Alter Ford V8: luxuriöse Automobile waren eine von Helmut Newtons Leidenschaften.
Hang zum Sado-Masochismus
Stets wollte er die nur eigenen Interessen und seinen Traum verwirklichen: Modefotograf der Vogue werden. Frauen wollte er ablichten, weil sie ihm gefielen. Als Sechsjähriger war er bereits von ihnen fasziniert, nahm heimlich das Magazin seines zehn Jahre älteren Bruders Hans mit ins Bad und betrachtete die nackten Mädchen. Auch vom Rotlichtmilieu war er angetan, und sado-masochistische Anspielungen bewegten seine Phantasie, seit ihm als Siebenjähriger sein Bruder Berlins bekannteste Prostituierte, die "Rote Erna", gezeigt hatte.
In Saus und Braus
Geld spielte nie eine Rolle: "Wenn man Geld machen will, darf man nicht Fotograf werden", wusste Newton nur zu gut. Besaß er welches, gab er es umgehend aus. Nach seiner Ankunft in Singapur investierte er die komplette Barschaft in einen Bordellbesuch. Den Sold nach dem Austritt aus der australischen Armee, in der er von 1942 bis 1946 diente, gab er für einen Ford V 8 aus. Luxuriöse Autos blieben seine Leidenschaft. 1957 kaufte er sich einen weißen Porsche mit Ledersitzen. In Paris lebte er mit June in einem winzigen Zimmer - es reichte kaum für die Miete - aber den Porsche behielt er. Außenwirkung sei alles und "glamour has nothing to do with money", vertrat Newton seinen Lebensstil.
Im Museum für Fotografie in Berlin: June Newton vor einer Vitrine mit Garderobe ihres verstorbenen Mannes. (Bild: Marcus Brandt/ddp)
1961 überließ er ein gutgehendes Fotostudio in Melbourne seinem Partner zum Preis von zweitausend Dollar. Newton wollte keine Hochzeitsund Porträtaufnahmen machen, sondern die Modewelt erobern. Schon seit seinem ersten Foto 1932 stand für ihn fest, dass er eine große Karriere vor sich hat. Dennoch ließ er nie Kritik an der eigenen Arbeit vermissen. Seine ersten Versuche als Bildreporter für die Straits Times in Singapur beschrieb er als "unsäglich". Offensichtlich zu Recht, denn nach nur zwei Wochen wurde er wegen Unfähigkeit entlassen. Seine Bilder für die englische Vogue seien sogar "schrecklich" gewesen. "Ich ließ nicht das geringste Talent erkennen", bilanzierte Newton.
Berühmte und Berüchtigte
Diese Kritikfähigkeit, kombiniert mit Starrköpfigkeit, war es wohl, die ihn trotz aller Rückschläge an der Überzeugung festhalten ließ, einst berühmtester und bester Fotograf der Welt zu werden. Irgendwann standen Models und bekannte Persönlichkeiten bei ihm Schlange: Salvador Dali, Andy Warhol, Margaret Thatcher, Helmut Kohl und Gerhard Schröder ließen sich von Newton porträtieren. Er sei "fasziniert von den Gesichtern der Berühmten - oder Berüchtigten - aller, die die Welt in Erstaunen versetzt haben." Ob er sich deswegen so gern selbst fotografierte?
Susanne Fetter (14.01.2005/aktualisiert 16.10.2008)
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Infobox
Die Stiftung
Ende 2003 gründete Helmut Newton zusammen mit seiner Frau June die Helmut-Newton-Stiftung. Obwohl der Sitz in Zürich ist, befinden sich die Ausstellungsräume im ehemaligen Landwehrkasino in Berlin-Charlottenburg, der Heimatstadt Newtons. Ziel der Stiftung ist die Wahrung, der Schutz und die Präsentation des fotografischen Werkes des Paares, immerhin schuf June seit 1970 unter dem Namen Alice Springs selbst ein bedeutsames Porträtwerk.
Im Besitz der Stiftung befinden sich viele Fotografien Newtons, die einen wesentlichen Bestandteil seines künstlerischen Schaffens darstellen. Helmut Newtons Wunsch war es, die Stiftung nicht in ein "totes Museum", sondern in eine "lebendige Institution" zu verwandeln. So präsentieren Wechselausstellungen das vielschichtige und provokante Schaffen des Fotografen. Darüber hinaus bietet die Stiftung aber auch anderen Künstlern und Fotografen eine Plattform für ihr Werk.
Ende 2003 gründete Helmut Newton zusammen mit seiner Frau June die Helmut-Newton-Stiftung. Obwohl der Sitz in Zürich ist, befinden sich die Ausstellungsräume im ehemaligen Landwehrkasino in Berlin-Charlottenburg, der Heimatstadt Newtons. Ziel der Stiftung ist die Wahrung, der Schutz und die Präsentation des fotografischen Werkes des Paares, immerhin schuf June seit 1970 unter dem Namen Alice Springs selbst ein bedeutsames Porträtwerk.
Im Besitz der Stiftung befinden sich viele Fotografien Newtons, die einen wesentlichen Bestandteil seines künstlerischen Schaffens darstellen. Helmut Newtons Wunsch war es, die Stiftung nicht in ein "totes Museum", sondern in eine "lebendige Institution" zu verwandeln. So präsentieren Wechselausstellungen das vielschichtige und provokante Schaffen des Fotografen. Darüber hinaus bietet die Stiftung aber auch anderen Künstlern und Fotografen eine Plattform für ihr Werk.


