Gegen die Wand
Immer mehr Freizeitsportler wagen sich an das Abenteuer Marathon. Wer die 42,195 Kilometer lange Strecke einmal hinter sich gebracht hat, kennt ein ganz spezielles Phänomen.Noch herrscht Euphorie bei den Startern des Berlin-Marathons 2004. Doch nicht alle bewältigen das Abenteuer Marathon. (Bild: bytepark)
Kribbeln im Bauch
Bereits vor dem Start schüttet der Körper Stresshormone aus. Adrenalin und Cortisol führen zum berühmten Kribbeln im Bauch. Gänsehaut ist ein deutliches Zeichen der Anspannung und Vorfreude. Euphorie macht sich breit. Herz und Kreislauf kommen auf Touren, die Muskeln spannen sich, und auch der Kopf will jetzt nur noch eines: loslaufen. Doch ist es dann endlich soweit, scheint der Körper erst mal aus dem Konzept gebracht: der Puls schießt in die Höhe und die Beine spielen noch nicht richtig mit. Auch der in Gang kommende Stoffwechsel - die Muskeln erhalten energiereiche Phosphate, Kohlenhydrate werden ab jetzt verstärkt verbrannt - überfordert den Organismus zunächst.
Gefährliche Euphorie
Langsam gewöhnt sich der Bewegungsapparat an die Belastung. Der Puls pendelt sich ein und die Atmung ist ruhig, regelmäßig und tief. Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel kommen in Schwung. Die Euphorie des Läufers hat nach den ersten Kilometern kaum nachgelassen - was für manchen jedoch zum Problem werden kann. Erfahrene Läufer wissen, dass jetzt Vorsicht geboten ist: Denn wer in dieser frühen Phase schon das Tempo verschärft, wird es kaum bis ins Ziel schaffen - nach fünf Kilometern wären bereits zwanzig Prozent der Kohlehydratreserven verbrannt. Hat er das Tempo aber unter Kontrolle, treiben den Läufer die eigene Euphorie und die Begeisterung der Zuschauer in den so genannten Flow-Zustand: Jetzt läuft alles wie geschmiert.
Locker bleiben
Nach etwa zehn Kilometern ist die Atmung zwar schon beschleunigt, aber immer noch regelmäßig. Jetzt kann der Läufer beginnen, das Tempo und die Pulsfrequenz langsam zu erhöhen. Der Fettstoffwechsel produziert in dieser Phase bereits vierzig Prozent der benötigten Energiemenge; die zum Ende hin wichtigen Kohlenhydrate können so eingespart werden. Wer das Rennen zu schnell angegangen ist, bekommt erste Probleme - es beginnt, anstrengend zu werden. Jetzt heißt es: locker bleiben und Energie sparen. Das Mitschwingen der Arme in Laufrichtung hilft dabei. Von hinten kommen nun allerdings jene Läufer, an denen man zuvor noch vorbeigeeilt ist - und ziehen lockeren Schrittes dahin.
Kurz vor dem Ziel: Durchhalteparolen für die Läufer des New York City-Marathons.
Zwischen Kilometer 20 und 30 beginnt für die meisten Läufer der schlimmste Abschnitt: die Phase des Leidens. Über die Hälfte der Strecke ist schon geschafft, doch fühlt es sich an, als sei man körperlich am Ende. Die Beine wollen nicht mehr, man wird langsam steif, die Muskeln schmerzen. Die Stimmung gelangt an ihren Tiefpunkt: Der Läufer hat "die Wand" erreicht, jenen Punkt, an dem er glaubt, es ginge nicht mehr weiter. Viele treiben nur noch die aufmunternden Zurufe aus dem Publikum an - und der eiserne Wille, den eigenen Schweinehund zu besiegen. Meter für Meter kämpfen sie sich voran - bis zum nächsten Versorgungsstand, an dem die aufgebrauchten Reserven wieder aufgefüllt werden. Hat der Läufer den Höhepunkt des Leidens hinter sich gebracht, geht es mental wieder bergauf.
Unmenschliche Schmerzen und absolutes Glück
Auf den letzten Kilometern ist es wichtig, im Laufrhythmus zu bleiben, ökonomisch zu laufen, damit der Marathon zum Ende hin nicht zur Qual wird. Auch wenn das Ziel zum Greifen nah scheint, sollte der Läufer nicht das Letzte aus sich herausholen. Jetzt heißt es, Beine und Rücken zu schonen und auf die Lauftechnik zu achten. Der letzte Kilometer: Das Atmen fällt immer schwerer. In den Hüften macht sich ein diffuser Schmerz bemerkbar, der Bewegungsapparat ist erschöpft, Gelenke, Knorpel und Sehnen sind stark strapaziert. Alles sehnt das Ziel herbei; das Herz hüpft vor Vorfreude, Euphorie macht sich erneut breit. Der Körper befindet sich in einem Wechselbad der Gefühle: Zwischen unmenschlichen Schmerzen und absolutem Glück erreicht der Läufer das Ziel.
Ulrike Wolf (14.09.2005/aktualisiert 26.10.2009)
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Es muss ja nicht gleich ein Marathon sein: Regelmäßiges Jogging ist der beste Weg zu anhaltender Gesundheit. Bereits in den 1950er Jahren machte der deutsche Sportmediziner Ernst van Aaken auf die vielen positiven Effekte des ausdauernden Laufens aufmerksam: Joggen stärkt das Immunsystem, steigert die Kondition, kräftigt die Gelenke und lässt überflüssige Pfunde purzeln. Heute begeistern sich Millionen Menschen weltweit für diese Art des Trainings, beschert sie ihnen doch einen idealen Ausgleich zum bewegungsarmen Alltag unserer Zeit.
Schon zwanzig Minuten Joggen am Tag bringen den Stoffwechsel in Schwung. Entscheidender Faktor für den Trainingserfolg ist das Tempo: Bei geringer Belastung baut der Körper Zucker mit Hilfe von Sauerstoff ab (aerobe Energiegewinnung). Nach zwanzig bis vierzig Minuten beginnt der Körper, Fett zu verbrennen. Bei schnellerem oder auch längerem Laufen werden die Kohlenhydrate ohne Sauerstoffzunahme direkt verbrannt (anaerobe Energiegewinnung). Statt die Fettreserven anzugreifen, macht die entstehende Milchsäure die Muskeln müde, die Beine werden schwer und schmerzen.
Beim Laufen - übrigens die einfachste aller Bewegungsformen - werden rund siebzig Prozent der gesamten Muskulatur bewegt. Allerdings ist beim Joggen die richtige Technik das A und O. Wer "falsch" läuft, riskiert Energieverluste und sogar Schäden an den Gelenken. Körperspannung ist die Basis für einen stabilen Lauf. Die Arme sollten locker mitschwingen, jedoch nah am Körper bleiben, damit beim Laufen keine Unruhe im Körper entsteht. Um die Belastung für Füße und Knie so gering wie möglich zu halten, raten Experten, sich im Fachgeschäft bei der Auswahl des richtigen Laufschuhs beraten zu lassen. Abhängig von Körpergewicht, Fußtyp, Beinstellung und Laufstil gibt es hier erhebliche Unterschiede, welcher Schuh zum jeweiligen Läufer passt.
Schon zwanzig Minuten Joggen am Tag bringen den Stoffwechsel in Schwung. Entscheidender Faktor für den Trainingserfolg ist das Tempo: Bei geringer Belastung baut der Körper Zucker mit Hilfe von Sauerstoff ab (aerobe Energiegewinnung). Nach zwanzig bis vierzig Minuten beginnt der Körper, Fett zu verbrennen. Bei schnellerem oder auch längerem Laufen werden die Kohlenhydrate ohne Sauerstoffzunahme direkt verbrannt (anaerobe Energiegewinnung). Statt die Fettreserven anzugreifen, macht die entstehende Milchsäure die Muskeln müde, die Beine werden schwer und schmerzen.
Beim Laufen - übrigens die einfachste aller Bewegungsformen - werden rund siebzig Prozent der gesamten Muskulatur bewegt. Allerdings ist beim Joggen die richtige Technik das A und O. Wer "falsch" läuft, riskiert Energieverluste und sogar Schäden an den Gelenken. Körperspannung ist die Basis für einen stabilen Lauf. Die Arme sollten locker mitschwingen, jedoch nah am Körper bleiben, damit beim Laufen keine Unruhe im Körper entsteht. Um die Belastung für Füße und Knie so gering wie möglich zu halten, raten Experten, sich im Fachgeschäft bei der Auswahl des richtigen Laufschuhs beraten zu lassen. Abhängig von Körpergewicht, Fußtyp, Beinstellung und Laufstil gibt es hier erhebliche Unterschiede, welcher Schuh zum jeweiligen Läufer passt.
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Kohlenhydrate wandelt unser Körper in so genanntes Glykogen um. Das Glykogen wird zügig verbrannt und liefert schnelle Energie. Läufer können etwa 2.000 Kalorien in Form von Glykogen im Körper speichern. Das genügt, um rund 32 Kilometer zu laufen. Ab da fällt das Laufen merklich schwer, denn wenn das gespeicherte Glykogen zur Neige geht, muss der Körper, um Energie zu gewinnen, auf Fett zurückgreifen, das aber nicht so effizient verbrannt wird. Dadurch erlebt der Läufer einen dramatischen Ermüdungsschub. Dieses Phänomen wird als Gegen die Wand laufen oder Vom Mann-mit-dem-Hammer getroffen werden bezeichnet.



