Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Mit über sechs Millionen Mitgliedern ist der Deutsche Fußball-Bund (DFB) der größte Sportverband der Welt. Am 28. Februar 1900 nahm seine sportliche Erfolgsgeschichte in der Leipziger Gaststätte Mariengarten ihren Anfang.Profession, Passion, mitunter Religion: für viele ist Fußball die schönste Nebensache der Welt. (Bild: Alasdair Middleton)
Zwei Stile
Rustikal, hart und männlich - Adjektive, die auch heute noch im Selbstverständnis vieler Fußballer und Fans fest verankert sind. Einerseits ist da die Rede von Fußballarbeitern oder -malochern, andererseits aber auch von Schönspielern, Mimosen und Weicheiern. Vielerorts drückt sich dieser Widerspruch auch in der Existenz eines bürgerlichen und eines Arbeitervereins aus, wie zum Beispiel in München zwischen dem 1. FC Bayern und dem TSV 1860, den "Löwen". Ein Zustand, der die deutsche Fußballkultur anfangs überhaupt nicht kennzeichnete.
Bürgerliche Pioniere
Denn es waren durchweg humanistisch gebildete Sprösslinge bürgerlicher Familien, die den Sport seit den 1870er Jahren etablierten. Inspiriert wurden sie dabei durch den Kontakt mit Angehörigen so genannter Engländerkolonien - Menschen, die es aus beruflichen oder familiären Gründen vom Mutterland des Fußballs nach Deutschland verschlagen hatte. Erst nach der Einführung des Achtstundentages im Jahre 1919 hatten Arbeiter ausreichend Freizeit, um Sport zu treiben. Von da an gründeten sie zahlreiche Fußballvereine. Der seit dem 28. Februar 1900 bestehende DFB regelte als Dachorganisation zu diesem Zeitpunkt schon fast zwanzig Jahre lang das fußballerische Geschehen. Spitzenpositionen innerhalb des Verbands bekleideten lediglich die bürgerlichen Pioniere. Arbeitervereine waren von jeher unterrepräsentiert.
"Engländerei"
Den Sport strikt von Parteiinteressen fernzuhalten, ist das erklärte Ziel der DFB-Satzung bis heute. Von daher versuchten die Verbandsoberen, die sozialdemokratische Attitüde der Arbeiterklubs von Beginn an zu unterwandern. Trotz des unpolitischen Anspruchs war das Denken der DFB-Funktionäre aber geprägt von nationalistischen Idealen, wie üblich für das Bildungsbürgertum des wilhelminischen Kaiserreichs.
Vor allem aus den Reihen der Turner gab es Widerstand gegen den Fußball: Zu roh und zu englisch sei der Sport.
"Ran an den Feind!"
Das stieß schnell auf Interesse beim Militär, attestierte man dem Fußball doch Wertevermittlung im Sinne von Unterordnung und Disziplin. Es folgte die Eindeutschung der Fußballsprache und eine kriegerische Stilisierung. "Durch den Sport wurdet ihr für den Krieg erzogen, darum ran an den Feind", so eine beispielhafte Forderung des Norddeutschen Fußballverbands vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Unter der Hand bezahlt
Zur Zeit der Weimarer Republik spitzte sich diese Vorstellung weiter zu. Neben dem Erwerb von Mut, Kraft, nationalem Pflichtbewusstsein wurde dem Fußball auch eine wesentliche Bedeutung für die "Manneszucht" zugesprochen. Zeitgleich fürchtete die traditionelle DFB-Elite die Kommerzialisierung des Sports, denn die Gründung der Arbeitervereine hatte ein gesteigertes Zuschauerinteresse zur Folge gehabt, Eintrittsgelder und Sponsoren machten Fußballspiele rentabel. Da sich der DFB vehement der Einführung eines Berufsspielertums verweigerte, wurden bereits in den 1920er Jahren viele Spieler unter der Hand bezahlt...
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Hätten Sie's gewusst? Kurioses aus 110 Jahren DFB
Am 4. April 1909 spielte Deutschland an einem Tag in Basel gegen die Schweiz und in Budapest gegen Ungarn. Da beschwere sich heute noch ein Fußballer über Überlastung und Reisestrapazen!
1921 hob England als erster Verband nach dem Ersten Weltkrieg sein Boykott gegen den DFB auf und empfahl befreundeten Verbänden, es ihnen gleich zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg dasselbe Bild: England beantragt 1949 bei der FIFA, Deutschland wieder zum internationalen Spielverkehr zuzulassen. Von wegen Erzfeind!
95 000 Zuschauer sahen 1962 im Londoner Wembleystadion den 2:1-Sieg der deutschen Schüler(!)-Nationalmannschaft über die englische.
Im selben Jahr wird beschlossen, dass die Bundesliga ab 1963 mit 16 Teams an den Start geht, davon je fünf aus Süd und West, drei aus dem Norden, zwei aus Südwest und einen aus Berlin. Hätten es nicht ein paar mehr aus dem südwestlichen Deutschland sein können?
Bis zur Saison 1964/65 durfte ein verletzter Torhüter nicht ausgewechselt werden.
Erst 1970 wurden gelbe und rote Karten eingeführt. Ein Mark van Bommel dürfte sich nicht besonders darüber gefreut haben!
Ebenfalls 1970 werden Frauen- und Hallenfußball erlaubt.
Eine internationale Energiekrise führt dazu, dass Ende 1973 und Anfang 1974 ein teilweises Fahrverbot für Autos und Busse und der beschränkte Einsatz von Flutlicht den Spielbetrieb behindern.
Ab 1978 testet der DFB im Juniorenbereich den "Feldverweis auf Zeit" und empfiehlt dessen Einführung schließlich der FIFA. Dazu kommt es jedoch nie.
1990 muss ein Spiel zwischen den Auswahlteams des DFB und des Deutschen Fußball-Verbands (DFV) der DDR anlässlich der Wiedervereinigung abgesagt werden. Hooligans drohen Gewalt an, außerdem entspricht das Leipziger Zentralstadion als Austragungsort nicht den Sicherheitsbestimmungen.
Seit 1991 müssen "Sportgeräusche" von den Nachbarn toleriert werden. Das hält manch knorrigen Rentner jedoch nicht davon ab, verirrte Bälle einfach zu behalten!
Der DFB-Sportförderverein setzt sich seit 1995 für Sport und Kultur, Bildung und Erziehung sowie die Völkerverständigung ein. Dafür dienen auch die Einnahmen aus Benefiz-Länderspielen.
Der DFB-Bundestag entscheidet 1998, dass Profivereine sich künftig in Kapitalgesellschaften umwandeln dürfen. Als erster Klub geht Borussia Dortmund zwei Jahre später an die Börse - gelinde gesagt mit mäßigem Erfolg.
Am 4. April 1909 spielte Deutschland an einem Tag in Basel gegen die Schweiz und in Budapest gegen Ungarn. Da beschwere sich heute noch ein Fußballer über Überlastung und Reisestrapazen!
1921 hob England als erster Verband nach dem Ersten Weltkrieg sein Boykott gegen den DFB auf und empfahl befreundeten Verbänden, es ihnen gleich zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg dasselbe Bild: England beantragt 1949 bei der FIFA, Deutschland wieder zum internationalen Spielverkehr zuzulassen. Von wegen Erzfeind!
95 000 Zuschauer sahen 1962 im Londoner Wembleystadion den 2:1-Sieg der deutschen Schüler(!)-Nationalmannschaft über die englische.
Im selben Jahr wird beschlossen, dass die Bundesliga ab 1963 mit 16 Teams an den Start geht, davon je fünf aus Süd und West, drei aus dem Norden, zwei aus Südwest und einen aus Berlin. Hätten es nicht ein paar mehr aus dem südwestlichen Deutschland sein können?
Bis zur Saison 1964/65 durfte ein verletzter Torhüter nicht ausgewechselt werden.
Erst 1970 wurden gelbe und rote Karten eingeführt. Ein Mark van Bommel dürfte sich nicht besonders darüber gefreut haben!
Ebenfalls 1970 werden Frauen- und Hallenfußball erlaubt.
Eine internationale Energiekrise führt dazu, dass Ende 1973 und Anfang 1974 ein teilweises Fahrverbot für Autos und Busse und der beschränkte Einsatz von Flutlicht den Spielbetrieb behindern.
Ab 1978 testet der DFB im Juniorenbereich den "Feldverweis auf Zeit" und empfiehlt dessen Einführung schließlich der FIFA. Dazu kommt es jedoch nie.
1990 muss ein Spiel zwischen den Auswahlteams des DFB und des Deutschen Fußball-Verbands (DFV) der DDR anlässlich der Wiedervereinigung abgesagt werden. Hooligans drohen Gewalt an, außerdem entspricht das Leipziger Zentralstadion als Austragungsort nicht den Sicherheitsbestimmungen.
Seit 1991 müssen "Sportgeräusche" von den Nachbarn toleriert werden. Das hält manch knorrigen Rentner jedoch nicht davon ab, verirrte Bälle einfach zu behalten!
Der DFB-Sportförderverein setzt sich seit 1995 für Sport und Kultur, Bildung und Erziehung sowie die Völkerverständigung ein. Dafür dienen auch die Einnahmen aus Benefiz-Länderspielen.
Der DFB-Bundestag entscheidet 1998, dass Profivereine sich künftig in Kapitalgesellschaften umwandeln dürfen. Als erster Klub geht Borussia Dortmund zwei Jahre später an die Börse - gelinde gesagt mit mäßigem Erfolg.



