Wer sucht...
Antikem Schmuck oder Münzen gilt die Begierde der Schatzsucher. Wenn es um Fundrechte geht, gibt es Probleme. Einige Bundesländer fordern per Gesetz den Fund für sich. Schätze suchen ist okay; sie zu behalten nicht.Die Schatzsuche von heute hat wenig zu tun mit Legenden um Schatzkarten und Truhen, gefüllt mit Gold und Edelsteinen. Für richtige Profis beginnt sie mit der Spurensuche in Bibliotheken. Dort wälzen sie alte Bücher und fügen jeden einzelnen Hinweis zu einem Gesamtbild zusammen. In den USA ist die Suche nach Schätzen in gesunkenen Schiffen, vor allem in der Südsee und vor der Küste Floridas, schon seit Jahrzehnten ein lukratives Geschäft. Ganze Firmen leben davon.
Hightech für Amateure
Die Mehrzahl der modernen Schatzsucher jedoch betreibt die Suche als Hobby. Wenn man sie auf der Straße trifft, erkennt man sie nicht. Es sei denn, sie stehen vor einem Laden, in dem Metalldetektoren ausgestellt sind. Das Geschäft mit den Suchgeräten wächst ständig. Mittlerweile gibt es unzählige Modelle, für Einsteiger wie für Fortgeschrittene. Die Preise liegen zwischen 300 und 1.000 Euro.
Hightech auf der Wiese
Der Traum von großen Schätzen steht dabei nicht im Vordergrund. Es sind die kleinen Dinge, auf die Hobby-Schatzsucher scharf sind: Münzen, Knöpfe, Schwerter, manchmal auch nur der verloren gegangene Ohrring. Angetrieben vom Sammlerinstinkt ziehen sie mit piependem Hightech-Gerät über heimische Wiesen. Überall gibt es was zu finden, sei es auf dem Gelände alter römischer Siedlungen, in Hügelgräbern, in den Wäldern oder auch nur auf dem Acker.
Sammler in der Dämmerung
Die Tatsache, dass man sie so selten bei der "Arbeit" sieht, täuscht übrigens über ihre große Zahl hinweg. Mehrere Zehntausend sollen es sein, die sich regelmäßig auf die Suche nach kleinen Kostbarkeiten aus vergangener Zeit begeben. Und sie tun dies heimlich, in der Dämmerung, denn ihr Schatz soll ihnen gehören, ihnen allein.
Schatzsuche auf dem eigenen Grundstück - nicht alles, was der Besitzer hier findet, darf er laut Gesetz auch behalten.
Vor zufälligen Passanten bräuchten sie sich allerdings kaum zu fürchten, denn die wissen selten, dass dort ein Gesetzesbruch vor ihren Augen passiert. Schatzsucher bewegen sich, streng genommen, meist jenseits der Legalität. Die Orte, an denen sie nach Schätzen suchen, sind oft denkmalgeschützt. Und auch ihre Funde gehören nicht ihnen allein. Denn das deutsche Fundrecht ist eindeutig: Der gefundene Schatz gehört zur einen Hälfte dem Finder und zur anderen dem Eigentümer der Sache oder des Ortes, an dem der Schatz verborgen war. So gilt es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts.
Kultureller und wissenschaftlicher Wert
Seit den 1970er Jahren verschärften einige Bundesländer ihre Gesetze zum Denkmalschutz sogar, um an die teuren Fundstücke privater Schatzsucher zu gelangen. Sie messen den Schätzen einen kulturellen und wissenschaftlichen Wert zu - und nehmen sie den Findern weg. Gerichtsurteile haben diese Vorgehensweise bisher gestützt.
Rücksichtslose Buddler
Was als fast unfaire Maßnahme der Länder erscheint, hat durchaus ernste Hintergründe: Wenn die Schatzsucher sich auf ihre Pirsch begeben, tun sie dies meist ohne Rücksicht auf historische Merkmale ihrer Suchgebiete. Ein gefundener Armreif aus uralter Zeit etwa ist erst richtig wertvoll, wenn Archäologen seinen Fundort kennen und daraus Schlüsse auf die damaligen Verhältnisse ableiten können. Die Hobby-Buddler tangiert das wenig.
Boomender Schwarzmarkt
Eine der unausweichlichen Nebenwirkungen der staatlichen Vorschriften ist ein boomender Schwarzmarkt. Funde werden nicht gemeldet, weil der Sucher danach nichts mehr von "seinem Schatz" haben würde. Oder der Fundort wird kurzerhand in ein Bundesland "verlegt", dessen Gesetze derzeit noch lascher sind.
Satt kassieren
Ein solcher Tourismus mit Fundstücken verfremdet dann freilich das historische Bild: Das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Frankfurt am Main kaufte zum Beispiel einen römischen Bronzehelm im Glauben, dass dieser aus der Region um Frankfurt stamme. Historisch interessant, denn dann wären römische Legionäre in dieser Gegend gewesen. Der Finder hatte den Helm aber an einem ganz anderen Ort ausgebuddelt. Da es in Hessen kein Schatzregal gibt, zog er es vor, den Fund dort zu melden und satt zu kassieren.
Jochen Bast (27.03.2003)
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Schatz im Garten
Ab und zu kommt es vor, dass Schätze per Zufall auf dem eigenen Grundstück oder sogar im eigenen Haus entdeckt werden. Glück oder Unglück für den Finder?
Anfang Juni 1989 entdeckte Horst Brendel aus dem pfälzischen Dreisen beim Einreißen seines 350 Jahre alten Elternhauses drei Gefäße voller alter Gold- und Silbermünzen. Als braver Bürger meldete er den Archäologen des Historischen Museums in Speyer den Fund. Der Schatz wurde beschlagnahmt. Brendel sollte 50.000 D-Mark als Finderlohn erhalten, welchen er als unangemessen ablehnte.
Folglich blieb ihm nur noch der Gerichtsweg. Der Rechtsstreit dauerte sechs Jahre. Nach vier erfolglosen Klagen, schließlich ging er sogar bis ans Verfassungsgericht, gab Horst Brendel auf und nahm die 50.000 D-Mark an. Zum bitteren Ende reichte diese Summe nur noch, um die Gerichtskosten zu decken.
Ab und zu kommt es vor, dass Schätze per Zufall auf dem eigenen Grundstück oder sogar im eigenen Haus entdeckt werden. Glück oder Unglück für den Finder?
Anfang Juni 1989 entdeckte Horst Brendel aus dem pfälzischen Dreisen beim Einreißen seines 350 Jahre alten Elternhauses drei Gefäße voller alter Gold- und Silbermünzen. Als braver Bürger meldete er den Archäologen des Historischen Museums in Speyer den Fund. Der Schatz wurde beschlagnahmt. Brendel sollte 50.000 D-Mark als Finderlohn erhalten, welchen er als unangemessen ablehnte.
Folglich blieb ihm nur noch der Gerichtsweg. Der Rechtsstreit dauerte sechs Jahre. Nach vier erfolglosen Klagen, schließlich ging er sogar bis ans Verfassungsgericht, gab Horst Brendel auf und nahm die 50.000 D-Mark an. Zum bitteren Ende reichte diese Summe nur noch, um die Gerichtskosten zu decken.



