und des Strumpfbandwerfens (für die Herren) lohnen, den glücklichen Empfängern steht eine baldige Hochzeit ins Haus - allerdings nicht zwangsweise miteinander.
Aus der Strumpfbandgeschichte haben die Franzosen übrigens eine lukrative Einnahmequelle gemacht: Hier wird das Objekt der Begierde versteigert. Nach jedem Gebot wandert der Saum des Hochzeitskleides ein kleines Stückchen höher - zur Freude der männlichen Gäste und der Haushaltskasse des Brautpaares. Auch in Spanien freut sich die Braut über Geld - überreicht vom eigenen Bräutigam. Mit der Übergabe von 13 Münzen in einem kleinen Säckchen verspricht er, gut für seine Ehefrau zu sorgen und sie stets zu unterstützen.
Und so gibt es heute für jede Eventualität den passenden Brauch: Schon vor der Hochzeit soll das laute Getöse am Polterabend böse Geister verscheuchen. Ganz nebenbei stärkt das gemeinsame Aufkehren der Glück bringenden Scherben den Zusammenhalt der künftigen Eheleute. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollten die Kleider der Brautjungfern dem der Braut ähnlich sehen - das verwirrt die Dämonen.
Damit es um die Finanzen des Paars immer gut bestellt ist, versteckt die Braut eine Münze in ihrem Schuh. Die italienische fidanzata hat es da bequemer - ihr werden nach der Trauung Wein und Brot gereicht, das sorgt angeblich für Wohlstand und Gesundheit. Noch während der Trauung sind Braut und Bräutigam angehalten, gut auf die Ringe Acht zu geben: Fällt eines der kostbaren Liebessymbole zu Boden, ist das ein ganz schlechtes Omen für die Ehe, Streit somit schon programmiert.
Reichen Kindersegen bescheren soll das Streuen diverser Naturprodukte: Neben Reiskörnern locken auch zart duftende Blüten Fruchtbarkeitsgöttinnen an. Für manchen Gast könnte sich der Brauch des Brautstrauß- (für die Damen) und des Strumpfbandwerfens (für die Herren) lohnen, den glücklichen Empfängern steht eine baldige Hochzeit ins Haus - allerdings nicht zwangsweise miteinander.
Aus der Strumpfbandgeschichte haben die Franzosen übrigens eine lukrative Einnahmequelle gemacht: Hier wird das Objekt der Begierde versteigert. Nach jedem Gebot wandert der Saum des Hochzeitskleides ein kleines Stückchen höher - zur Freude der männlichen Gäste und der Haushaltskasse des Brautpaares. Auch in Spanien freut sich die Braut über Geld - überreicht vom eigenen Bräutigam. Mit der Übergabe von 13 Münzen in einem kleinen Säckchen verspricht er, gut für seine Ehefrau zu sorgen und sie stets zu unterstützen.
Infobox
Etwas Altes, etwas Neues, etwas Geliehenes und etwas Blaues soll die Braut tragen. Alt ist häufig ein Schmuckstück, vielleicht ein Familienerbe. Es stellt einen Bezug zu ihrem alten Leben her - oft zu ihrer Familie. Ist das Brautkleid neu, steht es als Versprechen für ein glückliches, erfolgreiches Leben. Trägt die Braut etwas Geborgtes - vorzugsweise von einer anderen glücklichen Braut -, verheißt das ebenso Glück in der eigenen Ehe. Und Blau steht in der Bibel für Reinheit und Treue, heute oft auf dem Strumpfband vertreten.
Das englische Original dieser Weisheit stammt übrigens aus der viktorianischen Zeit und lautet: "Something old, something new, something borrowed, something blue and a silver sixpence in your shoe." Den silbernen Sixpence im Schuh unterschlägt die deutsche Fassung - und damit immerhin das Symbol des Wohlstands. Wer gerade keine Silbermünze zur Hand hat, begnügt sich hier mit einem kupfernen Cent. Mehr wäre, im Schuh, wohl auch unbequem.
Das englische Original dieser Weisheit stammt übrigens aus der viktorianischen Zeit und lautet: "Something old, something new, something borrowed, something blue and a silver sixpence in your shoe." Den silbernen Sixpence im Schuh unterschlägt die deutsche Fassung - und damit immerhin das Symbol des Wohlstands. Wer gerade keine Silbermünze zur Hand hat, begnügt sich hier mit einem kupfernen Cent. Mehr wäre, im Schuh, wohl auch unbequem.



