Ein Kühlschrank, der Milch im Supermarkt bestellt? - Keine Zukunftsmusik; vielleicht ist das bald schon Alltag. (Foto: ys)
Alles außer Kochen
Vor fünf Jahren noch ist Herbert in seiner Freizeit mit Freunden um die Häuser gezogen. Heute lädt der Geschäftsmann lieber zu sich nach Hause. Jede freie Minute verbringt der Hobby-Koch in seiner Profi-Küche: Hier zaubert Herbert auf dem Induktionsherd Perlhuhn à la minute - mit frischem Gemüse als Beilage, das im integrierten Dampfgarer Farbe, Geschmack und Biss behält. Dazu: ein edler Tropfen aus dem Wein-Degustierschrank - kredenzt auf einem zum Kücheninterieur passenden Holztisch.Nabel der Wohnung
Nicht allein die Beköstigung seiner Freunde macht Herbert Spaß. Vielmehr bereitet ihm heimeliges - und hochwertiges - Küchenambiente Entspannung nach einem stressigen Arbeitstag. Spießig? Mitnichten! Küche als Raum hat Konjunktur. Sie ist der Nabel der Wohnung. Längst mehr als nur ein Ort der Nahrungsmittelzubereitung, dient sie der Geselligkeit und der Kommunikation, aber auch dem Rückzug vor dem Draußen.
"Drehscheibe unserer Emotionen"
Wie kaum ein anderer Wohnraum liegt die Küche damit im Trend: je größer die Alltagsbelastung, desto mehr wächst das Bedürfnis nach dem individuell geprägten Reich zum Zusammenkommen und Entspannen. So tüfteln Designer schon seit Jahren an einer Küche fürs dritte Jahrtausend, einer Feuerstelle, um die sich die ganze Familie versammeln soll. Der Küchengestalter Alberto Colonello sieht in der Küche gar die künftige "Drehscheibe unserer Emotionen".
Hochglanzprospekte und Küchenstudios
Wie solche Zukunft aussehen kann, das vermitteln Hochglanzprospekte und Küchenstudios der höheren Preisklasse schon heute: vorbei scheint die Zeit klassischer Einbauküchen in Eiche rustikal. Schnörkellos, minimalistisch und futuristisch kommen die neuen Edeldesign-Küchen aus Chrom, Aluminium oder hochwertigem Holz mit ihrer Spitzentechnologie daher. Nippes? Den sucht man vergebens - ebenso alles, was mit Essen zu tun hat. Geschnittenes Gemüse oder ein überkochender Topf würden die Ordnung nur stören. Eine einsame Schale Obst auf der Anrichte oder ein Strauß Basilikum auf dem Tisch sind nicht etwa Zufall, sondern bewusst gesetzte Dekoration.
Kühlschrank mit künstlichem Gehirn
Reduktion, Ergonomie und Funktionalität heißen die Schlagworte, die den Trend bestimmen - und die eines garantieren sollen: eine Erleichterung der Hausarbeit. Schließlich kann nur entspannen, wer nicht in lästigen Routinearbeiten erstickt. Schon heute besitzt jeder Haushalt durchschnittlich dreißig Elektrogeräte, von denen ein Großteil - Mikrowelle, Mixer, Toaster oder Kaffeemaschine - den Platz in der Küche haben. Bald könnte ein intelligenter Kühlschrank daneben stehen, der auf abgelaufene Lebensmittel hinweist und selbstständig Milch im Supermarkt bestellt. Wissenschaftler basteln am intelligenten Löffel, der Zutaten analysiert und Rezept-Tipps gibt.
Kommandozentrale Küche
Visionen von Küchenherstellern, Trendforschern und Geräteherstellern zum Thema Küche 2050 gehen allerdings sehr viel weiter - abgestimmt auf Bedürfnisse und Geldbeutel der Käufer. Ein Eldorado für Technikfreaks könnte in vierzig Jahren beispielsweise die Elektronikküche sein, in der Haushaltsroboter Essen servieren, Brot backen und Geschirr spülen. Die Küche wäre dann Kommandozentrale für alle Handlungsabläufe im Haus...
Teil 1: Schnörkellos, minimalistisch, futuristisch
Teil 2: Küchen für Bio-Fans, Nomaden, Selbstständige
Teil 2: Küchen für Bio-Fans, Nomaden, Selbstständige
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Infobox
Gemüseschäume und heißes Eis
Ein Kocherlebnis der anderen Art garantiert die Molekularküche des spanischen Profi-Kochs Ferran Adrià. Hier wird die traditionelle Essenszubereitung durch andere chemische und physikalische Vorgänge ersetzt. Unter Zuhilfenahme von flüssigem Stickstoff, Calciumchloridlösungen, Xanthan und weiteren Ingredienzien entstehen Schäume aus Gemüse, heißes Eis, das beim Abkühlen im Mund schmilzt, oder Bonbons aus Olivenöl. Für den Hausgebrauch ist die Molekularküche, die eher an Moderne Kunst erinnert, allerdings nicht geeignet.
Ein Kocherlebnis der anderen Art garantiert die Molekularküche des spanischen Profi-Kochs Ferran Adrià. Hier wird die traditionelle Essenszubereitung durch andere chemische und physikalische Vorgänge ersetzt. Unter Zuhilfenahme von flüssigem Stickstoff, Calciumchloridlösungen, Xanthan und weiteren Ingredienzien entstehen Schäume aus Gemüse, heißes Eis, das beim Abkühlen im Mund schmilzt, oder Bonbons aus Olivenöl. Für den Hausgebrauch ist die Molekularküche, die eher an Moderne Kunst erinnert, allerdings nicht geeignet.
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Die Frankfurter Küche
Bestrebungen, die Hausarbeit zu erleichtern, reichen über achtzig Jahre zurück. Gaben Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts noch unhandliche, schwere Küchenmöbel den Ton an, entwarf die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky in den 1920er Jahren die Frankfurter Küche - den Vorläufer späterer Einbauküchen. Erstmals waren Herd, Spüle, Aufbewahrungsschränke und Arbeitsplatte in einer kompakten Küchenzeile zusammengefasst, um die Handlungsabläufe in der Küche zu rationalisieren. Die dadurch gesparte Zeit sollte die Hausfrau in ihre Familie investieren.
Breite Anwendung fand die Frankfurter Küche im Zuge des aufkommenden Massenwohnungsbaus: Beengte Wohnverhältnisse verlangten nach einem neuen Küchenkonzept. Daher wurde Schütte-Lihotzkys Modell schon bald als Maßanfertigung gebaut, der Preis dafür einfach auf die Miete aufgeschlagen. Allerdings war die Küche nur für eine Person konzipiert, was Frauenrechtlerinnen später kritisierten: so habe die Frankfurter Küche die Frauenarbeit nicht aufgewertet, sondern zur Isolation der Frau beigetragen.
Bestrebungen, die Hausarbeit zu erleichtern, reichen über achtzig Jahre zurück. Gaben Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts noch unhandliche, schwere Küchenmöbel den Ton an, entwarf die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky in den 1920er Jahren die Frankfurter Küche - den Vorläufer späterer Einbauküchen. Erstmals waren Herd, Spüle, Aufbewahrungsschränke und Arbeitsplatte in einer kompakten Küchenzeile zusammengefasst, um die Handlungsabläufe in der Küche zu rationalisieren. Die dadurch gesparte Zeit sollte die Hausfrau in ihre Familie investieren.
Breite Anwendung fand die Frankfurter Küche im Zuge des aufkommenden Massenwohnungsbaus: Beengte Wohnverhältnisse verlangten nach einem neuen Küchenkonzept. Daher wurde Schütte-Lihotzkys Modell schon bald als Maßanfertigung gebaut, der Preis dafür einfach auf die Miete aufgeschlagen. Allerdings war die Küche nur für eine Person konzipiert, was Frauenrechtlerinnen später kritisierten: so habe die Frankfurter Küche die Frauenarbeit nicht aufgewertet, sondern zur Isolation der Frau beigetragen.



