Fußball-Geschichte
Der moderne Fußball zählt zu den beliebtesten Sportarten der Welt. Die Geschichte des Spiels beginnt Jahrtausende, bevor die Briten den Kampf ums runde Leder so populär machten.Calcio fiorentino: Im 17. Jahrhundert spielte Florenz etwas Fußballähnliches.
Weg zwischen zwei Kirchen
Auch in anderen Ländern trat man den Ball: Im antiken Griechenland hieß das Spiel Episkyros. In Frankreich kannte man um die Jahrtausendwende das Soule. Bei jener Spielart musste der Ball einfach bis ans Ende des Spielfeldes gebracht werden. Das Feld war so lang wie eine Straße oder der Weg zwischen den Kirchen zweier benachbarter Orte. Nach England gelangte das Spiel schließlich durch Gefolgsleute Wilhelms des Eroberers nach ihrer siegreichen Schlacht bei Hastings 1066.
Die Regeln des Spiels: Der Folk Football wurde gegen Mitte des 19. Jahrhunderts gezähmt.
Der Folk Football oder Village Football war im mittelalterlichen England sehr beliebt. Ganze Ortschaften hatten manchmal an einem Spiel teil. Berühmt ist der Shrove-Tuesday-Kampf zwischen den Pfarrbezirken All Saints und St. Peter's in Derby. Rund tausend Spieler waren an diesem Kampf beteiligt, der etwa sechs Stunden dauerte und auch den Fluss Derwent einbezog. Es durfte mit Händen und Füßen gespielt werden. Eine klare Unterscheidung zwischen Spielern und Zuschauern im Folk Football gab es damals nicht. Ebenso wenig waren das Spielfeld, die Dauer, die Anzahl der Spieler, die Arbeitsteilung oder die Teams festgelegt.
Mehrmals verboten
Auch die Geschicklichkeit hatte keine große Bedeutung, entscheidend waren Kraft und Gewalt. Häufig kam es deshalb zu Verletzungen oder gar Todesfällen. Mehrmals verboten englische Herrscher zwischen 1314 und 1615 das Spiel - wegen "Gefährdung der öffentlichen Ordnung". Allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Die Zähmung des Folk Football begann erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der industriellen Revolution.
Rugby (hier ein Spiel im Jahr 2006) hat die gleichen Wurzeln wie Fußball. Getrennte Wege gingen die Sportarten wegen einer Frage: Darf der Ball getragen werden? (Bild: Hamedog)
Wichtige Streitfrage
Verschiedene englische Schulen, wie Rugby und Eton, erarbeiteten eigene Football-Regelwerke. Neben der Abseitsregel und dem Eindämmen des körperlichen Kontakts gab es eine weitere wichtige Streitfrage: Darf der Ball getragen werden oder nicht? Da es zu keiner Einigung kam, entwickelten sich zwei Spielarten: Der Association-Football, kurz "Soccer", bei dem ein Lederball nur mit dem Fuß oder dem Körper gestoßen werden darf, und Rugby, bei dem Handspiel ausdrücklich erlaubt ist.
Erster Fußballverband Europas
Der Versuch, ein einheitliches Regelwerk zu schaffen, führte am 26. Oktober 1863 Vertreter von zwölf Londoner Schulen und Vereinen in die Londoner Kneipe Freemason's Tavern. Dort gründeten sie den Englischen Fußballverband The Football Association (FA). Er war der erste Fußballverband Europas.
Die schönste Nebensache der Welt: Rund 6,7 Millionen Aktive kicken in über 25.700 Vereinen, die im Deutschen Fußball-Bund organisiert sind.
Waren dessen Gründungsmitglieder noch Aristokraten und Bürgerliche, wurde das Spiel bald auch bei Arbeitern immer beliebter, weil es billiger und weniger zeitraubend als Rugby und Cricket war; die wenigen Regeln waren leicht verständlich und für das Fußballspiel wurden verschiedene Spielertypen gebraucht. 1870 beschränkte die FA die Zahl der Spieler pro Mannschaft auf elf und veranstaltete ein Jahr später den ersten bedeutenden Fußball-Wettbewerb: den Challenge Cup.
Über sechs Millionen Mitglieder
Der erste deutsche Fußballverein wurde 1878 in Hannover gegründet; 1900 entstand der Deutsche Fußball-Bund (DFB). Er zählt heute mit mehr als 25.700 Vereinen und über 6,7 Millionen Mitgliedern zu Deutschlands größten gesellschaftlichen Gruppen. Die nationalen Fußballverbände aller Länder sind in der 1904 gegründeten Fédération Internationale de Football Association (FIFA) organisiert.
Gewichtheben am Endspieltag
Seit 1930 veranstaltet die FIFA Weltmeisterschaften. 2010 war zum ersten Mal ein afrikanisches Land Ausrichter des Turniers: Südafrika. Vom 11. Juni bis 11. Juli kickten dort Mannschaften aus 32 Ländern um den FIFA WM-Pokal, eine 37 Zentimeter hohe und 5,5 Kilogramm schwere Trophäe. Am Ende des Turniers reckten die Spieler aus Spanien die Statue in den Himmel. Auch wenn die Mannschaft aus Deutschland 2010 "nur" Platz 3 belegte: Mit drei Weltmeister- und drei Europameistertiteln gehören die DFB-Herren zu den weltweit erfolgreichsten Nationalmannschaften.
Christiane Nienhold (aktualisiert 15.06.2011)
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Infobox
Kleine Momente
Es gibt Augenblicke im Fußball, die im kollektiven Gedächtnis hängen bleiben und sogar späteren Generationen ein Begriff sind: das Wembley-Tor 1966 zum Beispiel, die "Hand Gottes" des Diego Maradona 1986, das "Lama" Frank Rijkaard 1990, Zinedine Zidanes Kopfstoß 2006. Oft sind es die ganz Großen, die Stars, die solche Momente bestimmen. Den Reiz des Sports - und des Zuschauens am Fernsehbildschirm - machen indes vor allem kleine Momente aus, Geschichten von Außenseitern, denen für einen Augenblick die ganze Fußballwelt zu Füßen liegt. Hier eine kleine Auswahl.
Tanz den Makossa: Zum zweiten Mal ist Kamerun 1990 bei einer WM, und schlägt im Auftaktmatch in Rom Titelverteidiger Argentinien mit 1:0. Mit erfrischendem Angriffsfußball spielen sich die "Löwen" in die Herzen der Fans und ins Viertelfinale. Überragender Mann: der aus dem Ruhestand reaktivierte Roger Milla, 38 Jahre jung. Jeden seiner insgesamt vier Treffer feiert der Star mit einer Tanzeinlage an der Eckfahne, dem Makossa.
5 in einem Spiel: Einmal schon hat der russische Nationalspieler Oleg Salenko während der WM getroffen, als er am 28. Juni 1994 in San Francisco (USA) den Rasen betritt. Vier Schüsse aus kurzer Distanz und einen Elfmeter später hat Salenko einen Rekord aufgestellt: Kein anderer Spieler erzielte je fünf Tore in einem WM-Spiel. Trotz des 6:1-Siegs gegen Kamerun ist für die russische Mannschaft nach der Vorrunde schon Endstation.
Außenseiter im Viertelfinale: Mit einem Weiterkommen der Mannschaft aus dem Senegal rechnet 2002 wohl niemand, zumal der Gegner im ersten Spiel amtierender Weltmeister ist und Frankreich heißt. Dank des überragenden Stürmers El Hadji Diouf gelingt den Afrikanern ein 1:0-Sieg. Im Achtelfinale setzt sich Senegal noch gegen Schweden durch; erst im Viertelfinale ist Schluss gegen die Türkei. Auch die Mannschaft vom Bosporus präsentiert sich während des Turniers stärker als von Experten vorhergesehen und belegt am Ende Platz 3.
Party statt Treffer: Kein Tor, nur 1 Punkt, das ist die Bilanz der ersten WM-Teilnahme der Mannschaft aus Trinidad und Tobago, 2006 in Deutschland. Dafür feierten die Fans aus der Karibik die buntesten und ausgelassensten Partys in den Stadien. Taktgeber war eine Musik namens Soca, eine Mischung aus Calypso und indischen Rhythmen. Trinidad und Tobago (rund 1,3 Millionen Einwohner) ist übrigens das kleinste Land, das je an einer WM teilgenommen hat. Das ist in etwa so, als würde die Stadt München eine Mannschaft schicken.
Es gibt Augenblicke im Fußball, die im kollektiven Gedächtnis hängen bleiben und sogar späteren Generationen ein Begriff sind: das Wembley-Tor 1966 zum Beispiel, die "Hand Gottes" des Diego Maradona 1986, das "Lama" Frank Rijkaard 1990, Zinedine Zidanes Kopfstoß 2006. Oft sind es die ganz Großen, die Stars, die solche Momente bestimmen. Den Reiz des Sports - und des Zuschauens am Fernsehbildschirm - machen indes vor allem kleine Momente aus, Geschichten von Außenseitern, denen für einen Augenblick die ganze Fußballwelt zu Füßen liegt. Hier eine kleine Auswahl.
Tanz den Makossa: Zum zweiten Mal ist Kamerun 1990 bei einer WM, und schlägt im Auftaktmatch in Rom Titelverteidiger Argentinien mit 1:0. Mit erfrischendem Angriffsfußball spielen sich die "Löwen" in die Herzen der Fans und ins Viertelfinale. Überragender Mann: der aus dem Ruhestand reaktivierte Roger Milla, 38 Jahre jung. Jeden seiner insgesamt vier Treffer feiert der Star mit einer Tanzeinlage an der Eckfahne, dem Makossa.
5 in einem Spiel: Einmal schon hat der russische Nationalspieler Oleg Salenko während der WM getroffen, als er am 28. Juni 1994 in San Francisco (USA) den Rasen betritt. Vier Schüsse aus kurzer Distanz und einen Elfmeter später hat Salenko einen Rekord aufgestellt: Kein anderer Spieler erzielte je fünf Tore in einem WM-Spiel. Trotz des 6:1-Siegs gegen Kamerun ist für die russische Mannschaft nach der Vorrunde schon Endstation.
Außenseiter im Viertelfinale: Mit einem Weiterkommen der Mannschaft aus dem Senegal rechnet 2002 wohl niemand, zumal der Gegner im ersten Spiel amtierender Weltmeister ist und Frankreich heißt. Dank des überragenden Stürmers El Hadji Diouf gelingt den Afrikanern ein 1:0-Sieg. Im Achtelfinale setzt sich Senegal noch gegen Schweden durch; erst im Viertelfinale ist Schluss gegen die Türkei. Auch die Mannschaft vom Bosporus präsentiert sich während des Turniers stärker als von Experten vorhergesehen und belegt am Ende Platz 3.
Party statt Treffer: Kein Tor, nur 1 Punkt, das ist die Bilanz der ersten WM-Teilnahme der Mannschaft aus Trinidad und Tobago, 2006 in Deutschland. Dafür feierten die Fans aus der Karibik die buntesten und ausgelassensten Partys in den Stadien. Taktgeber war eine Musik namens Soca, eine Mischung aus Calypso und indischen Rhythmen. Trinidad und Tobago (rund 1,3 Millionen Einwohner) ist übrigens das kleinste Land, das je an einer WM teilgenommen hat. Das ist in etwa so, als würde die Stadt München eine Mannschaft schicken.



