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Modelleisenbahn

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Das Miniatur Wunderland in Hamburg
Auf zwei DIN-A4-Seiten entstand die Idee von der größten Modelleisenbahnanlage der Welt. Keine zehn Jahre später präsentieren die Zwillingsbrüder Gerrit und Frederik Braun auf über tausend Quadratmetern eine Wunderwelt en miniature, die nicht nur Eisenbahnfans begeistert: Das Miniatur Wunderland in Hamburgs historischer Speicherstadt entwickelte sich seit der Eröffnung im August 2001 innerhalb weniger Jahre zum touristischen Highlight der Hafenmetropole. Anfangs noch als Träumer belächelt, konnten die Betreiber im Sommer 2009 bereits den sechsmillionsten Gast begrüßen.

Kein Wunder, macht doch das Wunderland seinem Namen alle Ehre. Die Besucher erwartet eine Anlage der Superlative: 830 digital gesteuerte Züge mit über elftausend Waggons fahren auf den zwölf Kilometer langen Gleisen der Spurweite H0. Neunhundert Signale "regeln" den Verkehr, über zweitausend Weichen sorgen für ruhigen Verkehrsfluss, überwacht von vierzig Computern. Rund 3.500 Häuser und Brücken, 5.500 Autos, 200.000 Figuren und 215.000 Bäume lassen neben den Gleisen abwechslungsreiche und phantasievolle Landschaften entstehen.

Die mittlerweile 185 Mitarbeiter haben in rund 500.000 Arbeitsstunden bisher sieben Abschnitte fertig gestellt: den Harz, die fiktive Stadt Knuffingen, die österreichischen Alpen, Hamburg und die deutsche Küste, die USA, Skandinavien und die Schweiz. Jede dieser kleinen Wunderwelten hat besondere Attraktionen zu bieten. So gibt es einen funktionsfähigen Jahrmarkt, ein Skigebiet mit 15 Liften, eine 30.000 Liter fassende Meereswanne, eine ICE-Hochgeschwindigkeitstrasse und einen Weltraumbahnhof. Die Schweiz lockt mit einem sechs Meter hohen, dem Matterhorn nachempfundenen Berg. Dafür wurde auf einer Fläche von hundert Quadratmetern die Decke durchbrochen.

Überall kann der Besucher liebevoll gestaltete Details entdecken, sie zum Teil sogar selbst per Knopfdruck zum Leben erwecken: Züge setzen sich in Bewegung, Windräder beginnen sich zu drehen, im Fußballstadion fällt ein Tor und Hubschrauber oder Spaceshuttle gehen in die Luft. 300.000 Lampen erzeugen einen simulierten Tagesablauf, bei dem sich alle 15 Minuten Dämmerung, Tag und Nacht wiederholen. Ein Ende des kreativen Schaffens ist nicht in Sicht, weitere Bauabschnitte befinden sich in Planung oder sogar schon im Bau.

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Die goldenen Jahre sind vorbei
War das Spielen mit Modelleisenbahnen in den 1960er und 1970er Jahren noch ein Massen-Hobby, ist die Branche momentan angeschlagen. Traditionsreiche Hersteller wie Roco und Märklin mussten bereits Insolvenz anmelden. Verschiedene, zueinander inkompatible Systeme, Detailversessenheit und hohe Preise gelten als Hauptgründe für das nachlassende Kundeninteresse. Doch auch die wachsende Konkurrenz durch Spielkonsole und Computer im Kinderzimmer bereitet der Branche seit Mitte der 1990er Jahre Sorge. 

Allen Kunden gerecht zu werden - dem "Spielbahner", für den vor allem der Spielwert der Modelle zählt, und dem anspruchsvollen "Nietenzähler", der das Vorbild so exakt wie möglich nachbilden will - erwies sich in den letzten Jahren als nicht zu schaffender Spagat. All das zwingt die Unternehmen neue Wege einzuschlagen, um mehr Menschen für das Schienenhobby zu begeistern. So konkurrieren die Hersteller heute zunehmend über den Preis und weniger über Exklusivität; einfache Modelle für den Einsteigerbereich und neue Produktionsstandorte in Asien verändern das bekannte Preisgefüge.

Dringendstes Problem der Branche ist jedoch, wie der Nachwuchs mit dem Modelleisenbahn-Virus infiziert werden kann. Digitale Aufrüstung heißt hier das Zauberwort: Die Modelle kommen dem Original nicht nur optisch, sondern auch funktional, etwa beim Sound, so nah wie möglich. Es gibt heute sogar Züge mit eingebauter Kamera, die beim Fahren die Anlage aus Sicht des Lokführers filmt. Mittels Videobrille lässt sich so die Miniaturwelt aus völlig neuem Blickwinkel betrachten. Auch die Kompatibilität zum heimischen PC soll neue Fans ködern, computergesteuerte Systeme den Modellbau für die junge Zielgruppe attraktiver machen.

Dennoch führt kein Weg daran vorbei, die Jüngsten persönlich mit den vielen Möglichkeiten des Hobbys vertraut zu machen. Hoffnungsvoll blicken die Unternehmen daher auf die vielen Millionen Besucher der großen Schauanlagen: Wo werden schöner Begehrlichkeiten geweckt, die die Hersteller nur zu gerne erfüllen würden?