Spaghetti-Esser in Italien um 1886: Einst rare Delikatesse, wandelte sich die Nudel Anfang des 18. Jahrhunderts zu Italiens Leibgericht. (Bild: Giorgio Sommer)
Der Urnudel auf der Spur
Die kleine Pizzeria an der Ecke ist gut besucht - so wie jeden Samstagabend. Kein Tisch, der nicht besetzt wäre, ist doch der Maestro berühmt für seine hausgemachte Pasta. Ob Spaghetti alla Sicilia, Tortellini alla Panna oder Tagliatelle alla Capriciosa - die Speisekarte gleicht einer kulinarischen Rundreise durch Italien, denn Nudeln wecken Assoziationen mit dem südlichen Urlaubsland, mit Sommer, Sonne und Dolce Vita.Streit um die Nudel
Fast scheint es, als besäßen die Italiener das Patent auf die Nudel, immerhin gehören Spaghetti & Co. zu Italien wie Leberkäs zu Bayern oder Bratwurst zu Thüringen. Dabei ist es mehr als ungewiss, woher die Nudel wirklich stammt, denn Araber und Chinesen wollen ebenfalls die ersten gewesen sein, die das Rezept für die leckere Teigware erfunden haben. Selbst wenn Italien unbestrittener Pastakönig ist - im Streit um die Urnudel hat China momentan die Nase vorn.
Steinzeitspaghetti
Grund für den Vorsprung ist der Fund eines chinesischen Archäologenteams im Jahr 2005. Bei Ausgrabungen am Ufer des Gelben Flusses im Nordwesten Chinas fanden Wissenschaftler unter einer drei Meter dicken Sedimentschicht einen viertausend Jahre alten versiegelten Steinguttopf mit gut erhaltenen, spaghettiähnlichen Nudeln. Genauso alt ist ein ebenfalls in China gefundenes, auf Pergament geschriebenes Rezept, das zu Hühnerfleisch die Beigabe von Nudeln aus Weizenmehl, Eiern und Wasser empfiehlt. Nudelsuppe kannte also schon der Steinzeitmensch - jedenfalls im Reich der Mitte.
Marcos Mitbringsel
Erst der Venezianer Marco Polo soll es gewesen sein, der die Nudel nach Italien importierte, als er 1295 von seiner legendären Chinareise zurückkehrte. Allerdings darf diese Version bezweifelt werden. Denn schon auf etruskischen Grabreliefs aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. gibt es Abbildungen von Mehlsack, Nudelholz und Teigrädchen. Mit den Bildern wollten die Etrusker ihren Verstorbenen scheinbar die Herstellung der schmackhaften Teigwaren im nächsten Leben möglich machen.
Pastazubereitung im Mittelalter: auf Holzrahmen trockneten Köchinnen ihre frisch zubereiteten Spaghetti.
Als die Kultur der Etrusker um 100 v. Chr. im Imperium Romanum aufging, lernten auch die Römer die Nudel zu lieben. Der Dichter Horaz (65 bis 8 v. Chr.) schlemmte gern dünne, aus Mehl und Wasser bereitete Streifen, die er lagane nannte und am liebsten mit Lauch und Kichererbsen aß. War das Gericht Vorläufer der heutigen Lasagne? Ein ähnliches Gericht gibt es auch im ältesten überlieferten Kochbuch der Welt, geschrieben von dem bekennenden Feinschmecker Apicius im Jahre 25 v. Chr. Könnte das Geburtsland der Nudel vielleicht doch Italien sein?
Al-Idrisis getrockneter Teig
Eine weitere Theorie besagt, dass die Araber die eigentlichen "Geburtshelfer" waren. Noch vor den Italienern wollen sie das Geheimnis von der Zubereitung der Nudel gekannt haben. In Italien verbreiteten sich die Teigwaren angeblich nur, weil die Araber im Jahr 827 Sizilien besetzten. Unter ihrer zweihundertjährigen Herrschaft entwickelte sich Palermo zur bedeutendsten Stadt Siziliens. Hier wurden laut Reisebericht des arabischen Geographen Al-Idrisi schon 1154 - also fast anderthalb Jahrhunderte vor Marco Polo - lange, getrocknete Teigfäden hergestellt und in viele Länder exportiert...
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