Fit fürs Leben
Einige Milliarden Euro jährlich lassen sich Fitnesssportler in Deutschland ihr Hobby kosten. Körperliche Leistungsfähigkeit steht dabei im Vordergrund. Aber ist das schon alles?Es ist Montagabend, 19.00 Uhr: Nach einem anstrengenden Arbeitstag setzt sich Claudia, 28 Jahre, ins Auto. Die junge Architektin macht sich auf den Weg in eines der fünftausend Fitnessstudios Deutschlands. Dreimal in der Woche trainiert sie hier für ein bis zwei Stunden am Stepper, am Bauchtrainer, oder geht in einen Yoga-Kurs. Der anschließende Besuch in der Aromasauna gehört dazu. Ganz billig ist dieser Aufwand freilich nicht. Fünfzig Euro kostet Claudia die Mitgliedschaft jeden Monat. Damit liegt sie nur geringfügig über den durchschnittlich 44 Euro, die Deutsche pro Monat in körperliche Fitness investieren (Stand: 2008).
Anstrengend und kostenintensiv
Im Fall von Claudia macht das immerhin sechshundert Euro im Jahr. Eine Summe, die die Frage aufwirft, warum Leute so viel Geld ausgeben, um regelmäßig an Ergometer & Co. zu schwitzen, statt gemütlich zu Hause ihren Feierabend zu genießen. Verschiedene Motive lassen die Gemeinde der Fitnesssportler, die in Deutschland immerhin sechs Millionen Anhänger zählt, stetig größer werden: Der schmerzgeplagte Büroangestellte sucht den Weg ins Fitnessstudio, weil er seine Rückenmuskulatur kräftigen möchte. Der verliebte Student versucht einen attraktiveren Körper zu bekommen. Die Auszubildende will endlich fitter werden.
Nur mehr Wohlbefinden?
Drei Milliarden Euro Umsatz bescherten sie den deutschen Fitnessstudios im Jahr 2008. Hinzu kamen noch Ausgaben für Fitnessmode, -getränke und fitnessgerechte Ernährung. Wofür das alles? Geht es bei der Fitness wirklich nur um den Wunsch nach größerem körperlichem Wohlbefinden und um Freude an der Bewegung? Wohl kaum. Der Grund für die Expansion des Geschäfts mit der Fitness liegt im Wandel der Idealvorstellung vom eigenen Körper.
Körper sind formbar: mit Bauch-Beine-Po-Kursen auf dem Weg zur Traumfigur.
Nach dem Zweiten Weltkrieg strebten Frauen zunächst noch den drallen Leib an, welchen Filmstars wie Marilyn Monroe und Liz Taylor verkörperten. Denn Fülle zeugte von Wohlstand. Doch bedingt durch die Jugendbewegung der 1968er Jahre waren weiblich-üppige Formen bald nicht mehr modern. Das britische Model Twiggy wurde wegen seiner spindeldürren, aber jugendlichen Figur zur Ikone. Dem schmalen Teenager stand der Minirock, der bereits 1962 für Aufruhr sorgte, perfekt. Die knapper werdende Mode stellte den weniger vollkommenen Körper bloß. Also musste man ihn formen.
Modellierbare Körper
Längst hatten Bodybuilder ja gezeigt, dass der Körper keine gottgegebene Größe, sondern modellierbar ist. Schon bald entstanden aus ungemütlichen "Muckibuden" moderne Fitnessstudios, die ab den 1980er Jahren auch Kurse wie etwa Aerobic boten. Doch trotz anhaltend steigender Attraktivität ziehen Fitnessstudios nicht alle Menschen gleichermaßen an.
Soziales Phänomen
Wissenschaftler kennen den Grund: Fitness ist ein soziales Phänomen. "Es ist zu beobachten, dass bestimmte Praktiken des Sports, etwa Fitness oder Wellness, vor allem von der Mittelschicht betrieben werden", erläutert der Sportwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Alkemeyer von der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg. "Bestimmte Körperformen werden als Zeichen für die Schicht- oder Milieuzugehörigkeit der Person gedeutet." ...
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Infobox
Säulen der Fitness
Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit - das sind die drei Säulen der Fitness. Krafttraining verbessert neben der Kraft auch die Schnelligkeit. Trainiert wird in der Regel mit Hanteln oder an Geräten, deren Widerstände für jeden Sportler individuell einstellbar sind. Hat der Körper eine gute Ausdauer, dann ist er länger belastbar. Durch gezieltes Training wird das Herz trainiert und der Körper besser durchblutet.
Vor allem durch Ausdauertraining schmelzen ungeliebte Fettpölsterchen. Ihre Ausdauer trainieren Fitnesssportler auf Ergometern, Laufbändern oder dem Stepper. Am Ende des Trainings steht dann das Beweglichkeitstraining. Dabei dehnen Sportler Muskeln, Sehnen und Bänder, um ihre Gelenkigkeit zu verbessern.
Kraft, Ausdauer und Beweglichkeit - das sind die drei Säulen der Fitness. Krafttraining verbessert neben der Kraft auch die Schnelligkeit. Trainiert wird in der Regel mit Hanteln oder an Geräten, deren Widerstände für jeden Sportler individuell einstellbar sind. Hat der Körper eine gute Ausdauer, dann ist er länger belastbar. Durch gezieltes Training wird das Herz trainiert und der Körper besser durchblutet.
Vor allem durch Ausdauertraining schmelzen ungeliebte Fettpölsterchen. Ihre Ausdauer trainieren Fitnesssportler auf Ergometern, Laufbändern oder dem Stepper. Am Ende des Trainings steht dann das Beweglichkeitstraining. Dabei dehnen Sportler Muskeln, Sehnen und Bänder, um ihre Gelenkigkeit zu verbessern.
Infobox
Nie zu spät ist es, um die körperliche Fitness zu steigern. Ärzte wissen: Wichtig ist, dass der Körper überhaupt gefordert wird. Zu einem gründlichen Gesundheitscheck vor Trainingsbeginn raten Mediziner bei Anfängern und Wiedereinsteigern ab dem 35. Lebensjahr sowie bei Menschen, die bereits unter Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus leiden. Nur so ist garantiert, dass Sport nicht krank macht.
Als Anfänger oder Wiedereinsteigersport eignen sich Nordic Walking oder Wandern. Durch Schnelligkeit lässt sich die versäumte Fitness aber nicht nachholen. Die Anforderungen sollten langsam gesteigert werden, um Überbelastungen zu vermeiden. Die Faustregel lautet: Lieber länger und locker als kurz und heftig. Ein gleichmäßiger Atem und schnelle Erholung sind deutliche Zeichen für die optimale Trainingsintensität. Muskelkater dagegen sollte nicht entstehen. Er zeigt ebenso eine Überanstrengung der Muskulatur an wie Schmerzen. Sie sind ernstzunehmende Warnzeichen des Körpers.
Als Anfänger oder Wiedereinsteigersport eignen sich Nordic Walking oder Wandern. Durch Schnelligkeit lässt sich die versäumte Fitness aber nicht nachholen. Die Anforderungen sollten langsam gesteigert werden, um Überbelastungen zu vermeiden. Die Faustregel lautet: Lieber länger und locker als kurz und heftig. Ein gleichmäßiger Atem und schnelle Erholung sind deutliche Zeichen für die optimale Trainingsintensität. Muskelkater dagegen sollte nicht entstehen. Er zeigt ebenso eine Überanstrengung der Muskulatur an wie Schmerzen. Sie sind ernstzunehmende Warnzeichen des Körpers.



