Mit königlichem Blick
Ob die Anlagen fürstlicher Residenzen oder das Blumenbeet hinterm Haus - Gärten dienten schon immer der Erbauung, der Zerstreuung sowie dem Lustgewinn. Und sie verweisen stets auf die Verhältnisse der Zeit.Berühmtester Gartenkünstler des Barock: André Le Nôtre (1613 bis 1700), Schöpfer der Gärten von Versailles. (Gemälde von Carlo Maratta, um 1680)
Ludwig XIV. empfiehlt, zunächst auf den Stufen des großen Parterres stehen zu bleiben, sich dort über die Lage der Terrassen zu orientieren und die Brunnen in ihrer Wechselwirkung zu bestaunen.
Dann folge man der Hauptallee bis zum Grand Canal, um von hier auf das Schloss zurückzublicken. Schließlich wende man sich nach links, gehe durch die Bosketts bis zur Orangerie, überquere das Parterre und kehre zum Kanal zurück.
Stinkendes Gesamtkunstwerk?
Die atemberaubende Größe und Gestaltung des königlichen Gartens entzückte jedoch nicht jeden. So erinnert sich der Herzog von Saint-Simon, Augenzeuge und kritischer Chronist des Versailler Hofstaates unter Ludwig XIV., in seinen Memoiren: "Man kann nicht umhin, von der Vergewaltigung der Natur, die man überall antrifft, abgestoßen und angewidert zu werden. Zahllose, von überall hergeleitete und herbeigezwungene Wasserläufe stagnieren grün, dickflüssig und sumpfig. Sie verbreiten eine ungesunde, fühlbare Feuchtigkeit und einen starken Geruch."
Das viel beschworene "Gesamtkunstwerk", das heute Millionen Touristen in Staunen versetzt - war es nur eine malträtierte, stinkende Landschaft? Müssen wir ihn uns so vorstellen, den prächtigsten aller Gärten, so groß und schön wie kein anderer auf der Welt, jenen Garten, den sich andere europäische Monarchen zum Vorbild nahmen, freilich ohne je das Original erreichen zu können?
Wie wir noch sehen werden, steckt hinter der Kritik Saint-Simons mehr als nur Missfallen an der "unterjochten Natur". Als "unvergleichlich" beschreibt er sie nämlich ebenso, die "Wirkung der Brunnen und der anderen Künste, obwohl sie viel Pflege und Mühe kosten".
Ein Park, der seinesgleichen sucht
Und das taten sie zweifellos: Zwischen 1662 und 1688 waren viele Tausend Arbeiter damit beschäftigt, kilometerlange Kanäle zu graben, hunderte Brunnen auszuheben, das Erdreich des rund hundert Hektar großen Areals umzuwälzen und Wälder anzulegen.
Heerscharen von Gärtnern kümmerten sich um die Aufzucht der Pflanzen und um das Beschneiden der unzähligen Hecken und Bäume. Unter der Aufsicht André Le Nôtres, des berühmtesten Gartenarchitekten jener Zeit, entstand auf dem Gebiet eines trockengelegten Sumpfes ein Park, der in Frankreich und Europa seinesgleichen suchte.
Ideale Kulisse
Ein großes Rechteck bildet die Grundfläche des Gartens. Nach etwa eintausend Metern schließt eine breite Querallee den ersten, von unzähligen Parterres bestimmten Teil ab. Solche prächtig dekorierten, terrassenartigen Areale zählen zu den Höhepunkten jedes Barockgartens.
Ganz in der Nähe des Schlosses gelegen, ließ sich von dort aus die Komposition aus ornamentalen Rasenflächen, bunten Blumenrabatten, Wasserspielen und den zu barocken Figuren und Formenelementen beschnittenen Buchsbäumchen vortrefflich bestaunen. Und während des königlichen Spaziergangs diente das Parterre den Damen als ideale Kulisse, ihre edlen Roben zur Schau zu stellen.
Am Kreuzungspunkt von Quer- und Hauptallee steht das 117 Meter lange und 87 Meter breite Bassin d'Apollon. Den strahlenden Sonnengott der griechischen Mythologie hatte der "Roi soleil" zur Symbolfigur seiner Herrschaft gemacht...
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André Le Nôtre...
wird am 12. März 1613 in eine der bekanntesten Gärtner-Dynastien Frankreichs hineingeboren. Bereits Le Nôtres Großvater und Vater standen als Gärtner des Tuilerien-Gartens im Dienst des französischen Königshauses.
1630 beginnt Le Nôtre das Kunststudium beim Hofmaler Simon Vouet, der ihn mit den Kompositionsprinzipien der Malerei, etwa der Anwendung der Perspektive, sowie der Formensprache der barocken Architektur vertraut macht und ihn darüber hinaus in der Geometrie und der Mathematik schult.
Bereits zu dieser Zeit entwirft Le Nôtre erste Gartenpläne und beschäftigt sich im Park des Tuilerien-Schlosses auch praktisch mit der Anlage von Gärten. 1635 wird Le Nôtre Erster Gärtner des Bruders von König Ludwig XIII., Gaston d'Orleans.
Weitere Stufen auf der Karriereleiter sind die Arbeit im königlichen Garten in Fontainbleau (1645) sowie die Verbeamtung als Gärtner in den Tuilerien (1649). Zwischen 1656 und 1661 entsteht unter Le Nôtres Leitung der prachtvolle Barock-Garten von Vaux le Vicomte bei Paris.
Auftraggeber ist Finanzminister Nicolas Fouquet, der mit dieser repräsentativen Anlage seine Macht demonstrieren will - sich aber vor allem den Neid des jungen Königs Ludwig XIV. zuzieht. Fouquet wird verhaftet und Le Nôtre beauftragt, in Versailles einen noch schöneren Garten zu schaffen, der alles bisher Bekannte übertreffen soll.
Le Nôtre gelingt dieses Kunststück; sein Meisterwerk wird zum Vorbild für viele fürstliche Gärten Europas. Zum Dank erhebt Ludwig seinen obersten Gartenarchitekten 1675 in den Adelsstand.
Am 15. September 1700 stirbt Andre Le Nôtre in seinem Haus in den Tuilerien. Im Garten steht heute ein Denkmal mit der Inschrift "Dem Schöpfer der schönsten Gärten Frankreichs".
wird am 12. März 1613 in eine der bekanntesten Gärtner-Dynastien Frankreichs hineingeboren. Bereits Le Nôtres Großvater und Vater standen als Gärtner des Tuilerien-Gartens im Dienst des französischen Königshauses.
1630 beginnt Le Nôtre das Kunststudium beim Hofmaler Simon Vouet, der ihn mit den Kompositionsprinzipien der Malerei, etwa der Anwendung der Perspektive, sowie der Formensprache der barocken Architektur vertraut macht und ihn darüber hinaus in der Geometrie und der Mathematik schult.
Bereits zu dieser Zeit entwirft Le Nôtre erste Gartenpläne und beschäftigt sich im Park des Tuilerien-Schlosses auch praktisch mit der Anlage von Gärten. 1635 wird Le Nôtre Erster Gärtner des Bruders von König Ludwig XIII., Gaston d'Orleans.
Weitere Stufen auf der Karriereleiter sind die Arbeit im königlichen Garten in Fontainbleau (1645) sowie die Verbeamtung als Gärtner in den Tuilerien (1649). Zwischen 1656 und 1661 entsteht unter Le Nôtres Leitung der prachtvolle Barock-Garten von Vaux le Vicomte bei Paris.
Auftraggeber ist Finanzminister Nicolas Fouquet, der mit dieser repräsentativen Anlage seine Macht demonstrieren will - sich aber vor allem den Neid des jungen Königs Ludwig XIV. zuzieht. Fouquet wird verhaftet und Le Nôtre beauftragt, in Versailles einen noch schöneren Garten zu schaffen, der alles bisher Bekannte übertreffen soll.
Le Nôtre gelingt dieses Kunststück; sein Meisterwerk wird zum Vorbild für viele fürstliche Gärten Europas. Zum Dank erhebt Ludwig seinen obersten Gartenarchitekten 1675 in den Adelsstand.
Am 15. September 1700 stirbt Andre Le Nôtre in seinem Haus in den Tuilerien. Im Garten steht heute ein Denkmal mit der Inschrift "Dem Schöpfer der schönsten Gärten Frankreichs".



