Christliches Brauchtum
Die Tage des Wartens und der Vorfreude sind die schönste Zeit des Jahres. Viele Bräuche stimmen uns auf das besinnliche Fest ein. Woher kommen Kranz, Kalender, Weihnachtsmarkt und Nikolaus?Krippe auf dem Erfurter Weihnachstmarkt - einst war die Feier zur Geburt Jesu das Fest der Wintersonnenwende. (Bild: Maja Bilic)
Symbolisches Datum
Nachdem in Rom das Christentum zur Staatsreligion wurde, feierte man fortan die Geburt Jesu. Allerdings fiel nach Berechnungen frühchristlicher Kalendarien das Geburtsfest Christi zunächst auf einen Frühjahrstermin - eine Geburt im Freien zum winterlichen Termin schien unwahrscheinlich. Im Jahr 353 jedoch datierte Papst Liberius die Geburt Jesu verbindlich auf den 25. Dezember. Die Nähe zu vorchristlichen Traditionen, welche sich mit diesem symbolischen Datum verbinden, war kaum Zufall, verkündet die Christenheit Jesus doch als "Licht der Welt".
Allgemein gültiger Termin
Alle Festtage des heidnisch-römischen Kults wurden in christliche Kulte umgewandelt. Der neu entstandene christliche Weihnachtskult umfasste nun das heidnische Fest der Wintersonnenwende. Das Datum der Ankunft Jesu wählte die Kirche also bewusst so, dass sich Höhepunkte des heidnischen Festkalenders übernehmen ließen. Im Jahre 381, auf dem Konzil von Konstantinopel, erklärte Kaiser Theodosius das Datum für allgemein gültig. Was folgte, war die systematische Umwidmung von Bräuchen.
Reiche Gaben für brave Kinder: Das Bild Das Nikolausfest von Jan Steen entstand zwischen 1663 und 1665.
Wurden einst während des Julfestes riesige, mit Grün und Bändern geschmückte Stämme zu Ehren der Götter und der Sonne verbrannt, so ehrt man heute die Geburt Jesu mit dem grünen, geschmückten Weihnachtsbaum. Aus heidnischen Göttern, die - so der Mythos - in der Zeit um die Wintersonnenwende auf die Erde kamen, entstanden Nikolaus und Weihnachtsmann. Und der nordische Julkranz ist uns als Adventskranz bekannt.
Fasten und Büßen
Die Adventszeit ist die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest: Was sich heute zumeist als Zeit freudiger Erwartung präsentiert, galt früher als strenge Fasten- und Bußzeit, in der zum Beispiel nicht getanzt oder geheiratet werden durfte. Entstanden ist die Adventszeit, mit der gleichzeitig das neue Kirchenjahr beginnt, im fünften Jahrhundert im Gebiet um das italienische Ravenna.
Vier Sonntage
Zunächst gab es sechs Adventssonntage, bis Papst Gregor der Große (etwa 540 bis 604) in der Adventsliturgie festlegte, dass die Adventszeit immer am ersten Sonntag nach dem 26. November beginnt und mit dem 25. Dezember endet - somit dauert sie vier Sonntage. Um 1570 schrieb Papst Pius V. dann endgültig die römische Adventsliturgie für die gesamte Kirche nieder - ausgenommen für Mailand, wo die Gläubigen noch immer eine sechswöchige Adventszeit feiern...
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Sinterklaas und Zwarte Pieten
Leitfigur der niederländischen Weihnachtszeit ist Sinterklaas, den man, ähnlich wie den deutschen Nikolaus, an seinem roten Talar und dem Bischofsstab erkennt. Bereits Mitte November macht sich Sinterklaas mit dem Dampfschiff auf die Reise von Spanien in die Niederlande. Seine Ankunft ist ein mediales Ereignis und wird live im Fernsehen übertragen. Begleitet wird Sinterklaas von kleinen Helfern, den so genannten Zwarten Pieten, die ihn beim Verteilen der Geschenke unterstützen.
Das Sinterklaasfest am Abend des 5. Dezember ist in den Niederlanden der Höhepunkt der Weihnachtszeit und wird besonders festlich gefeiert. Doch schon die Zeit davor ist aufregend: Zwischen Mitte November und dem 5. Dezember werden ein- bis zweimal pro Woche die Schuhe vor den Kamin oder die Tür gestellt, um sie am nächsten Morgen mit Süßigkeiten gefüllt vorzufinden. Dies verkürzt das Warten auf den so genannten Paketabend, an dem Sinterklaas die Geschenke bringt.
Das Sinterklaasfest am Abend des 5. Dezember ist in den Niederlanden der Höhepunkt der Weihnachtszeit und wird besonders festlich gefeiert. Doch schon die Zeit davor ist aufregend: Zwischen Mitte November und dem 5. Dezember werden ein- bis zweimal pro Woche die Schuhe vor den Kamin oder die Tür gestellt, um sie am nächsten Morgen mit Süßigkeiten gefüllt vorzufinden. Dies verkürzt das Warten auf den so genannten Paketabend, an dem Sinterklaas die Geschenke bringt.
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Licht in der Dunkelheit
Schwedische Familien haben den 13. Dezember dick im Kalender angestrichen: An diesem Tag feiern sie das Luciafest. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat es einen festen Platz im schwedischen Brauchtum. Auch wenn sein Name auf die heilige Lucia aus Sizilien zurückgeht, steht das Fest mehr in der Tradition heidnischer Sonnenwendfeiern - vor der Gregorianischen Kalenderreform fiel der 13. Dezember auf den Tag der Wintersonnenwende - und ist daher wenig kirchlich geprägt.
Am Vorabend des Luciatages ziehen weißgekleidete Mädchen mit einem immergrünen Kranz auf dem Kopf und Kerzen in der Hand von Haus zu Haus, singen Lieder und verteilen kleine Gaben. Am folgenden Morgen weckt die älteste Tochter im Lucia-Gewand und mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf ihre Familie, bevor alle gemeinsam die typischen Lussekatter (Safranbrötchen) und anderes Weihnachtsgebäck zum Frühstück essen.
Schwedische Familien haben den 13. Dezember dick im Kalender angestrichen: An diesem Tag feiern sie das Luciafest. Seit Ende des 19. Jahrhunderts hat es einen festen Platz im schwedischen Brauchtum. Auch wenn sein Name auf die heilige Lucia aus Sizilien zurückgeht, steht das Fest mehr in der Tradition heidnischer Sonnenwendfeiern - vor der Gregorianischen Kalenderreform fiel der 13. Dezember auf den Tag der Wintersonnenwende - und ist daher wenig kirchlich geprägt.
Am Vorabend des Luciatages ziehen weißgekleidete Mädchen mit einem immergrünen Kranz auf dem Kopf und Kerzen in der Hand von Haus zu Haus, singen Lieder und verteilen kleine Gaben. Am folgenden Morgen weckt die älteste Tochter im Lucia-Gewand und mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf ihre Familie, bevor alle gemeinsam die typischen Lussekatter (Safranbrötchen) und anderes Weihnachtsgebäck zum Frühstück essen.



