Leidenschaft Camping
Manfred Köhler aus Leipzig macht seit dreißig Jahren Urlaub nach dem Wetterbericht. Was ihn am Camping so fasziniert, darüber berichtet der Mitbegründer des Campingclub Leipzig.1971 war Manfred Köhler das erste Mal als Reisecamper unterwegs - gemeinsam mit seiner Familie. Bis auf einen Auslandsbesuch bei Verwandten ist er jedes Jahr mit dem Wohnwagen-Gespann durch die Lande gereist. War es anfangs ausschließlich Tschechien, so ist der Rentner mit seiner Frau heute an über hundert Tagen im Jahr auf deutschen und österreichischen Campingplätzen zu Gast. Im Interview spricht er über seine Camping-Karriere, aus der es einige Anekdoten zu erzählen gibt:
LexiTV: Herr Köhler, wie ist das Camping entstanden?
Köhler: Camping in Deutschland hat sich, so weit ich weiß, so entwickelt: Die Arbeiterfamilien verbrachten ihre Freizeit und die Urlaubstage im Schrebergarten. Andere, die diese Möglichkeit nicht hatten, machten ein Picknick im Wald. Sie gingen wandern, im Rucksack eine Decke und etwas Verpflegung. Schnell entstand der Wunsch, außerhalb der Stadt zu übernachten. Zelte waren damals wenig bekannt. Sie wurden lediglich auf Expeditionen oder beim Militär benutzt. Langsam setzten sie sich aber auch im Zivilleben durch - forciert wurde diese Entwicklung von den ersten Campern.
LexiTV: Wann haben Sie zum ersten Mal im Freien übernachtet?
Köhler: Ich erinnere mich noch, wie ich 1947 mit einem Freund campen war. Unsere Ausrüstung bestand aus wenigen Dingen: die dunkelgrüne Wehrmachtzeltplane, die wir an einem umgestürzten Baum befestigten, der Esbit-Kocher, mit dem wir unser Essen warm machten.
LexiTV: Und wie ging es weiter?
Köhler: Eine Weile gab es kein Camping - Beruf und Familie erforderten Zeit. Erst 1971 ging es richtig los: Wir hatten keinen Ferienplatz abbekommen, also habe ich Frau und drei Kinder in den Trabbi gesetzt, den Klappfix angehängt, und wir sind in die Hohe Tatra gefahren. Seitdem waren wir als Lang-Camper in jedem Jahr vier Wochen auf tschechischen Campingplätzen zu Gast.
LexiTV: Mit fünf Personen im Klappfix - eine Dauerlösung war das sicher nicht?
Wer auch als Camper auf Bequemlichkeit und Komfort nicht verzichten will, reist mit dem Wohnwagen. (Bild: Edward; Creative Commons)
LexiTV: Wie lange dauerte es, zum eigenen Wohnwagen zu kommen?
Köhler: Ist alles beieinander, geht es relativ schnell. Hier liegt der Knackpunkt: Zwei Jahre lang sammelte ich Material für den Aero. Unseren letzten Wohnwagen, mit dem wir heute noch unterwegs sind, bauten wir in einem Vierteljahr. Die ganze Familie war eingespannt, jeden Abend von sechs bis zehn wurde daran gearbeitet, circa 1.500 Arbeitsstunden...
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Mobile Heimeligkeit
Der Wohnwagen ist älter als das moderne Camping. Schon Marco Polo erzählte im 13. Jahrhundert von einem tatarischen Häuptlingszelt auf Rädern, das 22 Ochsen zogen. Den ersten neuzeitlichen und voll eingerichteten Wohnwagen dürfte aber Napoleon besessen haben. Dessen Biograf Friedrich Sieburg schreibt von einem Wagen, der mit Schlaf- und Sitzgelegenheit ausgestattet war, sowie Bücherregalen und Schreibtisch.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten dann englische Dandys die Vorzüge von Wohn- und Reisewagen. Britische Firmen spezialisierten sich auf den Bau luxuriös ausgestatteter Wohnkutschen, die bald den Namen Caravans bekamen. 1907 gründeten begeisterte Caravaning-Anhänger den ersten britischen Caravan-Club.
Mit dem Aufkommen des Automobils vergrößerte sich auch die Nachfrage nach Wohnwagen - schließlich konnte man sie jetzt einfach an ein Auto hängen, statt ein Pferdegespann verpflegen zu müssen. 1930 existierte bereits eine ausgeprägte Caravan-Kultur in Großbritannien und in den USA, inklusive einem ausgebauten Netz von Wohnwagen-Stellplätzen.
1931 baute Arist Dethleffs den ersten deutschen Wohnwagen - auf Wunsch seiner Verlobten. Schnell fanden sich so viele Interessenten bei ihm ein, dass Dethleffs eine Firma gründete und seinen Wohnwagen in Serie baute. Andere deutsche Bastler und Tüftler zogen nach. Mit dem Wirtschaftswunder kam dann der endgültige Durchbruch - der Wohnwagen wurde für viele zum Inbegriff von Freiheit und Selbstbestimmung.
Der Wohnwagen ist älter als das moderne Camping. Schon Marco Polo erzählte im 13. Jahrhundert von einem tatarischen Häuptlingszelt auf Rädern, das 22 Ochsen zogen. Den ersten neuzeitlichen und voll eingerichteten Wohnwagen dürfte aber Napoleon besessen haben. Dessen Biograf Friedrich Sieburg schreibt von einem Wagen, der mit Schlaf- und Sitzgelegenheit ausgestattet war, sowie Bücherregalen und Schreibtisch.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten dann englische Dandys die Vorzüge von Wohn- und Reisewagen. Britische Firmen spezialisierten sich auf den Bau luxuriös ausgestatteter Wohnkutschen, die bald den Namen Caravans bekamen. 1907 gründeten begeisterte Caravaning-Anhänger den ersten britischen Caravan-Club.
Mit dem Aufkommen des Automobils vergrößerte sich auch die Nachfrage nach Wohnwagen - schließlich konnte man sie jetzt einfach an ein Auto hängen, statt ein Pferdegespann verpflegen zu müssen. 1930 existierte bereits eine ausgeprägte Caravan-Kultur in Großbritannien und in den USA, inklusive einem ausgebauten Netz von Wohnwagen-Stellplätzen.
1931 baute Arist Dethleffs den ersten deutschen Wohnwagen - auf Wunsch seiner Verlobten. Schnell fanden sich so viele Interessenten bei ihm ein, dass Dethleffs eine Firma gründete und seinen Wohnwagen in Serie baute. Andere deutsche Bastler und Tüftler zogen nach. Mit dem Wirtschaftswunder kam dann der endgültige Durchbruch - der Wohnwagen wurde für viele zum Inbegriff von Freiheit und Selbstbestimmung.



