Sünde, Sex und Zauberkraft
Der Apfel als Symbol steht bis heute für den "Sündenfall". Aber auch die Legenden, die sich sonst noch um ihn ranken, haben es in sich. Die süße Frucht richtet Dinge an, die niemand von ihr erwartet hätte.Äpfel sind etwas Besonderes. Sind sie das? Menschen, die sich an die verflossene DDR erinnern, neigen eher zu einer verneinenden Antwort auf diese Frage. Denn Äpfel gab es fast immer, auch wenn das Obstangebot bei Konsum und HO darüber hinaus dürftig war. Folglich gab es auch Apfelsaft. Äpfel - im Osten Vitaminspender Nummer Eins - kosteten eben keine Devisen.
Kreative Gedanken
Mindestens einem Ostdeutschen sollen Äpfel allerdings zu kreativen Gedanken verholfen haben, jedoch - das war früher: Friedrich Schiller bewahrte stets zwei oder drei angefaulte Äpfel in der Schublade seines Schreibtischs auf und ließ sich von den alkoholischen Ausdünstungen inspirieren. Ein Glas Wein hätte es ebenso getan.
Eher eine Feige?
Irgendwas muss trotzdem dran sein, am Apfel: Würde die Bibel das knackige Obst denn sonst zur Frucht des Wissens erheben? Die Szene ist bekannt: Eva reicht Adam den verbotenen Apfel; Adam greift zu, kann fortan Gut und Böse unterscheiden; beide werden aus dem Paradies vertrieben. Aber ach, welch Missverständnis!
Wörtlich kommen im 1. Buch Mose, der Genesis, nämlich bloß "die Früchte vom Baum in der Mitte des Gartens" vor, "die umfassendes Wissen verleihen". Die lateinische Bibelübersetzung spricht vom "Erkennen des Guten und Schlechten (bonum et malum)". Weil malum - als Substantiv - wiederum Apfel bedeutet, entstand das Gerücht, Adam habe einen Apfel verspeist. Sehr wahrscheinlich wird es eine Feige gewesen sein.
Drei Jungfrauen
Immerhin, das Bild blieb in den Köpfen hängen: Eva, eindrucksvoll von hinten im Halbprofil, hält den Apfel in der Hand. Lucas Cranach (1472 bis 1533) hat die Pose gemalt. Überhaupt sind Äpfel gut für alles, was mit Sex zusammenhängt. Sex war im Mittelalter ja Sünde, und der Apfel ist nun mal untrennbar mit dem "Sündenfall" verbunden.
Begehrenswertes Obst
Lockerer, wenngleich auf dieselbe Angelegenheit zielend, ging die Antike mit dem Thema um: Herakles, der griechische Held, stiehlt aus rein sportlichen Gründen die Äpfel der Hesperiden, bewacht von drei Jungfrauen, die auf einer unbekannten Insel wohnen.
Der Sinnzusammenhang ist klar: Äpfel sind ein Symbol der Weiblichkeit, des weiblichen Geschlechtsteils vor allem, das behütet werden soll. Der echte Held klaut sie dann prompt. Vielleicht steckt hier die treffende Antwort auf unsere Ausgangsfrage: Äpfel sind ein durchaus gewöhnliches Obst. Besonders, das heißt begehrenswert, sind sie allerdings auch.
Ewige Jugend
Was den Apfel als Symbol nun wirklich adelt, ist die Tatsache, dass ihm in verschiedenen Menschheitskulturen ein ähnlicher Sinn gegeben ist. Nämlich: Wer fleißig Äpfel isst, wird belohnt mit ewiger Jugend. Dies trifft auf besagte Äpfel der Hesperiden zu, mit denen sich die Götter des Olymp dauerhaft jung erhalten. Gleiches aber erzählt man sich von den Asen, den Gestalten des nordischen Götterhimmels: Dort hütet Iduna, eine Asin, die köstlichen Früchte.
Der Apfel als Urfigur
Geht Iduna, mitsamt ihren Äpfeln, etwa im Reich der Riesen verloren, vergreisen die Götterkollegen rasch. Richard Wagner hat das Motiv in die Handlung seiner Oper Das Rheingold verwoben. Kurz gesagt: Der Apfel ist ein archetypisches Symbol, eine Urfigur - und beinahe unabhängig von der Kultur, aus der die Überlieferung stammt, mit jeweils annähernd gleicher Bedeutung gefüllt.
"Der Schönsten"
Da sich mit Äpfeln derart vieles verbindet, besitzen sie natürlich auch Zauberkraft. Woher sonst sollte die magische Wirkung kommen, menschliches Denken in immer dieselbe Richtung zu lenken? Zauberkraft bedeutet: Äpfel richten Dinge an, die niemand von ihnen erwartet hätte. Man stelle sich vor: Peleus, wieder so ein Held, heiratet die Meergöttin Thetis. Alle Unsterblichen sind geladen, bloß Eris, die Göttin der Zwietracht, steht nicht auf der Gästeliste. Eris erscheint dennoch - und wirft einen Apfel mit der Aufschrift "Der Schönsten" unter die Menge. Sofort beginnen - wie vorherzusehen - Hera, Gattin des Zeus, Athene und Aphrodite furchtbar zu streiten.
Kleine Ursache, große Wirkung
Der Knabe Paris, zum Schiedsrichter ernannt, legt schließlich den (Zank-)Apfel in die Hände der Aphrodite. Der Ärger der Unterlegenen ist selbstverständlich gewaltig. Und weil die Götter streiten, streiten die Menschen: So kommt es zum Trojanischen Krieg. Kleine Ursache: nur ein Apfel. Die Wirkung ist enorm.
Beweger der Fantasie
Frucht des Wissens, der Verführung, sogar des Verderbens: Das Apfelsymbol kann vieles bedeuten. Der Apfel ist eben rund, glatt, hat eine ideale Form, ist robust und heimelig - nicht etwa exotisch, sperrig und festgelegt wie die Ananas. Weil es den Apfel (essbar) von Natur aus nicht gab, haben ihn Menschen erfunden. Nun bewegt er die Fantasie - und verzaubert seine Erfinder.
Michael Schmittbetz (15.05.2008)
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Apfelnetzwerk...
heißt ein im Oktober 2009 gestartetes Projekt deutscher Forschungsinstitute, Bundes- und Landesämter (Bundessortenamt und Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung), Landkreise sowie privater Organisationen zum Schutz einheimischer Apfelsorten.
Im Auftrag der Bundesregierung liefern die Partner des Netzwerks - allesamt Besitzer großer Sammlungen verschiedener Apfelbäume - Daten über fast tausend Sorten für die seit 2008 bestehende Deutsche Genbank Obst (DGO). Koordiniert wird die Genbank vom Julius-Kühn-Institut für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst in Dresden-Pillnitz.
Ziel der Aktion ist, dass jede der eingetragenen Apfelsorten an mindestens zwei Standorten in Deutschland angepflanzt bleibt, um sie bewahren und weiterhin nutzen zu können. Heutige Vielfalt erhalten heißt aber auch, für künftige Herausforderungen gewappnet zu sein.
Und so entsteht in Dresden gleichzeitig ein "Apfel-Genreservoir" für die Zukunft: In neue Sorten eingekreuzt, könnten die genetischen Merkmale der alten Sorten für Pflanzen sorgen, die unter geänderten Umweltbedingungen besser mit Hitze, Krankheiten und Schädlingen zurechtkommen, so die Hoffnungen des Teams um Projektleiter Henryk Flachowsky.
heißt ein im Oktober 2009 gestartetes Projekt deutscher Forschungsinstitute, Bundes- und Landesämter (Bundessortenamt und Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung), Landkreise sowie privater Organisationen zum Schutz einheimischer Apfelsorten.
Im Auftrag der Bundesregierung liefern die Partner des Netzwerks - allesamt Besitzer großer Sammlungen verschiedener Apfelbäume - Daten über fast tausend Sorten für die seit 2008 bestehende Deutsche Genbank Obst (DGO). Koordiniert wird die Genbank vom Julius-Kühn-Institut für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst in Dresden-Pillnitz.
Ziel der Aktion ist, dass jede der eingetragenen Apfelsorten an mindestens zwei Standorten in Deutschland angepflanzt bleibt, um sie bewahren und weiterhin nutzen zu können. Heutige Vielfalt erhalten heißt aber auch, für künftige Herausforderungen gewappnet zu sein.
Und so entsteht in Dresden gleichzeitig ein "Apfel-Genreservoir" für die Zukunft: In neue Sorten eingekreuzt, könnten die genetischen Merkmale der alten Sorten für Pflanzen sorgen, die unter geänderten Umweltbedingungen besser mit Hitze, Krankheiten und Schädlingen zurechtkommen, so die Hoffnungen des Teams um Projektleiter Henryk Flachowsky.
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Manche Wissenschaftler sagen, ...
den essbaren Kulturapfel (malus domestica) hätten erstmals die Römer gezüchtet. Neuere gentechnische Untersuchungen weisen aber auf eine Abstammung vom asiatischen Wildapfel (malus sieversii) hin. Möglicherweise kreuzten Kelten den im damaligen nördlichen Europa reichlich vorkommenden (ungenießbaren) Holzapfel (malus sylvestris) mit asiatischen Importen.
Ob der Apfel, der in der griechischen und nordischen Mythologie eine Rolle spielt, tatsächlich so aussah wie die uns vertrauten Apfelsorten, ist kaum noch zu klären.
den essbaren Kulturapfel (malus domestica) hätten erstmals die Römer gezüchtet. Neuere gentechnische Untersuchungen weisen aber auf eine Abstammung vom asiatischen Wildapfel (malus sieversii) hin. Möglicherweise kreuzten Kelten den im damaligen nördlichen Europa reichlich vorkommenden (ungenießbaren) Holzapfel (malus sylvestris) mit asiatischen Importen.
Ob der Apfel, der in der griechischen und nordischen Mythologie eine Rolle spielt, tatsächlich so aussah wie die uns vertrauten Apfelsorten, ist kaum noch zu klären.
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Auch der Apfel...
unterliegt den vereinheitlichenden Zwängen der Globalisierung. Im Klartext heißt das: die Sortenvielfalt nimmt ab. Von ungefähr anderthalbtausend heute in Deutschland bekannten Sorten gelten noch lediglich sechzig als wirtschaftlich irgendwie relevant.
Gartenhandel und Direktvermarkter einbezogen, sind dreißig bis vierzig Sorten käuflich zu erwerben. In den Auslagen der Supermärkte schrumpft das Angebot auf fünf bis sechs weltweit verbreitete Apfelsorten zusammen.
Von vornherein haben Großhersteller die Bedürfnisse des Einzelhandels im Blick: Äpfel müssen erst einmal appetitlich aussehen, knackig und saftig sein. Hinzu kommen gute Lager- und Transportfähigkeit. Die wenigen Sorten, die den Kriterien genügen, erscheinen dann massenhaft im Handel: In Europa besetzen Golden Delicious, Jonagold und Red Delicious nahezu siebzig Prozent des Apfelmarktes.
Der überwiegende Anteil der Apfelernte wird übrigens zur Herstellung von Apfelsaft verwendet. Alljährlich produzieren allein in Deutschland mehr als 450 Firmen über eine Milliarde Liter. Der jährliche Apfelsaftverbrauch liegt hierzulande bei 11,7 Litern pro Kopf.
unterliegt den vereinheitlichenden Zwängen der Globalisierung. Im Klartext heißt das: die Sortenvielfalt nimmt ab. Von ungefähr anderthalbtausend heute in Deutschland bekannten Sorten gelten noch lediglich sechzig als wirtschaftlich irgendwie relevant.
Gartenhandel und Direktvermarkter einbezogen, sind dreißig bis vierzig Sorten käuflich zu erwerben. In den Auslagen der Supermärkte schrumpft das Angebot auf fünf bis sechs weltweit verbreitete Apfelsorten zusammen.
Von vornherein haben Großhersteller die Bedürfnisse des Einzelhandels im Blick: Äpfel müssen erst einmal appetitlich aussehen, knackig und saftig sein. Hinzu kommen gute Lager- und Transportfähigkeit. Die wenigen Sorten, die den Kriterien genügen, erscheinen dann massenhaft im Handel: In Europa besetzen Golden Delicious, Jonagold und Red Delicious nahezu siebzig Prozent des Apfelmarktes.
Der überwiegende Anteil der Apfelernte wird übrigens zur Herstellung von Apfelsaft verwendet. Alljährlich produzieren allein in Deutschland mehr als 450 Firmen über eine Milliarde Liter. Der jährliche Apfelsaftverbrauch liegt hierzulande bei 11,7 Litern pro Kopf.
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Alkohole, Aldehyde und Ester...
machen das berühmte Apfelaroma aus. Kräftig duftende Aromen mit alkoholischer Komponente entstehen vor allem bei langem Nachreifen beziehungsweise unter ungünstigen Lagerbedingungen. Das Argument, man habe schlicht Äpfel gegessen, taugt bei Alkoholtests im Straßenverkehr dennoch wenig: Heute ist es möglich und üblich, dank Zucht und sorgfältiger Lagerung Äpfel über ein ganzes Jahr hinweg frisch zu halten.
machen das berühmte Apfelaroma aus. Kräftig duftende Aromen mit alkoholischer Komponente entstehen vor allem bei langem Nachreifen beziehungsweise unter ungünstigen Lagerbedingungen. Das Argument, man habe schlicht Äpfel gegessen, taugt bei Alkoholtests im Straßenverkehr dennoch wenig: Heute ist es möglich und üblich, dank Zucht und sorgfältiger Lagerung Äpfel über ein ganzes Jahr hinweg frisch zu halten.




