Mut zum Abgrund
Mitunter kommt ein Ergebnis künstlerischen Schaffens besonders gut an, trifft den Nerv der Zeit. Die Bilder der Neuen Leipziger Schule, bei Sammlern und Mäzenen fast überall auf der Welt gefragt, sie sind so ein Fall.Es gibt Minuten am Morgen, in denen die Realität noch nicht zur gewohnten Ordnung gefunden hat. Noch bestimmen Traumszenen das visuelle Gedächtnis, farbenstark, mit deutlichen, messerscharfen Konturen. Langsam aber erwacht die zensierende Logik des Alltags. Das Gesehene erscheint nun befremdend, oftmals bedrohlich, auf jeden Fall rätselhaft. Bald verschiebt waches Bewusstsein die problematischen Visionen in irgendein verborgenes Fach des Vergessens - aus dem erst die nächste Nacht, der nächste Traum, sie vielleicht wieder hervorkramen wird.
Verbreitete Ahnung
Zwischendurch kann es sein, dass uns solche dann ziemlich alogischen Szenerien auch an den Brüchen des Tages vor Augen treten: Vieles hängt ab vom Subjekt und - sind die Visionen mal da - stützt dessen Ahnung, wie sehr alle logisch strukturierte Alltagswelt bloß eine Schicht komplexerer Wirklichkeit ist. Die Bilder des Leipziger Malers Neo Rauch dürften aus dieser übrigens weit verbreiteten Ahnung ein gutes Stück ihrer Wirkung beziehen.
Made in Leipzig
Kein Zweifel, Neo Rauch - ist Mode: Sammler stehen vor seinen Werken Schlange; der Künstler ist für Monate ausgebucht. Das Wort von der "phantastischen Realistik" macht die Runde; Made in Leipzig ist zum Kunstlabel geworden, auch international, vor allem in den USA. Am wichtigsten aber: "Richtig malen" - nach Jahrzehnten der Abstraktion, der Videokunst und der Installation - ist wieder angesagt. Oder vornehmer ausgedrückt: Die Kunstwelt feiert die Rückkehr der gegenständlichen Malerei.
Eine Rückkehr
Dabei geht es nicht um Neo Rauch allein, sondern um ein viel weiter gefasstes Phänomen: die Neue Leipziger Schule , was auch immer unter dem Begriff Schule zu verstehen ist. Das Besondere an jener Neuen Leipziger Schule zu erfassen, das fällt schwer - und auch leicht.
Beginnen wir mit dem Einfachen: Jede Schule braucht einen Lehrer. Hier ist dies der Kunstprofessor und "Malermacher" Arno Rink, mittlerweile Lehrer im Ruhestand, beheimatet an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Rinks Malereiklasse in erster Linie brachte die Individualisten hervor, deren Werke heute auf dem globalen Kunstmarkt überraschende Erfolge erzielen. Neben Neo Rauch, Arno Rinks langjährigem Assistenten, sind da zu nennen: Martin Kobe, David Schnell, Tim Eitel, Rosa Loy, Christoph Ruckhäberle und andere mehr - ein knappes Dutzend, kaum einer älter als 35.
Retter und Verknüpfer
Rink nun ist ein Retter und ein Verknüpfer. Gerettet hat er in seinem Wirkungskreis das Handwerk des Malens: Dinge wie Anatomie und Lasur, Grundierung und Figuration. Noch Anfang der 1990er Jahre belächelte man ihn dafür, hin und wieder...
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Neue Leipziger Schule
- das ist seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eben auch ein Markenzeichen: Der "Macher" hinter den enormen Verkaufserfolgen ist Gerd Harry Lübke von der Galerie Eigen+Art in Leipzig. Lübke organisierte 1992 die überhaupt erste Ausstellung mit Neo Rauch und anderen in Berlin.
Als Stars galten die Künstler zuerst nicht so sehr im eigenen Land: US-amerikanische Sammler waren frühzeitig von dieser Renaissance der deutschen Malerei begeistert. Zu erheblichen Teilen ist ihnen der Hype um die Neue Leipziger Schule zu verdanken.
- das ist seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eben auch ein Markenzeichen: Der "Macher" hinter den enormen Verkaufserfolgen ist Gerd Harry Lübke von der Galerie Eigen+Art in Leipzig. Lübke organisierte 1992 die überhaupt erste Ausstellung mit Neo Rauch und anderen in Berlin.
Als Stars galten die Künstler zuerst nicht so sehr im eigenen Land: US-amerikanische Sammler waren frühzeitig von dieser Renaissance der deutschen Malerei begeistert. Zu erheblichen Teilen ist ihnen der Hype um die Neue Leipziger Schule zu verdanken.



