Televisionen
Paul Nipkow, Karl Ferdinand Braun, Manfred von Ardenne - diese Namen verknüpfen sich mit der Entwicklung des Fernsehens. Doch nicht nur in Deutschland tüftelten Forscher an der Verwirklichung eines alten Traums.Infobild des Fernsehsenders Paul Nipkow: Ab 1935 trug das erste Fernsehstudio der Welt in Berlin den Namen des Erfinders.
Schon einmal revolutionierte ein Teleskop - der griechische Begriff heißt übersetzt "Fernseher" - die menschliche Kultur: Galileis Himmelsbeobachtungen verhalfen dem Heliozentrischen Weltbild Anfang des 17. Jahrhunderts zum Durchbruch. Auch Nipkows Konstruktion sollte zum Grundstein für ein neues Zeitalter werden - von der weit reichenden Bedeutung seiner Idee ahnte der junge Erfinder allerdings nichts.
"Vater des Fernsehens"
Mehr als eine Idee war die so genannte Nipkowsche Scheibe (siehe Infobox) damals nämlich nicht: Nipkow selbst baute wahrscheinlich nie ein funktionierendes Fernseh-Gerät - chronischer Geldmangel hätte beinahe schon die Anmeldung beim Patentamt verhindert und führte schließlich dazu, dass der Erfinder sein Patent bereits 1886 verfallen ließ.
Dennoch kürten die Nationalsozialisten Paul Nipkow ein halbes Jahrhundert später zum "Vater des Fernsehens", und noch heute sehen Medienhistoriker in der Patentschrift mit der Nummer 30105 die Geburtsstunde des Fernsehens. Was steckt dahinter?
Ohne Zeitverlust
Wer heute den Fernseher einschaltet, erlebt die Verwirklichung eines uralten Traums: das Überbrücken von Zeit und Raum, die visuelle Allgegenwärtigkeit. Zahlreiche fantasievolle Köpfe beschäftigten sich im Laufe der Jahrhunderte mit der Entwicklung von Apparaturen, die in der Lage wären, ferne Bilder ohne Zeitverlust heranzuholen. Bilder technisch zu reproduzieren, war zu Nipkows Zeiten schon kein Problem mehr, wie Fotografie und Film eindrucksvoll bewiesen.
Eben hier leistete der junge Ingenieur Pionierarbeit, indem er die grundlegende Idee zur Übertragung eines bewegten Bildes ohne zeitliche Verzögerung lieferte. Noch heute funktioniert Fernsehen nach Nipkows Prinzip der zeilenweisen Bildabtastung - die Technik jedoch ist eine andere.
"Nur" eine Weiterentwicklung
Um das Fernsehen zum Leitmedium des Zwanzigsten Jahrhunderts werden zu lassen, waren viele Erfindungen und Entdeckungen nötig. Es ist nicht die Errungenschaft eines Einzelnen, sondern basiert auf Visionen von Wissenschaftlern aus verschiedensten Bereichen, die wiederum andere Forscher inspirierten.
1933 präsentiert Manfred von Ardenne in seinem Labor die verbesserte Braunsche Röhre. (Foto: Deutsches Bundesarchiv; Linzenz: Creative Commons)
Braunsche Röhre
Nipkows Erfindung folgten zahllose Entwicklungen, die sich als mehr oder weniger wegweisend für den technischen Fortschritt in Sachen Fernsehen herausstellen sollten: Von großer Bedeutung erwiesen sich hier die Entdeckung elektromagnetischer Schwingungen durch Heinrich Hertz im Jahre 1886 sowie die Entwicklung der Kathodenstrahl-Oszillographenröhre durch den Physiker Karl Ferdinand Braun 1897. Mit der nach ihm benannten Braunschen Röhre ließen sich schnell ändernde elektrische Spannungen und Ströme sichtbar machen.
Wettstreit der Fernsehsysteme
Damit begann allerdings auch ein Wettstreit unter den Vertretern des mechanischen Prinzips Nipkows und denen der voll elektronischen Übertragung. Und so wurden auf der 5. Funkausstellung in Berlin 1928, bei der das Fernsehen seine Weltpremiere erlebte, zwei Fernsehsysteme präsentiert.
Nipkow selbst war zugegen, als die Firma Telefunken einen von August Karolus entwickelten Fernsehapparat mit Nipkow-Scheibe präsentierte. Acht mal zehn Zentimeter groß war der Bildschirm und lieferte zehntausend Bildpunkte. Das "mechanische" Fernsehen konnte überzeugen, während die Kathodenstrahl-Technik, als zu kompliziert und zu teuer abgelehnt, ins Hintertreffen geriet.
Ardennes Sensation
Auf Dauer jedoch erwies sich das Nipkow-Prinzip den elektronischen Entwicklungen als unterlegen; vom vollelektronischen Fernsehen versprach man sich eine wesentlich höhere Bildauflösung. Alle wichtigen Komponenten zur Verbesserung der Bildqualität waren bereits vorhanden - sie mussten nur richtig kombiniert werden.
Hier setzte Manfred von Ardenne einen weiteren Meilenstein in der Fernsehentwicklung, indem er Brauns Elektronenröhre optimierte. In Zusammenarbeit mit der Firma Loewe präsentierte der Ingenieur auf der Funkausstellung 1931 der Öffentlichkeit das erste vollelektronische Fernsehsystem - eine technische Sensation, die auch jenseits des Atlantiks Aufsehen erregte.
Live übertragen
Die Nationalsozialisten hielten indessen an "ihrem" Fernsehpionier Nipkow fest - obwohl Tüftler weltweit Impulse zur Entwicklung der neuen Technik gaben, sollte das Fernsehen eine rein deutsche, sprich "arische" Erfindung sein. Ihm zu Ehren taufte die Reichsrundfunkgesellschaft 1935 das erste Fernseh-Rundfunkstudio der Welt Fernsehsender Paul Nipkow. Der fast Achtzigjährige erhielt einen Ehrendoktor, ein Fernsehgerät, eine lebenslange Rente - und 1940 sogar ein Staatsbegräbnis. Es wurde live im Fernsehen übertragen.
Ulrike Wolf (aktualisiert 23.08.2011)
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Fernsehen | ![]() |
Infobox
Punkt für Punkt
Die Idee für sein Elektrisches Teleskop hatte Paul Nipkow (1860 bis 1940), als er mit zusammengekniffenen Augen in das flackernde Licht einer Kerze blickte: Aus dem vollständigen Bild schimmerten nur noch einzelne Strahlen, die in viele kleine Lichtteilchen zerlegt waren, heraus - und ergaben dann wieder ein klares Ganzes. Müsste es nicht möglich sein, ein Bild, in lauter Punkte geteilt, in die Ferne zu übertragen?
Ergebnis seiner Überlegungen war die später nach ihm benannte Nipkowscheibe. Dabei handelt es sich um eine rotierende, mit spiralförmig angeordneten Löchern versehene Scheibe, mit deren Hilfe Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegt und wieder zusammengesetzt werden können.
Und so funktioniert Nipkows Konstruktion: Die Scheibe wird vor dem aufzunehmenden Gegenstand in Drehung versetzt. Durch die Löcher gelangen nacheinander Lichtstrahlen von der Seite des Gegenstandes auf sich hinter der Scheibe befindliche photoelektrische Zellen.
Diese Zellen, sie bestehen aus dem chemischen Element Selen, wandeln die Lichtpunkte in elektrische Impulse, sprich Bildsignale, um und speisen damit eine Glühlampe. Eine sich synchron drehende Scheibe projiziert schließlich das heller oder dunkler werdende Licht der Glühlampe auf eine Projektionsfläche und lässt dort ein zeilenweises Abbild des zuvor aufgenommenen Gegenstandes entstehen.
Die Scheibe muss sich dabei so schnell drehen, dass das Auge durch seine Trägheit den Punkt- und Zeilenwechsel nicht wahrnehmen kann. Aus diesem Grund gelangte die Fernsehentwicklung nach dem Nipkow-Prinzip aber auch an ihre Grenzen: Die Bildqualität des "mechanischen" Fernsehens war schlecht, es flimmerte stark und Details waren nicht zu erkennen.
Zur Bildaufzeichnung wurde die Nipkowscheibe noch einige Zeit verwendet, auf der Empfängerseite jedoch wurde sie schon bald durch die Elektronenstrahltechnik abgelöst.
Ergebnis seiner Überlegungen war die später nach ihm benannte Nipkowscheibe. Dabei handelt es sich um eine rotierende, mit spiralförmig angeordneten Löchern versehene Scheibe, mit deren Hilfe Bilder in Hell-Dunkel-Signale zerlegt und wieder zusammengesetzt werden können.
Und so funktioniert Nipkows Konstruktion: Die Scheibe wird vor dem aufzunehmenden Gegenstand in Drehung versetzt. Durch die Löcher gelangen nacheinander Lichtstrahlen von der Seite des Gegenstandes auf sich hinter der Scheibe befindliche photoelektrische Zellen.
Diese Zellen, sie bestehen aus dem chemischen Element Selen, wandeln die Lichtpunkte in elektrische Impulse, sprich Bildsignale, um und speisen damit eine Glühlampe. Eine sich synchron drehende Scheibe projiziert schließlich das heller oder dunkler werdende Licht der Glühlampe auf eine Projektionsfläche und lässt dort ein zeilenweises Abbild des zuvor aufgenommenen Gegenstandes entstehen.
Die Scheibe muss sich dabei so schnell drehen, dass das Auge durch seine Trägheit den Punkt- und Zeilenwechsel nicht wahrnehmen kann. Aus diesem Grund gelangte die Fernsehentwicklung nach dem Nipkow-Prinzip aber auch an ihre Grenzen: Die Bildqualität des "mechanischen" Fernsehens war schlecht, es flimmerte stark und Details waren nicht zu erkennen.
Zur Bildaufzeichnung wurde die Nipkowscheibe noch einige Zeit verwendet, auf der Empfängerseite jedoch wurde sie schon bald durch die Elektronenstrahltechnik abgelöst.
Infobox
Einschaltquote
Jeden Morgen schlägt für Programmchefs in Fernsehsendern, für TV-Produzenten und für Planer in Werbe- und Mediaagenturen die Stunde der Wahrheit: Am Tag nach der Ausstrahlung des Programms übermittelt die GfK-Fernsehforschung noch vor 9.00 Uhr die Fernsehnutzungsdaten. Die täglich ermittelten GfK-Daten geben Auskunft über die Art der Nutzung aller in Deutschland empfangbaren Sender.
Nach einem statistischen Verfahren wird ein verkleinertes Abbild der deutschen Fernsehhaushalte gebildet, das so genannte Panel (= wiederholte Befragung identischer Personen in Zeitabständen). Ausgewählte Panelhaushalte haben sich bereit erklärt, an der Fernsehforschung teilzunehmen. Dazu wird ein spezielles Messgerät installiert, das GfK-Meter, das sekundengenau die Fernsehnutzung aller Haushaltsmitglieder ab drei Jahren misst.
Die Fernsehnutzungsdaten des Panels werden dann auf alle deutschen Fernsehhaushalte hochgerechnet. Das Fernseh-Panel besteht aus 5.640 privaten Haushalten mit etwa 13.000 Personen. Damit ist es das weltweit größte Panel der Fernsehzuschauerforschung. Die Größe des Fernsehpanels erlaubt Programmplanern und der Werbewirtschaft exakte Zielgruppenanalysen.
Nach einem statistischen Verfahren wird ein verkleinertes Abbild der deutschen Fernsehhaushalte gebildet, das so genannte Panel (= wiederholte Befragung identischer Personen in Zeitabständen). Ausgewählte Panelhaushalte haben sich bereit erklärt, an der Fernsehforschung teilzunehmen. Dazu wird ein spezielles Messgerät installiert, das GfK-Meter, das sekundengenau die Fernsehnutzung aller Haushaltsmitglieder ab drei Jahren misst.
Die Fernsehnutzungsdaten des Panels werden dann auf alle deutschen Fernsehhaushalte hochgerechnet. Das Fernseh-Panel besteht aus 5.640 privaten Haushalten mit etwa 13.000 Personen. Damit ist es das weltweit größte Panel der Fernsehzuschauerforschung. Die Größe des Fernsehpanels erlaubt Programmplanern und der Werbewirtschaft exakte Zielgruppenanalysen.



