Selbst ist der Mann
Baumärkte haben Hochkonjunktur. Und diverse TV-Heimwerkersendungen zeigen dem interessierten Publikum, wie einfach es ist, seine Möbel selbst zu bauen. Ein ganzes Land hat das Selbermachen für sich entdeckt.Ob dem Heimwerker bewusst ist, welchen Gefahren er sich da gerade aussetzt?
Bei der Renovierung der eigenen vier Wände komme es zu den ungewöhnlichsten Unfällen, erklärte die Gesellschaft: Einmal scheiterte ein Mann dabei, die alte Tapete mit einem Beil zu entfernen. In einem anderen Fall fiel ein Heimwerker von der Leiter und verletzte dabei seine unter ihm stehende Ehefrau. Ob es sich dabei jedoch tatsächlich um einen Unfall oder nicht eher um Rache handelte, ist nicht bekannt.
Ausbessern, aufpolieren, austauschen
All diesen Gefahren setzen sich auch deutsche Heimwerker Tag für Tag aus. Umfragen des Nürnberger Marktforschungsinstitutes ICON haben gezeigt, dass im Verlauf von drei Jahren rund sechzig Prozent der Deutschen renovieren oder modernisieren: Da werden in Eigenleistung Wände und Decken ausgebessert, tapeziert oder gestrichen, Bäder und Küchen aufpoliert oder erneuert sowie Fenster, Türen, Jalousien und Böden ausgetauscht.
Heimwerken gehört zu der Deutschen beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Selber machen liegt im Trend. Heute geht es - im Vergleich zu den Improvisationskünstlern aus vergangenen Zeiten - in erster Linie nicht mehr darum, aus der Not eine Tugend zu machen. Zwar spielen finanzielle Gründe noch immer eine wichtige Rolle; immerhin sind die Kosten für eine Renovierung durch professionelle Handwerker rund fünf mal so hoch wie für eine selbstausgeführte. Doch für viele ist das Do-it-Yourself-Prinzip zur Passion geworden.
Das Leben ist eine Baustelle
In Zeiten wirtschaftlicher Krisen, steigender Arbeitslosigkeit (verbunden mit viel Freizeit) und alinearer Lebensläufe kommt es verstärkt zum Rückzug in die eigenen vier Wände. Häufig geraten Wohnräume zu Baustellen, die dem Leben einen Sinn geben sollen. Der aktuelle Trend zum Selbermachen erreicht deshalb auch immer mehr die junge Zielgruppe - eine Tatsache, die wohl auch die steigende Zahl von Heimwerker-Sendungen vieler deutscher Programmanbieter erklärt.
Was mit IKEA begann, hat nun auch OBI, Praktiker und sonstige Baumärkte erreicht. Nun, nicht jeder, der weniger als einen Tag dazu benötigt, ein Billy-Regal aufzubauen, kann sich gleich als talentierten Handwerker betrachten.
Was aber zählt, ist die Erfahrung handwerklicher Arbeit. In der digitalisierten Welt kommt diese Erfahrung einem "Zurück zu den Wurzeln" gleich: eine selbst gestrichene Wand, eine selbst verlegte Fliese, ein selbst zusammengebautes Regal als Sinnbilder der Selbstverwirklichung.
Weniger philosophisch, eher pragmatisch sieht der typische "Eigenheim-Verschönerer" sein Werk. Umfragen ergaben, dass 95 Prozent der deutschen Heimwerker ihren Wohnraum dekorativ gestalten und modernisieren. Ein ehrgeiziges Projekt folgt dem nächsten, nicht immer zur Freude der Familie.
Motiv: Eindruck schinden
Übrigens belegen Studien auch, dass rund fünfzehn Prozent der männlichen Heimwerker Wände streichen und tropfende Wasserhähne reparieren, um ihre Partnerinnen zu beeindrucken. Die restlichen 85 Prozent tun wahrscheinlich das, was die ICON-Umfrage ermittelt hat: Sie machen, was ihre Frauen ihnen sagen. Sie bestimmt über Tapeten, Teppiche, Möbel und Farben, an ihm bleibt dann das Tapezieren, Streichen und Aufbauen hängen.
Von kleineren Reparaturen lässt Frau sich nicht einschüchtern. Die Zahl begeisterter Heimwerkerinnen steigt.
Unvollkommenheit und Unvermögen
Wie sich die Begeisterung des "schwachen" Geschlechts fürs Heimwerken auf die Unfallstatistik auswirken wird, bleibt abzuwarten. Während allerdings Männer Verletzungen gerne der Unvollkommenheit des verwendeten Materials zuschreiben statt ihrem eigenen Unvermögen, wissen Frauen meist, wo ihre Grenzen liegen. "Selbst ist die Frau", sagen sie sich - und bitten einfach den handwerklich begabten Nachbarn um Hilfe.
Ulrike Wolf (aktualisiert 18.03.2011)
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Gefährliches Hobby
Gründe, weshalb Heimwerken so beliebt ist, gibt es einige: Da wäre beispielsweise die Möglichkeit, Geld zu sparen, der Stolz auf die eigene Leistung oder die Freude an handwerklicher Arbeit.
Allerdings ist Heimwerken nicht ganz ungefährlich, wie Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (kurz BAuA) belegen: Rund 300.000 Heimwerkerunfälle werden im Jahr gezählt; das sind mehr als 800 pro Tag!
Am häufigsten verletzen sich die Freizeit-Handwerker mit scharfen oder spitzen Gegenständen (44 Prozent), laut BAuA ist jeder fünfte Unfall (21 Prozent) ein "Zusammenstoß mit Gegenständen" und bei 17 Prozent führte ein Sturz zu Verletzungen.
Häufigste Verletzungsarten sind offene Wunden (41,5 Prozent), Prellungen (14,1 Prozent) sowie Knochenbrüche (10,5 Prozent). Finger und Hände sind mit 46,7 Prozent die meistverletzten Körperteile. Bei zwei von drei Unfällen ist eine Maschine im Spiel.
Ursachen gibt es viele: Verhaltensfehler, wie der sicherheitswidrige Einsatz von Schleifmaschine oder Elektrohobel, Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Eile führen am häufigsten zu Unfällen.
Gründe, weshalb Heimwerken so beliebt ist, gibt es einige: Da wäre beispielsweise die Möglichkeit, Geld zu sparen, der Stolz auf die eigene Leistung oder die Freude an handwerklicher Arbeit.
Allerdings ist Heimwerken nicht ganz ungefährlich, wie Zahlen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (kurz BAuA) belegen: Rund 300.000 Heimwerkerunfälle werden im Jahr gezählt; das sind mehr als 800 pro Tag!
Am häufigsten verletzen sich die Freizeit-Handwerker mit scharfen oder spitzen Gegenständen (44 Prozent), laut BAuA ist jeder fünfte Unfall (21 Prozent) ein "Zusammenstoß mit Gegenständen" und bei 17 Prozent führte ein Sturz zu Verletzungen.
Häufigste Verletzungsarten sind offene Wunden (41,5 Prozent), Prellungen (14,1 Prozent) sowie Knochenbrüche (10,5 Prozent). Finger und Hände sind mit 46,7 Prozent die meistverletzten Körperteile. Bei zwei von drei Unfällen ist eine Maschine im Spiel.
Ursachen gibt es viele: Verhaltensfehler, wie der sicherheitswidrige Einsatz von Schleifmaschine oder Elektrohobel, Unaufmerksamkeit, Leichtsinn oder Eile führen am häufigsten zu Unfällen.
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Tipps für sicheres Heimwerken
Wer sich an einige Vorsichtsmaßnahmen hält, senkt sein Unfallrisiko erheblich. Erstes Heimwerker-Gesetz: Zeit einplanen und gut vorbereiten. Eile und Hast sind bei der Arbeit mit Werkzeugen und Maschinen unangebracht, die Arbeitszeit sollte der Hobby-Handwerker großzügig kalkulieren.
Schutzvorrichtungen dürfen von den Maschinen nicht entfernt werden, auch wenn die Arbeit dann schneller gehen würde. Wichtig ist die entsprechende Schutzbekleidung - je nach Werkzeug oder Maschine etwa Arbeitshandschuhe, Schutzbrille, Atemschutz, Gehörschutz oder Sicherheitsschuhe.
Do-it-yourself-Anhänger sollten Ihre eigenen Kräfte nicht überschätzen und regelmäßige Pausen einlegen. Das ist wichtig für die Konzentration, denn Unachtsamkeit kann schwerwiegende Folgen haben.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rät, bei Ablenkung oder kurzen Unterbrechungen den Motor der Maschine sofort auszuschalten. So wird das Basteln in der Heimwerkstatt nicht zum gefährlichen Abenteuer.
Schutzvorrichtungen dürfen von den Maschinen nicht entfernt werden, auch wenn die Arbeit dann schneller gehen würde. Wichtig ist die entsprechende Schutzbekleidung - je nach Werkzeug oder Maschine etwa Arbeitshandschuhe, Schutzbrille, Atemschutz, Gehörschutz oder Sicherheitsschuhe.
Do-it-yourself-Anhänger sollten Ihre eigenen Kräfte nicht überschätzen und regelmäßige Pausen einlegen. Das ist wichtig für die Konzentration, denn Unachtsamkeit kann schwerwiegende Folgen haben.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin rät, bei Ablenkung oder kurzen Unterbrechungen den Motor der Maschine sofort auszuschalten. So wird das Basteln in der Heimwerkstatt nicht zum gefährlichen Abenteuer.



