Gut im Geschäft: Damit morgens ein Brot nach dem anderen über die Theke gehen kann, muss der Bäcker früh aufstehen.
Semmeln, Brot, Gebäck und Kuchen
Außerdem gab es Marmelade, Bohnenkaffee, Butter, Wein und Schnaps, Mehl, Zucker, Salz und Graupen, aber auch Schokolade und Bonbons für Süßmäuler. Die Kleinen liebten am meisten die leckeren Mollis für fünf Pfennige. War der erste Schub Semmeln raus, schob Horst die Brote in den Ofen, die er gegen elf Uhr knusprig braun gebacken mit dem Schieber wieder herausholte. Fünfzig bis siebzig Dreipfünder buk er so täglich. Zwischendurch musste immer wieder das Feuer erneuert werden. Nach Semmeln und Brot waren das Gebäck und der Kuchen dran. Muskeln waren die wichtigste Arbeitskraft in der Backstube. Nur den Teig bearbeitete seit 1925 eine Drehhebelknetmaschine vor.
200 Ostmark für die Ehefrau
Der Verdienst für so viel Arbeit war gering: Weniger als 600 Ostmark sah der Leichtindustrietarif der DDR für Bäcker vor. Eigenständig bestimmen durfte der Selbstständige nicht über sein Gehalt. Niemand sollte mehr verdienen als in der volkseigenen Industrie. Für die mithelfende Ehefrau gab es nur 200 Ostmark, trotz der knapp 60-Stunden-Arbeitswoche. Den Rest des Umsatzes kassierte der Fiskus.
Fünf Stunden Nachtruhe
War das Tagwerk in der Bäckerei getan, wartete schon die kleine Landwirtschaft, die zum Haushalt gehörte. 1945 hatte Vater Paul einen Garten am Ort gekauft, "damit, wenn der Horst mal heiratet, die junge Frau was zu tun hat", hieß damals seine Begründung. Zum Garten gehörten zwei Wiesen, ein Rüben- und Kartoffelacker, Obstbäume und -sträucher sowie Gemüsebeete. Hier wurde alles angebaut, was entweder in dem Vier-Generationen-Haushalt auf den Tisch kam, oder was man für diverse Kuchenbeläge sowie die Fütterung von zwei hauseigenen Ochsen, zwei Schweinen und mehreren Hühnern brauchte. Ruhe kehrte erst gegen zehn Uhr abends ein, bis zum nächsten Morgen um halb drei.
Christiane Nienhold/Yvonne Schmidt (aktualisiert 02.12.2009)
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Erwin Strittmatters "Der Laden"
"Teig kneten, Brot backen, es den Leuten verkaufen - war's das, was ich mir wirklich wünschte? War's das für ein Leben lang?" Für den Bäckergesellen Erwin Strittmatter (1912 bis 1994) aus Bohnsdorf in der Lausitz lautete die Antwort: Nein. Lieber verdingte sich der begabte junge Mann als Lokal-Redakteur der Märkischen Volksstimme. 1952 machte sich Strittmatter als Schriftsteller selbstständig.
Die Ideen für seine Arbeiten bezog er aus seiner ländlichen Herkunft. Und mit der Roman-Trilogie Der Laden setzte er seiner Familie ein Denkmal. Mittelpunkt der Erzählung ist das Bäckereianwesen mit Ladengeschäft in Bossdom. Hier wächst Esau Matt Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts als Sohn des Bäckermeisters Heinrich und seiner Frau Lehnchen auf.
Mit Hilfe eines Gucklochs zwischen Backstube und Verkaufsraum beobachtet der kleine Esau das Treiben in dem mit Regalen vollgestellten Laden. Die sind bestückt mit Dreipfundbroten, vierteiligen Semmeln, Schokoladentafeln und Bonbongläsern, Maggi und Zigarettenschachteln - eben allem, was die Landgemeinde zum Leben so braucht. Nebenbei sieht und hört Esau die langweiligen und aufregenden Geschichten, die jeder Dorfbewohner zu erzählen hat. Der Laden ist ein Kaleidoskop deutscher Geschichte, von der Weimarer Republik bis in die Zeit der DDR.
"Teig kneten, Brot backen, es den Leuten verkaufen - war's das, was ich mir wirklich wünschte? War's das für ein Leben lang?" Für den Bäckergesellen Erwin Strittmatter (1912 bis 1994) aus Bohnsdorf in der Lausitz lautete die Antwort: Nein. Lieber verdingte sich der begabte junge Mann als Lokal-Redakteur der Märkischen Volksstimme. 1952 machte sich Strittmatter als Schriftsteller selbstständig.
Die Ideen für seine Arbeiten bezog er aus seiner ländlichen Herkunft. Und mit der Roman-Trilogie Der Laden setzte er seiner Familie ein Denkmal. Mittelpunkt der Erzählung ist das Bäckereianwesen mit Ladengeschäft in Bossdom. Hier wächst Esau Matt Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts als Sohn des Bäckermeisters Heinrich und seiner Frau Lehnchen auf.
Mit Hilfe eines Gucklochs zwischen Backstube und Verkaufsraum beobachtet der kleine Esau das Treiben in dem mit Regalen vollgestellten Laden. Die sind bestückt mit Dreipfundbroten, vierteiligen Semmeln, Schokoladentafeln und Bonbongläsern, Maggi und Zigarettenschachteln - eben allem, was die Landgemeinde zum Leben so braucht. Nebenbei sieht und hört Esau die langweiligen und aufregenden Geschichten, die jeder Dorfbewohner zu erzählen hat. Der Laden ist ein Kaleidoskop deutscher Geschichte, von der Weimarer Republik bis in die Zeit der DDR.




