Wo der Pfeffer wächst
Scharfer Paprika ans Gulasch, etwas Zimt an Omas Apfelkuchen... Was heute selbstverständlich ist, behielt sich früher die Oberschicht vor. Der Wunsch nach Gewürzen hat Kriege und weite Reisen hervorgebracht.Angebot eines Gewürzhändlers in Tunis: Im Souk trifft man auf die exotischsten Gerüche. (Bild: Matthew Hunt)
Kriege, Seewege und Erdteile
Unendlich weit erscheint auch der Blick zurück in die Geschichte. Wie sehr die Historie nicht zuletzt von Gewürzen beeinflusst wurde, mag so manchen verwundern: Wegen der Geschmacksverstärker wurden Kriege geführt, Seewege und sogar Erdteile entdeckt! Die einstige politische und wirtschaftliche Bedeutung des Gewürzhandels ist mit der des weltweiten Erdölhandels heute vergleichbar.
Kümmel, Myrrhe und Zimt
Wissenschaftler gehen davon aus, dass bereits in der Jungsteinzeit - noch vor der Entdeckung des Feuers - bestimmte Pflanzenteile genutzt wurden, um den Geschmack rohen Fleisches zu verbessern. Und Funde belegen, dass die Menschen in Mexiko schon siebentausend Jahre v. Chr. mit wilden Chilisorten würzten. Frühzeitig verwendeten auch die alten Ägypter Kümmel, Myrrhe und Zimt zur Körperpflege oder zum Einbalsamieren der Toten. Noch vor der Zeitenwende lernten dann die Römer exotische Gewürze kennen.
Arabisches Monopol
Mit zunehmender Bekanntheit stieg die Nachfrage nach den pikanten Verfeinerern. Pfeffer, Zimt & Co. wachsen jedoch nicht in europäischen Ländern. Also mussten die exquisiten Waren auf langen, beschwerlichen Wegen aus Asien nach Europa gebracht werden. Das Handelsmonopol lag dabei über Jahrhunderte in den Händen der Araber. Ihr Erfolgsgeheimnis: Sie verrieten nicht, woher sie die
Entdeckte 1498 den Seeweg nach Indien: Vasco da Gama. Wenig später begannen die Araber ihren Einfluss im Gewürzhandel zu verlieren.
Gepfefferte Preise
Nicht nur für Speisen wurden die "Kräuter" in Europa genutzt. Sie dienten auch als Grundlage für Arzneimittel, oder man verwendete sie als Konservierungsstoffe. Aus diesen vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten resultierte denn auch ihr hoher Wert: Ein Schaf gegen ein Pfund Ingwer, lautete der Deal. Das seltene Pfefferkorn war sogar Zahlungsmittel für Zölle und Kriegsabgaben. "Gepfefferte Preise" - noch heute verwenden wir den Vergleich.
"Teufelskräuter"
Vor allem die italienischen Städte entdeckten mit der Erschließung neuer - aber verschlungener - Handelswege das wertvolle Gut für sich. So wurde Venedig im späten Mittelalter Zentrum des europäischen Gewürzhandels und diktierte von nun an die Preise. Dies war nicht nur eine Blütezeit für Händler - auch zahlreiche Gewürzfälscher versuchten ihr Glück. Ein gefährliches Geschäft. Denn flogen sie auf, wurden sie mitsamt ihren "Teufelskräutern" bei lebendigem Leibe verbrannt.
Eine Schote aus "Indien"
Im 15. Jahrhundert wollten auch andere Länder, etwa Spanien, bei dem gewinnbringenden Geschäft mitmischen und machten sich auf den Weg nach Indien - Hauptlieferant der edlen Gewürze. So ging Christoph Kolumbus unter anderen auf Reisen, um das Land der scharfen Kostbarkeiten zu finden. Enttäuscht kam er 1492 aus "Indien" zurück. Alles, was der große Seefahrer dort an Gewürzen gefunden hatte, war eine bis dahin unbekannte Chilischote - die später den Namen Paprika erhielt. Heute weiß man, dass Kolumbus nie im Gewürzland ankam, sondern Amerika entdeckte.
Aromatisch, scharf oder bitter? Mancher Gewürzgeruch weckt Erinnerungen.
Im Jahr 1498 war es dann geschafft. Der Portugiese Vasco da Gama segelte, um das Kap der Guten Hoffnung herum, tatsächlich nach Indien. Der direkte, wirtschaftlich günstigere Seeweg war damit endlich gefunden. Mit diversen Gewürzen beladen, legte da Gama im Lissabonner Hafen an, und Venedig verlor sein Gewürzmonopol an Portugal. Mit den Einnahmen aus Pfeffer, Nelken, Zimt und Muskat konnte das kleine Land nun seine Eroberungsreisen finanzieren.
Blutige Kämpfe
Doch auch Spanier, Holländer und Engländer machten sich auf den Weg in den Fernen Osten. Ein jahrhundertelanger und blutiger Kampf um die Kolonien entbrannte. Jeder wollte die Vorherrschaft über den Gewürzhandel. Unmengen von Zimt und Muskat wurden vernichtet, um die Preise der nun in ausreichenden Mengen vorhandenen Gewürze hoch zu halten. Bis ins Zwanzigste Jahrhundert hinein dauerten die Streitigkeiten an. Erst mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs hörte auch die Zeit der Gewürzmonopole auf.
Erstaunliches Unwissen
In beinahe allen klimatisch geeigneten Gegenden werden heute Gewürze angebaut. Ihre Bedeutung für den Welthandel ist stark gesunken, und Kriege werden deshalb ganz bestimmt nicht mehr geführt. So ist es für uns selbstverständlich, dass wir im Supermarktregal ein breites Gewürzsortiment finden. Tagtäglich verfeinern wir unsere Speisen mit Gewürzen. Umso erstaunlicher, dass wir so wenig über Gewürze wissen, über ihre Herkunft und ihre spannende Geschichte.
Susann Fischer (aktualisiert 29.11.2010)
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Vielerlei Funktionen...
haben Gewürze. Wegen ihres natürlichen Gehalts an Geruchs- und Geschmacksstoffen eignen sie sich vor allem als würzende Zutat für Lebensmittel. Aber sie können außerdem die Verdauung anregen, Keime töten oder Appetitlosigkeit entgegenwirken. Schon die alten Griechen erzielten mit Kräutern erstaunliche Heilerfolge.
So können Kümmel, Majoran oder Fenchel Magen und Darm beruhigen, Zitronenmelisse, Paprika und Pfeffer Appetit anregen. Besondere Wirkungen erzielen die Inhaltsstoffe vom Bakterienkiller Knoblauch und von Chili. Sie beugen den Herzinfarkt auslösenden Blutgerinnseln vor.
In Verruf geraten ist dagegen Zimt. Das Gewürz wird verdächtigt, Leberschäden zu verursachen. Bei empfindlichen Menschen kann eine zu hohe Konzentration des Zimt-Bestandteils Cumarin die Leber angreifen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät zum maßvollen Verzehr zimthaltiger Lebensmittel. Mehr Informationen zum Thema "Cumarin in Zimt" gibt es auf der offiziellen Website des BfR.
haben Gewürze. Wegen ihres natürlichen Gehalts an Geruchs- und Geschmacksstoffen eignen sie sich vor allem als würzende Zutat für Lebensmittel. Aber sie können außerdem die Verdauung anregen, Keime töten oder Appetitlosigkeit entgegenwirken. Schon die alten Griechen erzielten mit Kräutern erstaunliche Heilerfolge.
So können Kümmel, Majoran oder Fenchel Magen und Darm beruhigen, Zitronenmelisse, Paprika und Pfeffer Appetit anregen. Besondere Wirkungen erzielen die Inhaltsstoffe vom Bakterienkiller Knoblauch und von Chili. Sie beugen den Herzinfarkt auslösenden Blutgerinnseln vor.
In Verruf geraten ist dagegen Zimt. Das Gewürz wird verdächtigt, Leberschäden zu verursachen. Bei empfindlichen Menschen kann eine zu hohe Konzentration des Zimt-Bestandteils Cumarin die Leber angreifen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät zum maßvollen Verzehr zimthaltiger Lebensmittel. Mehr Informationen zum Thema "Cumarin in Zimt" gibt es auf der offiziellen Website des BfR.
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Würze fürs Leben
Der Film Chocolat macht es vor: ein bisschen Chili-Pfeffer in die Schokolade, etwas Schärfe gegen die Süße - und selbst der knorrigste Ehemann lässt sich verführen. Schon im alten Griechenland wurde Majoran zur Stärkung der Liebeskraft eingesetzt. Im Mittelalter galt ein Sträußchen Basilikum als Einladung zum Liebesspiel. Und Safran soll die Begierde fördern. Fast allen Gewürzen werden solche aphrodisierenden Wirkungen zugeschrieben. Angeblich garantieren sie ein erfüllteres Liebesleben.
Man muss sie dem "Opfer" auch nicht zwingend mit Schokolade verabreichen. Unterschiedlichsten Speisen und Getränken lassen sie sich beimischen, und als Duftstoffe bewährten sie sich früher schon: So soll König Salomon seine Untertanen angewiesen haben, ihre Lager mit Myrrhe und Zimt zu bestreuen, um die Liebe bis zum Morgen zu pflegen. Gewürzgerüche regen den Blutkreislauf an und bringen so die Sinne auf Trab. Für mehr "Schärfe" in Zukunft vielleicht etwas mehr Würze...
Der Film Chocolat macht es vor: ein bisschen Chili-Pfeffer in die Schokolade, etwas Schärfe gegen die Süße - und selbst der knorrigste Ehemann lässt sich verführen. Schon im alten Griechenland wurde Majoran zur Stärkung der Liebeskraft eingesetzt. Im Mittelalter galt ein Sträußchen Basilikum als Einladung zum Liebesspiel. Und Safran soll die Begierde fördern. Fast allen Gewürzen werden solche aphrodisierenden Wirkungen zugeschrieben. Angeblich garantieren sie ein erfüllteres Liebesleben.
Man muss sie dem "Opfer" auch nicht zwingend mit Schokolade verabreichen. Unterschiedlichsten Speisen und Getränken lassen sie sich beimischen, und als Duftstoffe bewährten sie sich früher schon: So soll König Salomon seine Untertanen angewiesen haben, ihre Lager mit Myrrhe und Zimt zu bestreuen, um die Liebe bis zum Morgen zu pflegen. Gewürzgerüche regen den Blutkreislauf an und bringen so die Sinne auf Trab. Für mehr "Schärfe" in Zukunft vielleicht etwas mehr Würze...



