Das vorläufige Aus kam, als Bodenspekulationen der Gründerzeit die Preise wieder in die Höhe trieben und Städte mit ihren Grundstücken etwas "Besseres" anfangen wollten. Aber die Idee blieb bestehen und neue Probleme, wie die Wohnungsnot um 1870, führten zur Anlage von Laubenkolonien, in denen gegärtnert, gelebt und teilweise auch gewohnt wurde.
Besonders turbulent ging es in den Gärten der Berliner Arbeiterschaft zu, was brave Bürger und Polizei argwöhnisch machte. Sie vermuteten hinter der Lebenslust der wilden "Grünen" gefährliche Umtriebe und begannen, mit Verordnungen Regelmaß und Sauberkeit in die "Inseln des Glücks" zu bringen.
Fünf Millionen Kleingärtner
Um die eigenen Interessen organisiert zu vertreten, wurde 1921 der Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands gegründet. Als das Pachtland durch die "Kleingarten- und Kleinpachtlandverordnung" gesichert war, erlebte die Bewegung einen Aufschwung. Der sollte über den Zweiten Weltkrieg hinweg anhalten, auch, weil das kleine Gärtchen beste Möglichkeiten der Eigenversorgung bot. Heute vertritt der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde um die fünf Millionen Kleingärtner mit rund einer Million Kleingärten. Die Bewegung steht vor einem Generationenwechsel - und muss beweisen, ob sie zukunftsfähig ist.
Sonnenschirm statt Gartenkralle
Mit dem Slogan "Schreber ist tot!" wirbt zum Beispiel die Bundesarbeitsgemeinschaft modernes Kleingartenwesen für eine zeitgemäße Bewegung, die nicht nur Rücksicht auf Umwelt und Natur nimmt, sondern auch auf Menschen und ihre Bedürfnisse. Vor allem junge Leute sollen als Pächter für Kleingärten gewonnen werden, aber die tun sich schwer mit den "biederen", "überreglementierten" Vereinen.
Die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze von Staat, Land, Verband und Verein schrecken viele potenzielle Schrebergärtner ab. Im Bundeskleingartengesetz ist die Nutzung des Bodens zu gartenbaulichen Zwecken ausdrücklich festgeschrieben. Doch die Jungen würden die Gartenkralle lieber gegen den Sonnenschirm austauschen und sich auf dem Rasen entspannen.
Blick über den Gartenzaun
Die Zukunft ist also offen - und eben darin sieht der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde seine Chance. Er wirbt bereits eifrig für eine neue "Gartenkultur für alle" in den "grünen Lungen" der Ballungsräume.
Individuelle Gartenentwürfe werden ebenso unterstützt wie Sommerfeste und Wettbewerbe um die längste Sonnenblume oder um den schönsten Blumenkasten. Spaziergänger sind dazu eingeladen, durch die Anlagen zu wandeln, an Rosen und Lavendel zu schnuppern. Und vielleicht wird aus dem flüchtigen Blick über den Gartenzaun eine Liebe fürs Leben.
Christiane Nienhold (aktualisiert 20.05.2010)
Besonders turbulent ging es in den Gärten der Berliner Arbeiterschaft zu, was brave Bürger und Polizei argwöhnisch machte. Sie vermuteten hinter der Lebenslust der wilden "Grünen" gefährliche Umtriebe und begannen, mit Verordnungen Regelmaß und Sauberkeit in die "Inseln des Glücks" zu bringen.
Fünf Millionen Kleingärtner
Um die eigenen Interessen organisiert zu vertreten, wurde 1921 der Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschlands gegründet. Als das Pachtland durch die "Kleingarten- und Kleinpachtlandverordnung" gesichert war, erlebte die Bewegung einen Aufschwung. Der sollte über den Zweiten Weltkrieg hinweg anhalten, auch, weil das kleine Gärtchen beste Möglichkeiten der Eigenversorgung bot. Heute vertritt der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde um die fünf Millionen Kleingärtner mit rund einer Million Kleingärten. Die Bewegung steht vor einem Generationenwechsel - und muss beweisen, ob sie zukunftsfähig ist.
Sonnenschirm statt Gartenkralle
Mit dem Slogan "Schreber ist tot!" wirbt zum Beispiel die Bundesarbeitsgemeinschaft modernes Kleingartenwesen für eine zeitgemäße Bewegung, die nicht nur Rücksicht auf Umwelt und Natur nimmt, sondern auch auf Menschen und ihre Bedürfnisse. Vor allem junge Leute sollen als Pächter für Kleingärten gewonnen werden, aber die tun sich schwer mit den "biederen", "überreglementierten" Vereinen.
Die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze von Staat, Land, Verband und Verein schrecken viele potenzielle Schrebergärtner ab. Im Bundeskleingartengesetz ist die Nutzung des Bodens zu gartenbaulichen Zwecken ausdrücklich festgeschrieben. Doch die Jungen würden die Gartenkralle lieber gegen den Sonnenschirm austauschen und sich auf dem Rasen entspannen.
Blick über den Gartenzaun
Die Zukunft ist also offen - und eben darin sieht der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde seine Chance. Er wirbt bereits eifrig für eine neue "Gartenkultur für alle" in den "grünen Lungen" der Ballungsräume.
Individuelle Gartenentwürfe werden ebenso unterstützt wie Sommerfeste und Wettbewerbe um die längste Sonnenblume oder um den schönsten Blumenkasten. Spaziergänger sind dazu eingeladen, durch die Anlagen zu wandeln, an Rosen und Lavendel zu schnuppern. Und vielleicht wird aus dem flüchtigen Blick über den Gartenzaun eine Liebe fürs Leben.
Christiane Nienhold (aktualisiert 20.05.2010)
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Deutsches Kleingärtnermuseum
Seit 1996 gibt es in Leipzig das Deutsche Kleingärtnermuseum - ein Kleinod, das, in seiner Art weltweit einmalig, die wechselvolle Geschichte der Schrebergartenbewegung dokumentiert. Das Museum befindet sich an historischer Stätte: im Vereinshaus des weltweit ersten Schrebervereins (gegründet 1864), des heutigen Kleingärtnervereins Dr. Schreber.
Bereits in den 1920er Jahren entstand bei Mitgliedern des damaligen Vereins die Idee, eine Ausstellung zur Geschichte des ersten Schrebervereins zu gestalten. Allerdings konnte diese Idee wegen der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieg nicht umgesetzt werden. Auch während der DDR-Zeiten gab es immer wieder Bestrebungen, ein so genanntes Traditionskabinett einzurichten.
Wirkliche Fortschritte wurden jedoch erst nach 1990 verzeichnet. Die ambitionierten Leipziger Laubenpieper überzeugten den Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG), ein Kleingärtnermuseum zu errichten. 1992 gründeten sie den Förderverein Deutsches Museum der Kleingärtnerbewegung. Im gleichen Jahr begann man mit der Rekonstruktion der oberen Etagen im Vereinshaus. Bereits 1993 wurde die erste Sonderausstellung in den Räumen des Museums präsentiert.
Nach weiteren drei Jahren intensiver Arbeit wurde am 23. August 1996 das Museum eröffnet. Seit 1999 publiziert es eine wissenschaftliche Schriftenreihe zu verschiedenen Themenbereichen der Kleingärtnergeschichte. 2001 eröffnete die Dauerausstellung Deutschlands Kleingärtner vom 19. zum 21. Jahrhundert.
Bereits in den 1920er Jahren entstand bei Mitgliedern des damaligen Vereins die Idee, eine Ausstellung zur Geschichte des ersten Schrebervereins zu gestalten. Allerdings konnte diese Idee wegen der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieg nicht umgesetzt werden. Auch während der DDR-Zeiten gab es immer wieder Bestrebungen, ein so genanntes Traditionskabinett einzurichten.
Wirkliche Fortschritte wurden jedoch erst nach 1990 verzeichnet. Die ambitionierten Leipziger Laubenpieper überzeugten den Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG), ein Kleingärtnermuseum zu errichten. 1992 gründeten sie den Förderverein Deutsches Museum der Kleingärtnerbewegung. Im gleichen Jahr begann man mit der Rekonstruktion der oberen Etagen im Vereinshaus. Bereits 1993 wurde die erste Sonderausstellung in den Räumen des Museums präsentiert.
Nach weiteren drei Jahren intensiver Arbeit wurde am 23. August 1996 das Museum eröffnet. Seit 1999 publiziert es eine wissenschaftliche Schriftenreihe zu verschiedenen Themenbereichen der Kleingärtnergeschichte. 2001 eröffnete die Dauerausstellung Deutschlands Kleingärtner vom 19. zum 21. Jahrhundert.



