Fisch fürs Auge
24 Millionen Liter Wasser, über 100.000 Fische und beinahe ebenso viele Pflanzen - das Georgia Aquarium in Atlanta ist das größte der Welt. Doch liegt die wahre Kunst der Aquaristik nicht jenseits aller Größenrekorde?Sie sind Schauobjekte - aber auch schützenswertes Leben: Aquarienfische. Wo setzt die Aquaristik ihre Prioritäten?
Alles für den Fisch?
Neben dem Absatz von Futter und Zubehör verzeichnet die Branche auch einen stetigen Bedarf an bunten Dekorsanden, funkelnden Schatztruhen, "versunkenen" Plastikgebäuden - oder gleich kompletten Designersets, bei denen die Wassergefäße mit ihrem belebten Inhalt an den Stil des unbelebten Mobiliars angepasst sind. Das verwundert nicht nur Tierschützer: Worum geht es dabei eigentlich? Ist das Hobby nur Spielerei - das Aquarium ein Accessoire für den Wohnraum, wie Brenngelkamin und Display-Painting?
Blickfang Wasserwelt
Etwas fürs Auge, ein Höhepunkt der Schaulust, war die Aquaristik seit je. Das erste Rundaquarium, eine Art 360-Grad-Rundkino, öffnete auf der Pariser Weltausstellung 1867. Dank riesiger Glaswände auch an der Decke des höhlenartigen Raumes, erlebten Besucher eine virtuelle Wasserwelt - als befänden sie sich selbst am Meeresgrund.
Klassische Anfängersets wie dieses täuschen darüber hinweg, dass Aquarien kein bloßes Dekorationselement für Wohnräume sind.
Ein Problem solcher Großaquarien war, dass die Pflege ihrer Schauobjekte enormen Aufwand verlangte, der die technischen Möglichkeiten jener Epoche überstieg. Oft überlebten Fische und andere Lebewesen die Umstellung auf den künstlichen Lebensraum nicht und mussten schon nach kurzer Zeit ausgetauscht werden. Dieser sozusagen tödliche Verschleiß widersprach allerdings dem Grundgedanken der Aquaristik.
Leben statt Sterben
Als der Naturforscher Philip Henry Gosse zu Beginn der 1850er Jahre das erste Aquarium einrichtete, beabsichtigte er nämlich, darin Meerespflanzen und -tiere aufzubewahren. Schnecken, Muscheln, Anemonen und Algen, die der Brite an seiner heimatlichen Küste sammelte, sollten in dem Glasbecken weiterleben, damit er sie in Ruhe studieren konnte. Wegen des hohen Pflegeaufwands betrachtete Gosse das Behältnis bald als kleine Arche Noah - Simulation der natürlichen Meereswelt und Ort ihrer Fortexistenz.
Sumatrabarben sind besonders als Schwarm ein schöner Anblick. Doch für ihre artgerechte Haltung reichen kleine Aquarien nicht aus.
Auch der deutsche Naturkundler Emil Adolf Roßmäßler beschäftigte sich während der 1850er Jahre damit, Wasserlebewesen in kleinen Glaskästen zu halten. Im Unterschied zu Gosse entnahm er sie Binnengewässern. Nach seiner Vorstellung konnten "die Seen im Glase" vor allem zur naturwissenschaftlichen Belehrung breiter Volksmassen dienen.
Rasche Popularität
Gosse und Roßmäßler machten die Aquaristik ab 1858 über die Grenzen Großbritanniens und Deutschlands hinaus populär. Die frühen Freizeit-Aquarianer schlüpften voller Begeisterung in die Schöpferrolle, die sich ihnen bei der Einrichtung und Pflege bot: Je nachdem, welche Wassertiere sie kombinierten, konnten sie das Gedeihen im Glasgefäß fördern oder es in ein Schlachtfeld verwandeln...
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Schauaquarien...
erfreuten sich besonders um die Mitte des 19. Jahrhunderts weltweiter Beliebtheit. Wie das 1853 eröffnete Londoner Fish House und das Grand Aquaria in Boston entsprachen sie anfangs allerdings eher gewöhnlichen Ausstellungshallen, in denen die Besucher mehrere dicht aneinander gereihte Becken bewundern konnten.
Das 1860 fertig gestellte Aquarium im Pariser Jardin d’acclimatation war das erste begehbare seiner Art: Ein langer überdachter Gang, den zu beiden Seiten Glasbecken flankierten. Der französische Publizist Arthur Mangin lobte den Bau als "Theater ... des unterseeischen Lebens in seiner Wirklichkeit".
Gegen Ende der 1860er Jahre begann die Ära der Rund- oder Grottenaquarien. In New York, London, Wien, Hamburg oder Berlin entstanden jetzt Nachbauten und Weiterentwicklungen des Pariser Modells. Das großstädtische Bürgertum ließ sich von Unterwasserlandschaften faszinieren, so wie es alternativ auch die großen Panorama-Gemälde aufsuchte. Es war das Zeitalter der dunklen Kabinette, in denen man dank visueller Tricks in ferne Realitäten eintauchen konnte.
Moderne Schauaquarien, ob in Lissabon, Rotterdam oder Atlanta, haben meist einen gänzlich anderen Effekt: Sie versetzen ihre Besucher in eine Wasserwelt, die in ihrer Artenvielfalt und Lebenspracht leider nicht mehr der Realität entspricht.
erfreuten sich besonders um die Mitte des 19. Jahrhunderts weltweiter Beliebtheit. Wie das 1853 eröffnete Londoner Fish House und das Grand Aquaria in Boston entsprachen sie anfangs allerdings eher gewöhnlichen Ausstellungshallen, in denen die Besucher mehrere dicht aneinander gereihte Becken bewundern konnten.
Das 1860 fertig gestellte Aquarium im Pariser Jardin d’acclimatation war das erste begehbare seiner Art: Ein langer überdachter Gang, den zu beiden Seiten Glasbecken flankierten. Der französische Publizist Arthur Mangin lobte den Bau als "Theater ... des unterseeischen Lebens in seiner Wirklichkeit".
Gegen Ende der 1860er Jahre begann die Ära der Rund- oder Grottenaquarien. In New York, London, Wien, Hamburg oder Berlin entstanden jetzt Nachbauten und Weiterentwicklungen des Pariser Modells. Das großstädtische Bürgertum ließ sich von Unterwasserlandschaften faszinieren, so wie es alternativ auch die großen Panorama-Gemälde aufsuchte. Es war das Zeitalter der dunklen Kabinette, in denen man dank visueller Tricks in ferne Realitäten eintauchen konnte.
Moderne Schauaquarien, ob in Lissabon, Rotterdam oder Atlanta, haben meist einen gänzlich anderen Effekt: Sie versetzen ihre Besucher in eine Wasserwelt, die in ihrer Artenvielfalt und Lebenspracht leider nicht mehr der Realität entspricht.
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Aufwändiges Hobby
Dass sich die Pioniere der Aquaristik vor allem der Erforschung von Meereslebewesen verschrieben, mag auf den ersten Blick nahe liegend erscheinen. Der Reiz, ein Stück Meer nach Hause zu holen, ist eben groß.
Noch heute ist die Meerwasseraquaristik sowohl technisch als auch finanziell aufwändig: Die Haltung von Kaiserfischen, Doktorfischen, Korallen und Krebsen setzt die Aufbereitung von Leitungswasser mit einem Meersalzgemisch voraus. Außerdem sind Geräte wie Strömungspumpen, Beleuchtungen und Filter regelrechte Stromfresser.
Die populärere Süßwasseraquaristik kommt mit weniger Technik, kleineren Becken und geringeren Unterhaltskosten aus. Diese Vorteile sollten Einsteiger jedoch nicht über den Pflegeaufwand hinwegtäuschen. Jedes Aquarium ist ein sensibles Ökosystem, das auf geringste Veränderungen reagiert.
Für die Haltung von Zierfischen gibt es deshalb Richtlinien, die 1998 in einem Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fixiert wurden.
Dass sich die Pioniere der Aquaristik vor allem der Erforschung von Meereslebewesen verschrieben, mag auf den ersten Blick nahe liegend erscheinen. Der Reiz, ein Stück Meer nach Hause zu holen, ist eben groß.
Noch heute ist die Meerwasseraquaristik sowohl technisch als auch finanziell aufwändig: Die Haltung von Kaiserfischen, Doktorfischen, Korallen und Krebsen setzt die Aufbereitung von Leitungswasser mit einem Meersalzgemisch voraus. Außerdem sind Geräte wie Strömungspumpen, Beleuchtungen und Filter regelrechte Stromfresser.
Die populärere Süßwasseraquaristik kommt mit weniger Technik, kleineren Becken und geringeren Unterhaltskosten aus. Diese Vorteile sollten Einsteiger jedoch nicht über den Pflegeaufwand hinwegtäuschen. Jedes Aquarium ist ein sensibles Ökosystem, das auf geringste Veränderungen reagiert.
Für die Haltung von Zierfischen gibt es deshalb Richtlinien, die 1998 in einem Gutachten des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fixiert wurden.



