Trautes Heim?
Miete sparen, kreative Ideen verwirklichen: Die Gründe für den Hausbau sind so verschieden wie die Projekte. Das sentimentale Gefühl für das eigene Domizil zählt heute allerdings immer seltener dazu.Vor manchem deutschen Eigenheim sind sie die Agenten der Gemütlichkeit. Doch gebaut wird aus kühlem Kalkül.
Nestbau in Eigenregie
Noch in den 1970er und 1980er Jahren waren Eigenheime nicht nur weit verbreitet, sondern war das Verhältnis des Besitzers zu seinem Haus auch äußerst emotional. So es der Geldbeutel erlaubte, baute man sich und seiner Familie ein Nest in möglichst reizvoller Umgebung. Liebevoll und meist in Eigenregie gestaltete der Bauherr den heimischen Herd fürs Leben, der irgendwann an die Kinder weitergegeben werden sollte.
Altersvorsorge dominiert
Nach einer Studie der empirica ag für Wirtschaftsforschung und Beratung ist dieser klassische Nestbauer heute eher der Dinosaurier unter den Erwerbertypen, dem lediglich noch 11 Prozent der Erwerber entsprechen. Direkte Verknüpfung von Familienglück und dem Besitz einer Immobilie scheint kaum mehr zeitgemäß - eine zu starke Bindung ans traute Heim mindert die Mobilität. Heute motivieren vorrangig andere, "kühl" kalkulierte Gründe den Erwerb.
Die Erwerberrangliste führe nun, so die Autoren der Studie, der "funktional orientierte" Altersvorsorger mit 32 Prozent aller deutschen Eigenheimbauer und -erwerber an. Es ist die Sorge um das Auskommen im Alter, die in den meisten Fällen den Kauf bedingt. Da nur noch mit geringen staatlichen Renten zu rechnen ist, baut der Altersvorsorger lieber vor - und zwar für einen sorgenfreien Lebensabend. Er setzt auf private Rentenpolster in Form einer früher oder später mietfreien Behausung.
Bis es so weit ist, kann der Aufwand leicht ins Unermessliche steigen. Oft schnappt die Schuldenfalle zu.
Auf Platz zwei: der Lebensabschnittserwerber mit 21 Prozent. Die Kosten-Nutzen-Rechnung dieses "pragmatisch eingestellten" Akademikers hat ergeben, dass Erwerb günstiger als Mieten ist. Ästhetik und Individualität bleiben außen vor - ist ja nur für einen Lebensabschnitt. Das Motto heißt: flexibel bleiben, damit ein Bestehen auf dem Arbeitsmarkt überhaupt möglich ist.
Der Rationalist unter den Erwerbern ist oft Einzelkämpfer, zunächst ohne Partner und Kinder. Allein finanzielle Gründe sprechen für den Kauf der Immobilie, die gern von diesen 16 Prozent der Erwerber wieder veräußert wird. Der Wiederverkaufswert einer Immobilie spielt mittlerweile nicht nur für den Rationalisten eine große Rolle. Mobilität kann nur durch eine lose Bindung an solch ein Objekt gewährleistet werden.
Der Traum vom Heim
Ein individueller Neubau oder ein Umbau mit Liebe lockt den älteren Selbstverwirklicher. Seine Kinder stehen auf eigenen Beinen, nun will er die Freiheit in vollen Zügen genießen. Immerhin jeder zehnte Erwerber verspürt noch solch eine emotionale Beziehung zu seinem Traumhaus, die der des Nestbauers vergleichbar ist.
Auf dem vorletzten Platz der Rangliste mit sechs Prozent steht der höher qualifizierte Pragmatiker, der im fortgeschrittenen Alter berufliche Stabilität erreicht hat und ein attraktives Objekt in zentraler Lage ergattert. Auch für ihn ist Wertstabilität wichtig, da die Immobilie wieder abgestoßen wird.
Ein Sparanreiz
Weichensteller schließlich rekrutieren sich aus der Gruppe hoch qualifizierter Akademiker. Für diese vier Prozent stellt der Kauf einen Sparanreiz dar, da sie ihr hohes Einkommen sowieso nur ausgegeben würden. Der Erwerb soll lediglich die Basis für den Aufbau eines dauerhaften Vermögens legen.
Anja Tausche (aktualisiert 18.03.2009)
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Eigenheim | ![]() |
Infobox
Knapp drei Millionen Haushalte...
galten 2008 in Deutschland als verschuldet, wie dem Schulden- Kompass der SCHUFA zu entnehmen ist. Eine Umfrage des Schuldnerfachberatungszentrums der Universität Mainz ergab, dass fünfzehn bis zwanzig Prozent der Schuldner Rat wegen misslungener Baufinanzierung suchten. Aus der vermeintlichen Altersabsicherung in Form eines Eigenheims kann demnach rasch eine Schuldenfalle werden.
Diese Finanzierungskrisen sind neben klassischen Ursachen, wie dem Tod des Hauptverdieners oder Scheidung, auch auf neue Faktoren zurück zu führen: Auf der einen Seite ist das Risiko des Arbeitsplatzverlustes gestiegen, andererseits fällt der Wiederverkaufswert von Immobilien stetig.
Vor allem dürfen extrem niedrige Zinssätze bei Baukrediten keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass die Zinssätze einerseits nach Ablauf der Zinsbindung in etwa zehn Jahren deutlich höher sein können als bei Abschluss. Zudem ist logische Folge niedriger monatlicher Raten eine langsame Tilgung, wodurch die Schuldenfreiheit in weite Ferne rückt.
galten 2008 in Deutschland als verschuldet, wie dem Schulden- Kompass der SCHUFA zu entnehmen ist. Eine Umfrage des Schuldnerfachberatungszentrums der Universität Mainz ergab, dass fünfzehn bis zwanzig Prozent der Schuldner Rat wegen misslungener Baufinanzierung suchten. Aus der vermeintlichen Altersabsicherung in Form eines Eigenheims kann demnach rasch eine Schuldenfalle werden.
Diese Finanzierungskrisen sind neben klassischen Ursachen, wie dem Tod des Hauptverdieners oder Scheidung, auch auf neue Faktoren zurück zu führen: Auf der einen Seite ist das Risiko des Arbeitsplatzverlustes gestiegen, andererseits fällt der Wiederverkaufswert von Immobilien stetig.
Vor allem dürfen extrem niedrige Zinssätze bei Baukrediten keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass die Zinssätze einerseits nach Ablauf der Zinsbindung in etwa zehn Jahren deutlich höher sein können als bei Abschluss. Zudem ist logische Folge niedriger monatlicher Raten eine langsame Tilgung, wodurch die Schuldenfreiheit in weite Ferne rückt.



