Lenin spricht 1920 in Moskau. Leo Trotzki war ursprünglich auch auf der Fotografie abgebildet - ihn ließ Stalin später aus dem Bild retuschieren.
Inszeniert für Propagandazwecke
Während des spanischen Bürgerkrieges 1936 bis 1939 wurde eine wahre Flut an Bildern produziert, die das Geschehen dokumentieren sollten. Die meisten davon entstanden natürlich unter propagandistischen Gesichtspunkten. Wenn es nicht von Beginn an Inszenierungen waren, dann sorgte die publizistische Aufbereitung für entsprechende Wirkung.
"Geschichte hinter dem Bild"
Weltberühmt, und zum Symbolbild des Bosnienkrieges, wurde die Aufnahme eines abgemagerten Gefangenen hinter Stacheldraht. Das Zeitdokument vom 5. August 1992 diente lange als wichtiges Indiz für die Existenz von Konzentrationslagern in Bosnien. An seiner Glaubwürdigkeit zweifelte kaum jemand - bis der Journalist Thomas Deichmann die "Geschichte hinter dem Bild" entdeckte.
Von innen nach draußen
Das Foto, weltweit in millionenfacher Auflage reproduziert, stammt aus der Reportage eines britischen Fernsehteams. Deichmanns Recherchen ergaben, dass nicht die gefilmten Lagerinsassen von Stacheldraht umgeben waren, sondern die britischen Journalisten, die aus einem umzäunten Grundstück heraus in das Gelände hineinfilmten. Auch waren nur wenige Insassen derart abgemagert wie der Mann im Mittelpunkt. In der so geschehenen Dramatisierung liegt die eigentliche Täuschung, denn: Wie auf dem Foto dargestellt, ist es nicht gewesen.
Embedded Journalism
Aktuellstes Beispiel für die Problematik, ob Bilder das zeigen, was wir sehen wollen oder das, was wir sehen sollen, ist das Konzept des Embedded Journalism ("eingebetteter Journalismus"), wie es von den USA im Irak-Konflikt angewandt wurde und wird. Bilder, die so entstehen, veranschaulichen rigoros nur das, was die Mächtigen uns wissen lassen wollen.
Digitale Fotografie fürs Lifestyle-Magazin: mit Photoshop sind Mitesser und Fältchen Fehlanzeige.
Harmlos muten da bildtechnische Manipulationen in Illustrierten, Modemagazinen und in der Werbung an. Wer will schon seinen Star oder das schöne Topmodel mit Falten, Pickeln oder Cellulitis sehen? Ein großer Unterschied zum dokumentarischen Foto besteht hier allerdings: Um die Unglaubwürdigkeit solcher Bilder wissen wir schon lange, nur macht es uns nichts aus, wir wollen die Täuschung.
Jenseits von Wahrheit und Lüge
Mit den neuen Verfahren digitaler Bildverarbeitung ist die technische Barriere für solche Manipulationen niedriger geworden. Doch die Hemmschwelle sank damit nicht, auch wenn solche Vermutung nahe liegt. Fälschen, Verzerren, Täuschen - da ist kein ursächlicher Zusammenhang zu den Möglichkeiten der Technik. Alles hängt ab von der Haltung des Subjekts, des Menschen hinter der Kamera, am Computer oder im Labor. Bilder an sich sind jenseits von Wahrheit und Lüge - sie sind nur Pixel oder Silberhalogenid.
Ulrike Wolf (21.01.2005/aktualisiert 16.10.2008)
Seite
1
| 2
Infobox
Die "dunkle Kammer"
Seit zwei Jahrtausenden ist das Prinzip der Camera obscura, auf dem die Kamera basiert, bekannt. Die "dunkle Kammer" ist eine Lochkamera, in die durch eine kleine Öffnung Licht einfällt. Ähnlich einer optischen Linse wird auf der Projektionsfläche ein - auf dem Kopf stehendes - Abbild beleuchteter Objekte erzeugt. Das Bild ist allerdings sehr lichtschwach und kann nur bei ausreichender Abdunkelung beobachtet werden.
Je kleiner der Durchmesser des Lochs, desto kleiner sind die Strahlenbündel und umso schärfer erscheint die Abbildung. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts nutzten Astronomen die Apparatur zum Beobachten von Sonnenfinsternissen. Ab Ende des 16. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert diente die Camera obscura Malern als Zeichenhilfe zur perfekten Wiedergabe der Proportionen.
Seit zwei Jahrtausenden ist das Prinzip der Camera obscura, auf dem die Kamera basiert, bekannt. Die "dunkle Kammer" ist eine Lochkamera, in die durch eine kleine Öffnung Licht einfällt. Ähnlich einer optischen Linse wird auf der Projektionsfläche ein - auf dem Kopf stehendes - Abbild beleuchteter Objekte erzeugt. Das Bild ist allerdings sehr lichtschwach und kann nur bei ausreichender Abdunkelung beobachtet werden.
Je kleiner der Durchmesser des Lochs, desto kleiner sind die Strahlenbündel und umso schärfer erscheint die Abbildung. Seit dem Ende des 13. Jahrhunderts nutzten Astronomen die Apparatur zum Beobachten von Sonnenfinsternissen. Ab Ende des 16. bis zum ausgehenden 18. Jahrhundert diente die Camera obscura Malern als Zeichenhilfe zur perfekten Wiedergabe der Proportionen.


