Deutschlands süßes Herz
Lange blieb Schokolade reines Luxusgut. Dann aber setzte die moderne Industrie neue Akzente: Schokolade für jedermann! Großen Anteil daran hatten zwei innovative Dresdner Unternehmer.Vieles zeichnet Dresden aus: Die wunderschöne Barockstadt an der Elbe ist bekannt für ihren Zwinger, das Stadtschloss, die Brühlsche Terrasse. Schlösser und Villen schmücken die Hänge des sanft geschwungenen Elbtals, das Dresden in zwei durch viele Brücken verbundene Hälften teilt. Heute ist die Landeshauptstadt politisches und kulturelles Zentrum Sachsens.
Hauptstadt der Schokolade
Weniger bekannt ist, dass Dresden um 1900 der bedeutendste Standort der Schokoladenproduktion in ganz Deutschland war. In keiner anderen Stadt gab es zu dieser Zeit so viele leistungsstarke Produzenten von Schokosüßwaren wie hier. Die Entwicklung der Dresdner Süßwarenindustrie ging Hand in Hand mit dem Aufstieg des Dresdner Bürgertums, das die schrittweise Aufhebung von Zoll- und Handelsschranken entscheidend vorantrieb.
Bevor sich mit Schokolade Geld verdienen ließ, musste sich das exotische Kakaoprodukt allerdings erst mal am Markt etablieren. Bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts war Schokolade ein Luxusgut, das nur reiche Adlige kaufen konnten. Dafür verwendete mexikanische Kakaobohnen, die hauptsächlich zu Trinkschokolade verarbeitet wurden, kosteten schon beim Import immense Summen. Ihr herber Geschmack war zudem ungewohnt und wurde mit Rohrzucker oder Honig versüßt. Auch diese beiden Naturstoffe waren für das einfache Volk unerschwinglich.
Kometenhafter Aufstieg
Doch das sollte sich ändern. 1823 gründeten der aus Hasserode im Harz stammende Kaufmann Gottfried Heinrich Christoph Jordan und sein von Hannover nach Dresden zugewanderter Teilhaber August Friedrich Christian Timaeus die Zichorienfabrik Jordan & Timaeus. Die Geschichte von Jordan & Timaeus steht exemplarisch für den kometenhaften Aufstieg zahlreicher Dresdner Süßwarenfabrikanten.
Begonnen wurde bei Jordan & Timaeus mit der Herstellung von uns heute fremdartig anmutenden, aber damals weit verbreiteten Kaffee-Ersatzprodukten: Runkelrüben-, Möhren-, Eichel- und Zichorienkaffee. Das Geschäft lief gut, so dass im Jahre 1828 eine erste Dampfmaschine angeschafft wurde - sie ersetzte das Zermahlen der Bohnen von Hand. Bald darauf hatte die Firma erstmals "Dampfchocolade und Cacaoware" im Sortiment.
Saubere Produktion
Mit der Erweiterung ihrer Produktpalette riskierten die beiden findigen Kaufleute viel, denn Schokolade war für breite Massen noch ein unbekanntes Produkt. Aufklärung tat not. Wortreich wurde in Anzeigen auf die nährende und stärkende Wirkung hingewiesen und um Vertrauen geworben bezüglich der "besonderen Sauberkeit der Produktion". Ein Pfund "feinste Chocolade" kostete damals stolze 16 Groschen.
Der Durchbruch gelang mit einer Produktinnovation, die in die Annalen der Schokoladenindustrie einging: 1839 entwickelten Jordan & Timaeus - noch vor den Schweizern - die Milchschokolade. Damit wurden Schmelz und Geschmack entscheidend verbessert, die Verarbeitung gestaltete sich effektiver und preiswerter und nicht zuletzt ließ sich diese Schokolade in jede beliebige Form gießen. "Ein Thaler pro Pfund" war damals für Milchschokolade zu zahlen.
Steigende Nachfrage
Dank des neuen Herstellungsverfahrens war Schokolade nun als Genussmittel etabliert. Verbesserte Produktion mit stetig steigenden Stückzahlen ließ die Preise fallen. Immer mehr Menschen konnten sich das "braune Gold" leisten und auf der Zunge zergehen lassen. Und sie wollten immer mehr davon. Die Nachfrage nach Schokolade wuchs...
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Erfindungen rund um die Schokolade
Seit ihrem Siegeszug im Europa des 17. Jahrhunderts haben sich zahlreiche Konditoren und Tüftler der Schokolade gewidmet. Ihr Ziel war, aus der sandig schmeckenden, krümeligen Masse ein zart schmelzendes Produkt herzustellen, wie es auch heute beliebt ist.
Den Anfang wegweisender Erfindungen machte der Schweizer Philippe Suchard; er erfand 1826 den Mélangeur, ein Gerät, das mit sich drehenden Granitwalzen die Kakaomasse geschmeidig rühren sollte. Das Endergebnis war jedoch noch recht brüchig und krümelig.
Einen Durchbruch in der Schokoladenherstellung schaffte 1828 der Holländer Coenraad Johannes van Houten mit einer Presse zur Trennung von Kakaomasse und Kakaobutter. Die so entstandene Trockenmasse ließ sich durch ihren geringen Fettgehalt leichter in Wasser lösen und machte den Trinkkakao bekömmlicher.
1879 schließlich entwickelte der Schweizer Rodolphe Lindt das Conchierverfahren: In einem erwärmten Granitbecken bewegen zwei Walzen die Schokoladenmasse hin und her, wobei sie den Kakao am Rand des Beckens hochschlagen lassen. So wird der Schokolade Feuchtigkeit entzogen, die sonst für Kristallbildung und sandigen Geschmack der Schokoladenmasse gesorgt hätte.
Das Conchierverfahren dauerte damals bis zu neunzig Stunden, doch das Resultat von Lindts Erfindung verblüffte: Erstmals war eine glänzende, geschmeidige Schokoladenmasse entstanden, die sich in jede beliebige Form gießen ließ und bis heute höchsten Genuss bereitet.
Seit ihrem Siegeszug im Europa des 17. Jahrhunderts haben sich zahlreiche Konditoren und Tüftler der Schokolade gewidmet. Ihr Ziel war, aus der sandig schmeckenden, krümeligen Masse ein zart schmelzendes Produkt herzustellen, wie es auch heute beliebt ist.
Den Anfang wegweisender Erfindungen machte der Schweizer Philippe Suchard; er erfand 1826 den Mélangeur, ein Gerät, das mit sich drehenden Granitwalzen die Kakaomasse geschmeidig rühren sollte. Das Endergebnis war jedoch noch recht brüchig und krümelig.
Einen Durchbruch in der Schokoladenherstellung schaffte 1828 der Holländer Coenraad Johannes van Houten mit einer Presse zur Trennung von Kakaomasse und Kakaobutter. Die so entstandene Trockenmasse ließ sich durch ihren geringen Fettgehalt leichter in Wasser lösen und machte den Trinkkakao bekömmlicher.
1879 schließlich entwickelte der Schweizer Rodolphe Lindt das Conchierverfahren: In einem erwärmten Granitbecken bewegen zwei Walzen die Schokoladenmasse hin und her, wobei sie den Kakao am Rand des Beckens hochschlagen lassen. So wird der Schokolade Feuchtigkeit entzogen, die sonst für Kristallbildung und sandigen Geschmack der Schokoladenmasse gesorgt hätte.
Das Conchierverfahren dauerte damals bis zu neunzig Stunden, doch das Resultat von Lindts Erfindung verblüffte: Erstmals war eine glänzende, geschmeidige Schokoladenmasse entstanden, die sich in jede beliebige Form gießen ließ und bis heute höchsten Genuss bereitet.





