Der Egomane
Es sind die Menschen hinter der Kamera, welche mit ihren Bildern einen besonderen Teil der Realität abbilden wollen. Auch Starfotograf Helmut Newton steckte sich dieses Ziel.Helmut Newton vor einem seiner Bilder, zur Vorbesichtigung einer Ausstellung in Hamburg. (Bild: Roland Magunia/ddp)
Opfer und Täter?
Letzteres sei dahingestellt. Doch war der am 24. Januar 2004 verstorbene Fotograf tatsächlich ebenso Opfer wie Täter? Ein von den Nazis Verfolgter, selbst zum "Faschisten" geworden? Wohl kaum. Jeder Täter braucht sein Motiv, ein Faschist eine Ideologie, deren stärkstes Merkmal das Menschenverachtende ist - beides trifft auf Newton nicht zu.
Der kleine Lord
Auch die Zuweisung der Opferrolle dürfte ihn seltsam angemutet haben. In der sah er sich höchstens, als seine überkandidelte und versnobte Mutter ihn als Kind mit Samtanzug, steifem Schillerkragen, riesiger Taftschleife und Lackschuhen ausstaffiert in die Schule schickte. Dem Image des Kleinen Lords gemäß trug er dazu Pagenkopf und wurde vom eigenen Chauffeur begleitet, was ihn zuverlässig zur Zielscheibe mitschülerlichen Hasses machte.
Kindheit im Nationalsozialismus
Über sein Leben als Jude in Nazideutschland ist kaum etwas zu erfahren. "Schön", sei seine Kindheit gewesen, "bis auf die Scheiße mit den Nazis", erzählte er in einem Spiegel-Interview 1996. Nur leise klingt es in seiner Autobiographie an: Gewalt und Verfolgung durch die Nationalsozialisten, Internierung des Vaters, Verlust der Fabrik, Flucht, Ermordung der Lehrmeisterin Else Simon in Auschwitz.
Die australische Tänzerin Laurel Martyn: Mit Vorliebe lichtete Helmut Newton die Prominenten dieser Welt ab. (Foto: 1952)
Diese Ereignisse ließen ihn nicht kalt, doch in seiner Erinnerung nahmen sie geringen Platz ein. Dort war der meiste Raum bereits vergeben: an Helmut Newton. "I like what I see", soll er einst selbstversunken beim Blick in den Spiegel gesagt haben. Er gefiel sich stets selbst am besten, der "egoistische, schwache Helmut", der depressiv reagierte, als seine Frau June, mit der er 55 Jahre verheiratet war, ihn in schwerer Krankheit am nötigsten brauchte.
"Ficken und fotografieren"
Natürlich habe er sich oft gefürchtet, doch sei er immer Optimist gewesen. Spaß stand im Vordergrund: Sein Leben habe aus "ficken und fotografieren" bestanden. Auch die autobiographischen Erzählungen über jene Lebensphase, in der er, fast mittellos, aus Deutschland fliehen musste, sind geprägt vom wilden Leben auf der Überfahrt und später in Singapur und im australischen Internierungslager Tatura. Nur wenige Worte handeln dabei von Heimatverlust, Zukunftsängsten und Sorgen um die Familie...
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Infobox
Als "Helmut Newton des Ostens"...
wurde Günter Rössler oft betitelt. Es schmeichelte dem bekanntesten Mode- und Aktfotografen der DDR wenig. In seinen Bildern versuchte Rössler eher, sich von Newtons Arbeiten zu distanzieren. Gemeinsam war beiden jedoch ihr liebstes Motiv: nackte Frauen.
Der 1926 in Leipzig geborene Rössler arbeitete, nach erfolgreich absolviertem Grafik-Studium, seit 1951 als freischaffender Künstler und fotografierte für verschiedene Zeitungen und Illustrierte. Obwohl er sich anfangs weniger für Modefotografie interessierte, wirkte er regelmäßig an den bekanntesten Mode- und Frauenzeitschriften des Ostens: Sibylle, Für Dich und Modische Maschen. Berühmt wurde er vor allem wegen seiner Aktfotografien für Das Magazin.
wurde Günter Rössler oft betitelt. Es schmeichelte dem bekanntesten Mode- und Aktfotografen der DDR wenig. In seinen Bildern versuchte Rössler eher, sich von Newtons Arbeiten zu distanzieren. Gemeinsam war beiden jedoch ihr liebstes Motiv: nackte Frauen.
Der 1926 in Leipzig geborene Rössler arbeitete, nach erfolgreich absolviertem Grafik-Studium, seit 1951 als freischaffender Künstler und fotografierte für verschiedene Zeitungen und Illustrierte. Obwohl er sich anfangs weniger für Modefotografie interessierte, wirkte er regelmäßig an den bekanntesten Mode- und Frauenzeitschriften des Ostens: Sibylle, Für Dich und Modische Maschen. Berühmt wurde er vor allem wegen seiner Aktfotografien für Das Magazin.


