Weiße Gefahr
Eben noch lag der Hang still und einsam da, die Schneedecke glitzerte in der Sonne. Im nächsten Moment setzt ein lautes Krachen und Dröhnen ein und Tonnen von Schnee stürzen unaufhaltsam gen Tal.Die Schichtenbildung des Schnees ist die Grundlage einer Lawine: Schnee besteht aus Eiskristallen verschiedener Form und Größe. Fällt im Winter Schnee, legen sich die einzelnen Kristalle aufeinander und bilden die Schneedecke. Jeder Schneefall erzeugt dabei eine neue Schneedecke.
Wie Kugellager
Durch Temperaturschwankungen verändern sich die Schneekristalle im Innern der Decke: sie vereisen und verhärten, schmelzen und verklumpen und bleiben dabei immer in Bewegung. Vor allem in den unteren Lagen entstehen körnige Schneeklumpen. Wenn es dann zu einer plötzlichen Erwärmung kommt, Neuschnee darauf fällt oder anderweitig Druck ausgeübt wird, wirken diese Schichten wie Kugellager, auf denen der Neuschnee ins Rutschen geraten kann.
Steil, schattig, kammnah
Zahlreiche Faktoren begünstigen die Lawinenbildung. Von Bedeutung sind Bodenbeschaffenheit, Aufbau der Schneedecke, Neuschneemenge, Hangneigung, Temperatur, Wind und Sonneneinstrahlung. In der Regel gilt: Der typische Lawinenhang ist steil, schattig, kammnah und voller Triebschnee. Lawinen können bereits von kleinsten Erschütterungen oder Geräuschen, wie zum Beispiel Schneebällen oder Rufen, ausgelöst werden. An gefährdeten Hängen genügt schon das Gewicht eines Skifahrers. Wegen der Vielzahl der auslösenden Faktoren ist es nicht möglich, Lawinenabgänge exakt vorauszusagen.
Lawine im Zillertal: Ein Snowboarder hat versehentlich ein Schneebrett ausgelöst und versucht nun, ihm zu entkommen.
Lawinen werden durch die Art des Anrisses, die Lage der Gleitfläche und die Form ihrer Bewegung unterschieden. Die typische Touristen- oder Skifahrerlawine ist das Schneebrett: Entlang einer scharfen Kante bricht eine feste, vom Wind gepresste Schneefläche ab und gleitet auf der darunter liegenden weichen Schneeschicht mit rund achtzig Stundenkilometern talwärts. Der weiche und luftige Schnee umhüllt das Opfer, schiebt sich unter die Kleidung, in Mund und Ohren. Nach dem Stillstand verdichtet sich der Schnee sofort - Verschüttete können sich nicht mehr rühren.
Hunderttausende Kubikmeter
Andere Lawinenformen sind die Staub-, die Fließ-, die Eis- und die Lockerschneelawine. Darüber hinaus gibt es noch zahlreiche Mischformen. Schon bei einer Schneedecke von gut zwei Metern können Lawinen ein Volumen von mehreren hunderttausend Kubikmetern erreichen. Mit Geschwindigkeiten von bis zu dreihundert Stundenkilometern zerstören sie alles, was sich ihnen in den Weg stellt.
Jedes Jahr sterben in der Alpenregion rund hundert Menschen bei Lawinenunglücken, die meisten von ihnen sind Wintersportler. Snowboarder und Tiefschneefahrer, die sich außerhalb gesicherter Pisten bewegen, sind besonders gefährdet - und häufig sogar für Lawinenabgänge verantwortlich: 95 Prozent der verschütteten Wintersportler haben die Lawine, deren Opfer sie geworden sind, selbst ausgelöst...
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Aktuelle Lawinenlageberichte und -bulletins bilden die Grundlage für den sicheren Ausflug in die verschneite Winterwelt: Bergwacht und Lawinenwarndienste analysieren regelmäßig den Zustand der Schneedecke und informieren über Gefahrenzonen. Mit der Europäischen Gefahrenskala für Lawinen werden Hänge nach Gefahrenstufen von 1 bis 5 bewertet. Bei Stufe 1 ist die Gefahr, dass sich eine Lawine löst, gering. Bei Stufe 5 ist die Gefahr sehr groß, Skitouren sind dann im Allgemeinen nicht mehr möglich.



