Zurück zur Tracht
Bayern ist das Land der Trachten! Sogar im Alltag tragen viele Leute dort Lederhose und Dirndl. Dass diese Form der Volkskultur noch existiert, ist auch dem Engagement von Vereinen zu verdanken.Ohne Tracht aufs Münchner Oktoberfest? Das kommt natürlich nicht in Frage. (Bild: Harald Bischoff; Creative Commons)
Doch nicht nur zum alljährlichen Oktoberfest spielen Trachten in Bayern eine Rolle. Dirndl und Lederhose sind auch fern allen touristischen Trubels in den Alltag der bayerischen Bevölkerung integriert. Das hält Trachten am Leben! Denn: Kleidung, die niemand mehr im Alltag trägt, wandelt sich auch nicht mit der Mode und ist folglich tot. Dass viele Menschen heute Trachten tragen, ist den Initiativen von Trachtenvereinen zu verdanken.
Vor allem Oberbayern gilt als Wiege der organisierten Trachtenbewegung, die mit der Gründung des Vereines zur Erhaltung der Volkstrachten im Leitzachtal 1883 in Gang kam. Der Zweck war in der Satzung klar definiert: "Wiederauffrischung der im Verschwinden begriffenen kleidsamen Volkstracht". In der Region Oberbayern gründeten sich schnell weitere Trachtenvereine, später auch in anderen Gegenden Bayerns. Ab 1890 schlossen sich die Trachtenvereine in Dachverbänden zusammen.
Gewänder der Demoiselles
Warum aber war Trachtenpflege überhaupt nötig? Lange Zeit herrschte doch sogar eine regelrechte Trachtenbegeisterung. Als sich im 16. Jahrhundert soziale Abstufungen zwischen Hof, Adel, Bürgern, Handwerkern und Bauern immer schärfer abzeichneten, kam das auch in der Kleidung zu Ausdruck. So entstand die Tracht als Standeskleidung.
Diese Tradition aber schien ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zu verschwinden: Kaum jemand orientierte sich noch an Bräuchen, sondern eher an der internationalen Mode. Maßgeschneiderte Trachten waren in den Städten kaum mehr zu sehen. Man trug preiswerte Fertigkleidung aus industrieller Produktion.
Bereits 1816 bemerkte der Schriftsteller Christian Müller, dass die jungen Münchnerinnen "ihre geschmackvolle nationale bürgerliche Tracht mit den Gewändern der Demoiselles und Fräuleins vertauschen, und höchstens noch das Häubchen beibehalten." Nach der Jahrhundertmitte erreichte der Trend auch die ländlichen Gebiete.
Frühe Initiativen
Den Neuanfang aber machte nicht ein Verein, sondern das Haus Wittelsbach: Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als sich die Verdrängung der Trachten allmählich zeigte, setzte sich das Adelsgeschlecht für die Trachtenpflege ein: Zur Hochzeit des Kronprinzen Ludwig (des späteren Königs Ludwig I. von Bayern) mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1810 repräsentierten neun Kinderpaare die damaligen bayerischen Kreise in eigens hierfür entworfenen Trachten.
Das wiederholte sich - in größerem Umfang - zur Silberhochzeit des Königpaares 1835, als ein Trachtenumzug zu seinen Ehren veranstaltet wurde. Dieses Ereignis gilt als Vorläufer des Münchner Oktoberfestes. Der Veranstaltungsort heißt nach der Prinzessin Theresienwiese.
Auch Ludwigs Sohn Maximilian (der spätere König Maximilian II.) trat in die Fußstapfen seines Vaters, um das bayerische Nationalgefühl im neu geschaffenen Königreich zu stärken: Er kleidete sich als erster Wittelsbacher Regent in Tracht. Damit wurde die oberbayrische Tracht hoffähig. Die Bemühungen des Wittelsbacher Adelsgeschlechts und die ersten Trachtenvereine gelten als Ursprung der modernen Trachtenkultur.
Erfolgreiche Wiederbelebung
Die Tracht sei ein Identitätsmerkmal für die bayerische Lebensart und müsse deshalb geschützt werden, heißt es in den Satzungen der Trachtenvereine. Ihr Leitspruch "Sitt' und Tracht der Alten wollen wir erhalten" ist Programm: Neben der Trachtenpflege gehört die Förderung der Heimatkultur - was Volksmusik, Dialekt, Brauchpflege und Denkmalschutz einschließt - zu ihren Aufgaben.
Höhepunkte der öffentlichkeitsorientierten Verbandsarbeit sind Auftritte zu besonderen Ereignissen wie der Olympiade in München 1972, der Fußballweltmeisterschaft 2006 oder zu Staatsbesuchen hochrangiger Politiker. Außerdem richten die meisten Regionen in Bayern einmal im Jahr ein Trachtenfest aus.
Die Initiativen zur Trachtenpflege zeigen Wirkung: Die Nachfrage nach Trachten ist in den letzten Jahren derart gestiegen, dass sogar Billigdiscounter und Modehausketten ins Trachtengeschäft einsteigen. Auch wenn die pinke Lederhose und das Mini-Dirndl vom Discounter vielleicht nicht im Sinne der Trachtenvereine sind, bieten sie eine preiswerte Alternative zu exklusiven Designerstücken. Der Trend ist einfach nicht aufzuhalten.
Kathleen Postel (24.11.2011)
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Selbstgeschneidert?
Ursprünglich verstand man unter Tracht ganz allgemein das "Tragen" und das "Getragene". Der Münchner Volksmund sagt eher Gwand. Doch es ist auch früh von der Tracht die Rede: Die Berufstracht, Zunftstracht oder Amtstracht, welche die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe zeigte, stammt aus dem städtischen Umfeld, während die Volkstracht ihren Ursprung in ländlichen Gebieten hat.
Lange Zeit ging man davon aus, dass Volkstracht von Bauern selbst geschneiderte und von der allgemeinen Mode unabhängige Kleidung ist. Erst später erkannte man, dass auch die bäuerlichen Trachten, ebenso wie die städtischen, dem allgemeinen Modewandel unterworfen waren - auch wenn die modischen Innovationen auf dem Land in der Regel erst mit Verzögerungen von bis zu drei Jahrzehnten aufkamen.
Ursprünglich verstand man unter Tracht ganz allgemein das "Tragen" und das "Getragene". Der Münchner Volksmund sagt eher Gwand. Doch es ist auch früh von der Tracht die Rede: Die Berufstracht, Zunftstracht oder Amtstracht, welche die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe zeigte, stammt aus dem städtischen Umfeld, während die Volkstracht ihren Ursprung in ländlichen Gebieten hat.
Lange Zeit ging man davon aus, dass Volkstracht von Bauern selbst geschneiderte und von der allgemeinen Mode unabhängige Kleidung ist. Erst später erkannte man, dass auch die bäuerlichen Trachten, ebenso wie die städtischen, dem allgemeinen Modewandel unterworfen waren - auch wenn die modischen Innovationen auf dem Land in der Regel erst mit Verzögerungen von bis zu drei Jahrzehnten aufkamen.
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Bayerischer Trachtenverband
1909 gründeten zwanzig Vereine den Landesverband Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine als ersten Dachverband. Parallel dazu schlossen sich 1925 in München zehn Gauverbände des bayerischen Alpenvorlandes zu einem zweiten Dachverband zusammen. Sein Name: Vereinigte Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes.
19.135 Mitglieder aus 303 Vereinen zählte dieser zweite Dachverband damals. Sein stetes Anwachsen wurde in der NS-Zeit von Zwangsvereinigungen und massiver politischer Einflussnahme begleitet.
Kurz nach der Wiederzulassung gab es fünfhundert Trachtenvereine mit rund 45.000 Mitgliedern. 1947 nahm auch der 1925 gegründete Verband unter dem Namen Vereinigte Bayerische Trachtenverbände seine Tätigkeit wieder auf.
Im Jahr 2002 gelang die Fusion der beiden Landes-Trachtenverbände zum Großverband Bayerischer Trachtenverband mit etwa 180.000 Mitgliedern aus 22 Gauverbänden. Der Sitz ist in Traunstein.
1909 gründeten zwanzig Vereine den Landesverband Bayerischer Heimat- und Volkstrachtenvereine als ersten Dachverband. Parallel dazu schlossen sich 1925 in München zehn Gauverbände des bayerischen Alpenvorlandes zu einem zweiten Dachverband zusammen. Sein Name: Vereinigte Trachtenverbände des bayerischen Oberlandes.
19.135 Mitglieder aus 303 Vereinen zählte dieser zweite Dachverband damals. Sein stetes Anwachsen wurde in der NS-Zeit von Zwangsvereinigungen und massiver politischer Einflussnahme begleitet.
Kurz nach der Wiederzulassung gab es fünfhundert Trachtenvereine mit rund 45.000 Mitgliedern. 1947 nahm auch der 1925 gegründete Verband unter dem Namen Vereinigte Bayerische Trachtenverbände seine Tätigkeit wieder auf.
Im Jahr 2002 gelang die Fusion der beiden Landes-Trachtenverbände zum Großverband Bayerischer Trachtenverband mit etwa 180.000 Mitgliedern aus 22 Gauverbänden. Der Sitz ist in Traunstein.
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Die Gebirgstracht
Bis zur Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts wandten sich viele Vereine fast ausschließlich der Pflege der Gebirgstracht zu. Diese Tracht, mit der Lederhose für den Buam und dem Dirndl für das Madl, gilt noch heute als die bayerische Tracht. Die Gebirgstracht ist jedoch nur eine von unzähligen Spielarten.
Dennoch ist hauptsächlich die Gebirgstracht auf dem Oktoberfest verbreitet, wenn auch mit vielen Variationen in Länge, Farbe, Material und Muster. Nur die Grundform ist seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert immer die gleiche: Männer tragen ein weißes Leinenhemd und grüne Hosenträger mit aufgesticktem Edelweiß, dazu eine Kniebundhose aus Hirschleder mit Schnürung an den Seiten. Frauen tragen Dirndl: ein enges Mieder-Oberteil mit angereihtem Rock und Schürze.
Bis zur Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts wandten sich viele Vereine fast ausschließlich der Pflege der Gebirgstracht zu. Diese Tracht, mit der Lederhose für den Buam und dem Dirndl für das Madl, gilt noch heute als die bayerische Tracht. Die Gebirgstracht ist jedoch nur eine von unzähligen Spielarten.
Dennoch ist hauptsächlich die Gebirgstracht auf dem Oktoberfest verbreitet, wenn auch mit vielen Variationen in Länge, Farbe, Material und Muster. Nur die Grundform ist seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert immer die gleiche: Männer tragen ein weißes Leinenhemd und grüne Hosenträger mit aufgesticktem Edelweiß, dazu eine Kniebundhose aus Hirschleder mit Schnürung an den Seiten. Frauen tragen Dirndl: ein enges Mieder-Oberteil mit angereihtem Rock und Schürze.



