Eduard Wilhelm Baltzer: Er prägte 1852 den Begriff Jugendweihe.
Neuer alter Brauch
Viele glauben, die Jugendweihe sei ein Kind der DDR. Jedoch beginnt ihre Geschichte schon um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit lebte Eduard Baltzer, ein evangelischer Pfarrer. Der studierte Theologe und Philosoph artikulierte Zweifel an den Ansichten der offiziellen Kirchen, die er als veraltet empfand. Deshalb bezichtigte man ihn der "Anheizung zu Haß und Verachtung" gegen Kirche und Staat.Schließlich erhielt er Berufsverbot. In einer freien Gemeinde wurde Baltzer 1847 zum Prediger gewählt. Weil der Dissident nach Alternativen zur üblichen Konfirmation suchte, führte er 1852 die Jugendweihe ein.
Verlorene Verbindung
Worum ging es damals? Den etablierten Kirchen mit ihren starren Hierarchien war die Verbindung zu den geistigen und sozialen Tendenzen der Zeit verloren gegangen. Protestantische Zweifler gründeten auf diesem Hintergrund die Bewegung der so genannten "Lichtfreunde". Später - 1847 - entstand daraus die erste freie Gemeinde unter Eduard Baltzer.
In ähnlicher Weise entwickelten sich Unstimmigkeiten in den katholischen Reihen. Die ersten deutsch-katholischen Gemeinden, im Frühjahr 1845, waren das Ergebnis. Der Bund Freireligiöser Gemeinden Deutschlands, kurz BFGD, vereinigte 1859 beide Strömungen über die Schranken der Konfessionen hinweg.
Vom Protest zum Atheismus
Nur kurz war für viele der Weg vom Protest gegen die offizielle Kirche hin zum Atheismus. Sie fanden ihre geistige Heimat im 1881 gegründeten Freidenker-Bund. Die noch radikaleren proletarischen Freidenker, eine Bewegung der Arbeiterklasse, integrierten später den Klassenkampf in ihr anti-konfessionelles Weltbild. Jenes bunte Durcheinander verschiedenster religiöser, politischer und anti-religiöser Richtungen brachte das Bedürfnis nach einem nicht an die Kirche gebundenen Initiationsritus für junge Menschen hervor.
Durchbruch in Berlin
Seinen eigentlichen Durchbruch erlebte das Projekt 1889 in Berlin: In einer viel beachteten Veranstaltung der freireligiösen Gemeinde erhielten 37 Jungen und Mädchen ihre Jugendweihe. Das Fest hatte bald mehr politischen als religiösen Charakter. Gelöbnisse zum politischen Engagement begannen eine zentrale Rolle zu spielen. Nun konnten auch freigeistige Organisationen die Jugendweihe übernehmen. Schon 1890 überschritt die Zahl der Teilnehmer an einzelnen Veranstaltungen, zum Beispiel in Hamburg, die Hundertergrenze. Von da an ging es stetig bergauf.
Blütezeit der Jugendweihe
Ihre Blütezeit hatte die Jugendweihe in der Weimarer Republik. Organisatoren waren die beiden Arbeiterparteien SPD und KPD, der proletarische Freidenker-Bund sowie andere freigeistige Verbände. Historikern gilt die proletarische Traditionslinie der Jugendweihe als drittwichtigste neben der freireligiösen und der freidenkerischen. Für alle - teilweise mit Ausnahme der freireligiösen Inspiratoren - standen Ideen der Aufklärung, die Trennung von Kirche und Staat, die Herauslösung der Kinder aus dem Religionsunterricht und eine ästhetische Erziehung im Vordergrund...
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Infobox
Der "Erfinder" der Jugendweihe
1814, 24. Oktober: Eduard Wilhelm Baltzer im evangelischen Pfarrhaus zu Hohenleina geboren.
1828 bis 1834: Besuch der renommierten Klosterschule zu Pforta.
1836 bis 1838: Studium der evangelischen Theologie und Philosophie in Halle.
1841: Diakon und Hofprediger in Delitzsch.
1845, 6. Oktober: Pastor an der Nicolaikirche in Nordhausen, offiziell aber nie im Amt bestätigt.
1847, 5. Januar: in Nordhausen zum Prediger einer freien Gemeinde gewählt.
1852: Baltzer veranstaltet eine Feier für Jugendliche und nennt sie Jugendweihe.
1859: zum Präsidenten des Bundes freireligiöser Gemeinden gewählt.
1867: Baltzer ruft an Ostern den Deutschen Verein für naturgemäße Lebensweise aus.
1884: Baltzer erhält einen Monat Festungshaft, weil er den Kronprinzen der Barbarei bezichtigt.
1887, 24. Juni: Tod Eduard Wilhelm Baltzers in Grötzingen bei Durlach.
1814, 24. Oktober: Eduard Wilhelm Baltzer im evangelischen Pfarrhaus zu Hohenleina geboren.
1828 bis 1834: Besuch der renommierten Klosterschule zu Pforta.
1836 bis 1838: Studium der evangelischen Theologie und Philosophie in Halle.
1841: Diakon und Hofprediger in Delitzsch.
1845, 6. Oktober: Pastor an der Nicolaikirche in Nordhausen, offiziell aber nie im Amt bestätigt.
1847, 5. Januar: in Nordhausen zum Prediger einer freien Gemeinde gewählt.
1852: Baltzer veranstaltet eine Feier für Jugendliche und nennt sie Jugendweihe.
1859: zum Präsidenten des Bundes freireligiöser Gemeinden gewählt.
1867: Baltzer ruft an Ostern den Deutschen Verein für naturgemäße Lebensweise aus.
1884: Baltzer erhält einen Monat Festungshaft, weil er den Kronprinzen der Barbarei bezichtigt.
1887, 24. Juni: Tod Eduard Wilhelm Baltzers in Grötzingen bei Durlach.


