Besser ein gutes Glas Milch? Milchpulver steckt auch schon im Fastfood drin.
Laktose für alle?
Die Zeit europäischer "Butterberge" und "Milchseen" ist vorüber. Der Konsument spürt es im Portemonnaie. Ursache teils drastisch gestiegener Preise ist die wachsende Nachfrage nach Milchprodukten vor allem auf dem chinesischen und indischen Markt. Verzehren neuerdings alle Chinesen bevorzugt Käse? Sind alle Inder plötzlich auf den Geschmack der Kuhmilch gekommen? Keineswegs. Milchpulver heißt das Zauberwort: Milchpulver prägt den westlichen Ernährungsstil wesentlich mit, welcher im Zuge der Globalisierung rasch zum weltweiten Ernährungsstil wird.Leckeres Einerlei
Milchpulver, das bedeutet Milchzucker (Laktose). Der steckt in Butter, Käse, Joghurt, Sahne und Quark - ebenso in Milchschokolade und in Backwaren, in Fertiggerichten, in Würzmischungen und Wurst, und in vielem anderen mehr. Die Faustregel hier: Je höher verarbeitet Lebensmittel sind, umso wahrscheinlicher wirkt auch Laktose mit am vom Food-Designer angestrebten "Mundgefühl". Was, da es "nur" um Milch geht (und die gilt ja als gesund), wäre dagegen einzuwenden? Was spricht gegen die Aufwertung der Milch (des Milchzuckers, der zudem billiger ist als andere Zuckerarten) zum globalen Nahrungsmittel? Warum sollten Chinesen denn Milchriegel, Joghurt und mit Milchzucker angereichertes Fastfood nicht lecker finden?
Imageaufbau
Die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Milch werden ebenso oft behauptet wie angezweifelt. Umstritten sind desgleichen die klassischen Werbebotschaften rund um die Ware Milch: "Milch macht müde Männer munter", so klang es im Deutschland der 1950er Jahre. Damals, während der Epoche des Wirtschaftswunders, baute dieser Slogan das positive Image der Milch im Kopf des deutschen Normalverbrauchers auf. Tatsächlich, Milch enthält Kalzium (rund 100 bis 150 Milligramm auf 100 Milliliter Vollmilch) und Proteine. Beides ist wichtig für die menschliche Ernährung.
Gesund - auch ohne Milch?
Dennoch ist die Rolle von Milch als angeblich unverzichtbarer Protein- und Kalziumlieferant zweifelhaft - auch, weil Kalzium zur Aufnahme in den Stoffwechsel der Zufuhr von Vitamin D bedarf. Vitamin D kommt aber in Milch nur in geringem Umfang vor. Kritiker wenden überdies ein, dass auch ohne Milchprodukte ein ausgewogener Eiweiß- und Kalziumhaushalt möglich sei.
Verweis auf Risiken
Argumente für einen unmittelbar anregenden oder leistungssteigernden Effekt des Milchgenusses - wie es der Werbeslogan und seine vielen Nachfolger suggerieren - blieben nie unangefochten. Biologisch arbeitende Mediziner vermuten sogar, dass intensiver und regelmäßiger Milchkonsum schädlich sein könnte. Sie wollen "aufräumen mit dem Mythos Milch" und verweisen auf die Risiken des Konsums von erhitztem (also minderwertigem) Eiweiß und von gesättigten Fettsäuren. Hinzu käme der Umstand, dass in roher Kuhmilch ursprünglich enthaltene Vitamine und nützliche Milchbakterien während des üblichen Pasteurisierens wirkungslos würden...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zu den Themen
| Milch | ![]() |
| Lebensmittel | ![]() |
Infobox
Die Hochleistungskuh
Milch - damit ist in Europa beinahe immer Kuhmilch gemeint. Kuhmilch stammt meist nicht schlechthin vom Rind, sondern von speziellen, intensiv auf Leistung gezüchteten Milchrindern. Damit die Leistung (sprich: die Milchmenge) bei der Kuh recht üppig gerät, erhalten Hochleistungskühe mit dem Futter mehr als das Vierfache ihres eigentlichen Energiebedarfs. Im Alter von 24 bis 32 Monaten kalben Kühe gewöhnlich zum ersten Mal. Nun, bei der Geburt des Nachwuchses, beginnt die Laktation (Milchabgabe).
Eine Woche nach dem Kalben trennt der Mensch Kalb und Kuh; die Kuh wird fortan zwei- bis dreimal täglich gemolken. Sobald es geht, ist eine erneute (meist künstliche) Besamung fällig. Neun Monate dauert die Trächtigkeit. Kurz vor dem Kalben stellt man die Kuh für rund acht Wochen trocken, zwecks Erholung des Euters. Kühe reiner Milchrassen geben pro Jahr bis zu 15.000 Kilogramm Milch.
Milch - damit ist in Europa beinahe immer Kuhmilch gemeint. Kuhmilch stammt meist nicht schlechthin vom Rind, sondern von speziellen, intensiv auf Leistung gezüchteten Milchrindern. Damit die Leistung (sprich: die Milchmenge) bei der Kuh recht üppig gerät, erhalten Hochleistungskühe mit dem Futter mehr als das Vierfache ihres eigentlichen Energiebedarfs. Im Alter von 24 bis 32 Monaten kalben Kühe gewöhnlich zum ersten Mal. Nun, bei der Geburt des Nachwuchses, beginnt die Laktation (Milchabgabe).
Eine Woche nach dem Kalben trennt der Mensch Kalb und Kuh; die Kuh wird fortan zwei- bis dreimal täglich gemolken. Sobald es geht, ist eine erneute (meist künstliche) Besamung fällig. Neun Monate dauert die Trächtigkeit. Kurz vor dem Kalben stellt man die Kuh für rund acht Wochen trocken, zwecks Erholung des Euters. Kühe reiner Milchrassen geben pro Jahr bis zu 15.000 Kilogramm Milch.




