Quell alles Guten
Ein Leben ohne Sauna ist in Finnland kaum vorstellbar: Auf fünf Millionen Einwohner kommen um die anderthalb Millionen Saunen. Die heißen Dampfbäder sind fest in das gesellschaftliche Leben der Finnen integriert.Ein perfekter Ort, um zu entspannen und soziale Beziehungen zu pflegen: manche Finnen gehen so gut wie jeden Tag in die Sauna.
364mal im Jahr
Dabei ist die Sauna - der finnische Exportschlager schlechthin - keine Erfindung der schweigsamen Skandinavier. Das Baden im heißen Raum war ursprünglich eine Sitte osteuropäischer Bauern und gelangte vor rund anderthalbtausend Jahren in den kalten Norden. Dort gehört es seitdem zum Leben der Menschen - ob auf dem Lande oder in der Stadt. So wird von Finnen berichtet, die fast ihr ganzes Leben an jedem Werktagabend saunierten, manche sogar 364 mal im Jahr - nur am Abend des ersten Weihnachtstages sollen sie sich eine Pause gegönnt haben.
Inbegriff der Sauberkeit
Die Sauna ersetzte lange Zeit die eigentliche Badestube; sie war der einzige Raum, in dem es heißes Wasser gab. Für die Finnen ist die "Schwitzstube", wie das Wort Sauna übersetzt heißt, Inbegriff der Sauberkeit. Über die Jahrhunderte soll sie der Raum gewesen sein, in dem Mütter ihre Kinder zur Welt brachten. Noch heute ist es in Finnland üblich, schon Babys mit in die Sauna zu nehmen.
Schlechtes beseitigen
Der Dampf der Sauna ist für die Finnen der Quell alles Guten. Seit jeher soll er helfen, alles am Körper haften gebliebene Schlechte zu beseitigen, Krankheiten zu heilen, Sorgen zu zerstreuen. So dienten Saunabesuche der Erfrischung und dem Vergnügen und befreiten die Menschen von der Müdigkeit. Finnische Bauern berichteten Ende des 18. Jahrhunderts einem ziemlich verwunderten italienischen Reisenden, dass sie ohne ihre Bäder die schwere Arbeit nicht aushalten würden; rascher als Schlaf erneuere die Sauna ihre Kräfte.
Ein eiskalter Wasserschwall ist nach dem schweißtreibenden Bad im heißen Dampf unbedingt zu empfehlen.
Dass das Saunabad allerdings dazu diene, den Körper von Schmutz zu reinigen, wurde schon zu früheren Zeiten bezweifelt. Denn die typische finnische Rauchsauna hat einen entscheidenden Nachteil: Man kommt aus ihr häufig schmutziger heraus, als man hinein gegangen ist. Und danach, so die Vorwürfe der Kritiker, zögen die Menschen auch noch - ohne sich vorher abzutrocknen - auf die nasse Haut ein schmutziges Hemd an!
Kein Platz für Unsittliches
Dieses Problem hat sich mittlerweile erledigt, weil sich auch die finnische Sauna im letzten Jahrhundert stark veränderte. So ist es heute dort beispielsweise unüblich, gemischt zu saunieren, ganz im Unterschied zu früheren Zeiten: Egal, ob in den Saunen der Bauerngehöfte oder in den Badestuben der Städte - eine strenge Geschlechtertrennung gab es damals nicht. Man sah die Sittlichkeit nicht in Gefahr, da die Sauna ein heiliger Ort war, wo Unsittliches gar nicht erst aufkommen konnte.
Nicht fluchen, grölen oder singen
Die Menschen glaubten, dass in der Sauna ein guter Geist wohne, der so lange niemanden störe, wie die in der Badestube vorgeschriebenen Regeln eingehalten würden: nicht streiten, nicht fluchen, den Namen Gottes nicht nennen, nichts Zotiges sprechen, nicht grölen, nicht singen und sich auch sonst nicht laut benehmen.
Sauna heißt Leben
Mögen wir auch manchmal schmunzeln über die Ernsthaftigkeit, mit der sich die Finnen ihrem wohl wichtigsten Kulturgut widmen - sie selbst empfinden es als etwas ganz Selbstverständliches. Kaum ein Finne wird sich jemals Gedanken darüber machen, welchen Einfluss die Sauna auf die finnische Identität hat. Und warum auch: Sauna heißt hier einfach nur Leben.
Ulrike Wolf (10.01.2005)
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Infobox
Beim Saunieren...
erhöht sich die normale Körpertemperatur um ein, zwei Grad, die Haut erwärmt sich um drei bis zehn Grad. Der Vorgang ist vergleichbar mit Fieber: Krankheitserreger werden zerstört, die Blutgefäße weiten sich, so dass die doppelte Menge an Blut hindurch fließen kann.
Bei zwei Saunagängen verliert der Körper fast einen Liter Schweiß. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, reichert der Körper Wasser im Gewebe an. In der Folge lösen sich Schlackenstoffe aus dem Fettgewebe und werden mit dem Urin ausgeschieden.
Das Herz wird durch die erweiterten Arterien besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die eingeatmete heiße Luft hilft, die Schleimhäute besser zu durchbluten. Zudem erhöht sich das Fassungsvermögen der Lunge durch die muskelentspannende Wirkung der Sauna, das Durchatmen fällt erheblich leichter.
Regelmäßige Saunagänge härten gegen Wetterfühligkeit ab. Unsere Muskulatur wird auf Wärme-Kälte-Reize trainiert und reagiert schneller bei plötzlichen Temperaturwechseln. Neben den positiven physiologischen Effekten haben Saunabäder vor allem auch wohltuende Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden.
erhöht sich die normale Körpertemperatur um ein, zwei Grad, die Haut erwärmt sich um drei bis zehn Grad. Der Vorgang ist vergleichbar mit Fieber: Krankheitserreger werden zerstört, die Blutgefäße weiten sich, so dass die doppelte Menge an Blut hindurch fließen kann.
Bei zwei Saunagängen verliert der Körper fast einen Liter Schweiß. Um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, reichert der Körper Wasser im Gewebe an. In der Folge lösen sich Schlackenstoffe aus dem Fettgewebe und werden mit dem Urin ausgeschieden.
Das Herz wird durch die erweiterten Arterien besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Die eingeatmete heiße Luft hilft, die Schleimhäute besser zu durchbluten. Zudem erhöht sich das Fassungsvermögen der Lunge durch die muskelentspannende Wirkung der Sauna, das Durchatmen fällt erheblich leichter.
Regelmäßige Saunagänge härten gegen Wetterfühligkeit ab. Unsere Muskulatur wird auf Wärme-Kälte-Reize trainiert und reagiert schneller bei plötzlichen Temperaturwechseln. Neben den positiven physiologischen Effekten haben Saunabäder vor allem auch wohltuende Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden.
Infobox
Bei der Rauchsauna...
- finnisch: Savusauna - handelt es sich um die älteste Form des finnischen Dampfbades. Der Ofen steht hier frei im Raum und hat keinen Schornstein. Deshalb zieht der Rauch durch die aufgeschichteten Steine ab, bewegt sich dann an Wänden und Decke entlang und schließlich durch eine kleine Luke ins Freie.
Mehrere Stunden dauert das Beheizen, oft muss Holz nachgelegt werden. Erst wenn das Feuer erloschen, der Rauch vollständig abgezogen ist, beginnt das Baden. Allerdings sind die Innenwände noch rußig, so dass die Bänke mit Tüchern abgedeckt werden. Heute sind Savusaunen in Finnland eine Seltenheit, nur noch jede hundertste Sauna wird auf diese Art und Weise beheizt.
- finnisch: Savusauna - handelt es sich um die älteste Form des finnischen Dampfbades. Der Ofen steht hier frei im Raum und hat keinen Schornstein. Deshalb zieht der Rauch durch die aufgeschichteten Steine ab, bewegt sich dann an Wänden und Decke entlang und schließlich durch eine kleine Luke ins Freie.
Mehrere Stunden dauert das Beheizen, oft muss Holz nachgelegt werden. Erst wenn das Feuer erloschen, der Rauch vollständig abgezogen ist, beginnt das Baden. Allerdings sind die Innenwände noch rußig, so dass die Bänke mit Tüchern abgedeckt werden. Heute sind Savusaunen in Finnland eine Seltenheit, nur noch jede hundertste Sauna wird auf diese Art und Weise beheizt.



