Alligator im Badesee
Tierliebe hin, Sicherheit her - für Exoten wie zum Beispiel Zwergalligatoren, Gift- und Riesenschlangen oder Vogelspinnen ist das Dasein als Haustier mitunter eine kaum vorstellbare Qual.Zum Kuscheln ungeeignet: Vogelspinnen.
Sympathie und Schuldzuweisungen
Ein Aufschrei der Empörung folgte allerdings auf dem Fuß: Das "Krokodil im See" - Sammy war lediglich siebzig Zentimeter lang - rückte die Halter exotischer Haustiere in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Während dem von Tauchern und Scharfschützen gejagten Alligator große Sympathie zuteil wurde, konnte sich sein Herrchen vor Anschuldigungen seitens aufgebrachter Tierschützer kaum retten.
Ein Alligator als Haustier?
Und das zu Recht: Abgesehen davon, dass es unverantwortlich ist, ein Raubtier - und das ist Sammy trotz geringer Körpergröße nun mal - mit an einen Badestrand zu nehmen und dadurch Menschen zu gefährden, eignet sich ein Alligator kaum als Haustier. Doch die Zahl der Haushalte in Deutschland, in denen exotische - und zum Teil höchst gefährliche - Tiere gehalten werden, steigt.
Sogar die Grüne Mamba, die gefährlichste Giftschlange der Welt, hält bereits Einzug in heimische Terrarien.
So landen jährlich zehntausende Reptilien - Krokodile, Gift- und Riesenschlangen -, aber auch viele Exemplare diverser Spinnenarten in der Obhut privater "Tierliebhaber". Das Geschäft mit den Exoten boomt: Ohne Sachkenntnis kann jeder im Zoohandel, auf Tier-Börsen oder über das Internet Reptilien kaufen. In den seltensten Fällen jedoch realisieren die Halter die Bedürfnisse ihrer anspruchsvollen Haustiere. Haben diese doch häufig einen einzigen Zweck: als Sammel- und Prestigeobjekte die Wohnung des Halters zu "dekorieren".
Qualvolles Dasein
Folglich ist verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren kaum gewährleistet. Oft fristen sie ein qualvolles Dasein: Eklatante Fehler bei der Haltung können zu Missbildungen, zu entzündeten Wunden oder gar zum Verlust von Extremitäten führen. Häufig endet das Leiden in einem frühen Tod, oft bereits nach Wochen oder Monaten.
Original bevorzugt
Vorbei sind die Zeiten, als eine Siamkatze noch ein exotisches Haustier war. Denn statt des putzigen Stubentigers bevorzugt manch "Tierfreund" nun das Original. So wurde im Oktober 2003 ein Mann in ein New Yorker Krankenhaus eingeliefert, weil sein Haustier ihn angegriffen hatte - ein über zweihundert Kilo schwerer Tiger. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den Mann Anklage wegen "rücksichtsloser Gefährdung der Allgemeinheit" - warum aber nicht auch wegen Tierquälerei? Darum handelt es sich bei solcher Art "Tierliebe" nämlich meist. Selbst mit großem Aufwand kann so ein besonderes Haustier kaum artgerecht gehalten werden.
Zerstörungswütige Minischweine
Denn bei weitem nicht jedes Tier eignet sich wirklich als Haustier. Das wird am neuen "Modetrend" Minischwein deutlich: Auch wenn der dickköpfige und zerstörungswütige Allesfresser in diversen Fernsehserien als niedlicher Zimmergenosse präsentiert wird - von Nachahmung sei abgeraten. Was für die Einschaltquote gut sein mag - für das Mobiliar und für die Nerven des Halters ist es das mit Sicherheit kaum: Schwein bleibt eben Schwein.
Ulrike Wolf (09.06.2004/akt. 25.03.2010)
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Infobox
Wer sich ein Haustier zulegen will, sollte im Vorfeld über dessen natürliche Eigenheiten und Vorlieben Bescheid wissen. Nur so ist eine artgerechte Haltung möglich. Folgende Vereine und Portale bieten weiterführende Informationen:
www.haustier-zoo.de
www.tierschutzbund.de
www.mensch-heimtier.de
www.heim-und-haustiere.de



