Trank der Götter
Seit dem 17. Jahrhundert trinken Europäer Kakao, meist mit Zucker oder Honig gesüßt. Anderswo ist Schokolade schon seit mehr als drei Jahrtausenden bekannt.Gepresste Schokolade aus Mexiko: Unter den Mayas und Azteken war es allerdings üblich, Trinkschokolade zu genießen.
Göttliches Geschenk
Die Tolteken (Blütezeit 900 bis 1100 n. Chr.) glaubten, dass Quetzalcoatl - Gott des Windes und des Mondes - ihnen die Kakaobohnen geschickt hätte, zusammen mit dem Wissen, wie Xocoatl zubereitet wird. Als Getränk der Götter war Kakao bei den Mayas, den Tolteken und der folgenden Hochkultur der Azteken (Blütezeit 1200 n. Chr.) ausschließlich dem Adel, geistlichen Würdenträgern, Händlern und Soldaten vorbehalten.
Der Wert der rötlichen Bohnen war so hoch, dass sie sogar als Währung galten. Allein in der Schatzkammer von Montezuma - dem letzten Aztekenkönig - sollen eine Milliarde Kakaobohnen gelagert haben. Hundert davon reichten, um einen Sklaven zu kaufen. Auch die Spanier, die das Aztekenreich um 1509 eroberten, nutzten Kakaobohnen als Zahlungsmittel. Für 200 Bohnen bekam man einen Truthahn; eine Tomate entsprach einer Kakaobohne. Da Währungen beliebte Fälschungsobjekte sind, wurden gelegentlich aus minderwertigen Sorten mit Hilfe von Wasser und Farbe hochwertige Kakaobohnen gemacht. Die edelsten Exemplare waren aschgrau und fahlrot.
Eher für Schweine
Als Zahlungsmittel akzeptierten die neuen Herren die Kakaobohnen. Aber als Getränk lehnten die Spanier den Indianer-Kakao ab. Ihnen war er zu bitter und zu scharf. Dennoch fand der Trank seinen Weg nach Europa: 1544 überreichten Dominikanermönche unter Führung von Bartolomé de la Casas und eine Abordnung adliger Mayas dem spanischen Prinzen Phillip Gefäße mit geschlagener Schokolade. 1575 schrieb Girolamo Benzoni, ein italienischer Reisender, über den Trunk: "Es schien eher ein Getränk für Schweine zu sein, als für die Menschheit".
Maria Theresia von Spanien (1638-1683), seit 1660 Gattin des französischen Königs Ludwig XIV., trank sehr gern Schokolade. (Bild: Charles Beaubrun)
Süße Medizin
Von Königs- und Fürstenhäusern bis hin zu Klöstern - sie alle tauschten das Wissen um die Trinkschokolade über Grenzen hinweg aus. In England und Deutschland fand Schokolade schon bald in Kaffeehäusern und Schokoladenstuben Anklang. Dem Genuss von Schokolade wurde sogar eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Ärzte verschrieben das schmackhafte Getränk daher als "gesundheitsförderndes Gewürz", das "die Fleischeslust anregt und die Verdauung unterstützt."
Ein kleiner Stolperstein hielt den Siegeszug der Schokolade allerdings etwas auf: Die Katholiken stritten sich lange Zeit darüber, ob Schokolade nun ein Getränk oder eine Speise sei, denn als Speise hätte sie während der Fastenzeit nicht gegessen werden dürfen. Doch die Päpste, die das Problem zu entscheiden hatten, waren wohl selbst Schokoladenliebhaber. Für sie war die Schokolade ein Getränk und durfte deshalb unbegrenzt genossen werden. Der süßen Versuchung konnte eben keiner widerstehen.
Christiane Nienhold/Yvonne Schmidt (aktualisiert 17.11.2011)
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Schokolade | ![]() |
Infobox
Geschmacksexperimente
Schon die Mayas wussten eine schmackhafte Tasse Kakao zu schätzen: Die gerösteten und zerstoßenen Samen der Kakaopflanze galten mit Wasser vermischt und erwärmt als Rauschmittel und Göttertrank. Besonders beliebt war der Kakaoschaum: Den gewannen die Mayas, indem sie die Kakaobrühe aus Schulterhöhe in eine Schale gossen.
Die südamerikanischen Hochkulturen liebten ihren Kakaotrunk allerdings nicht süß, wie wir ihn heute kennen, sondern herb und würzig: Chilipfeffer war besonders gefragt, auch Mais oder Paprika mischten sie dem Kakao bei.
Diesen bitteren und scharfen Geschmack mochte aber nicht jeder: In Europa hatte der Kakao erst Erfolg, als er mit Honig oder Rohrzucker gesüßt wurde. Europaweit fügten Experimentierfreudige dem Getränk verschiedene Aromastoffe zu: Jasmin, Amber, Vanille oder Zitronenschale. Auch Rosenblätter, Anis oder Nüsse wurden zum Kakao gegeben.
Heute noch sind aromatisierte Schokoladen beliebt, Chili und Meersalz liegen im Trend, Nougat und Marzipan sind längst zum Klassiker geworden. Je nach Jahreszeit erscheinen Saisonaromen auf dem Schokoladenmarkt, wie Erdbeeren im Sommer oder Zimt zur Weihnachtszeit.
Schon die Mayas wussten eine schmackhafte Tasse Kakao zu schätzen: Die gerösteten und zerstoßenen Samen der Kakaopflanze galten mit Wasser vermischt und erwärmt als Rauschmittel und Göttertrank. Besonders beliebt war der Kakaoschaum: Den gewannen die Mayas, indem sie die Kakaobrühe aus Schulterhöhe in eine Schale gossen.
Die südamerikanischen Hochkulturen liebten ihren Kakaotrunk allerdings nicht süß, wie wir ihn heute kennen, sondern herb und würzig: Chilipfeffer war besonders gefragt, auch Mais oder Paprika mischten sie dem Kakao bei.
Diesen bitteren und scharfen Geschmack mochte aber nicht jeder: In Europa hatte der Kakao erst Erfolg, als er mit Honig oder Rohrzucker gesüßt wurde. Europaweit fügten Experimentierfreudige dem Getränk verschiedene Aromastoffe zu: Jasmin, Amber, Vanille oder Zitronenschale. Auch Rosenblätter, Anis oder Nüsse wurden zum Kakao gegeben.
Heute noch sind aromatisierte Schokoladen beliebt, Chili und Meersalz liegen im Trend, Nougat und Marzipan sind längst zum Klassiker geworden. Je nach Jahreszeit erscheinen Saisonaromen auf dem Schokoladenmarkt, wie Erdbeeren im Sommer oder Zimt zur Weihnachtszeit.



