Bauklotz oder Bildschirm?
Alle Jahre wieder, Anfang Februar, treffen sich in Nürnberg Spielzeugproduzenten aus der ganzen Welt, um auf der Internationalen Spielwarenmesse ihre neuesten Entwicklungen vorzustellen. Rund 2.700 Aussteller waren es 2009, und ihre Angebotspalette reichte vom Bauklotz aus Holz über sprechende Teddybären bis hin zum Hightech-Nachtsichtgerät. Kaum ein Spielzeug, in das heute nicht elektronische oder digitale Elemente integriert sind - selbst Brettspiel-Klassiker folgen dem Technik-Trend.Computerviren auf Schienen
Ein deutscher Hersteller traditioneller Holzeisenbahnen präsentierte derweil stolz sein neuestes Produkt namens Networker: Mit dem altvertrauten Schienensystem sollen Kinder zwischen drei und fünf Jahren das Innenleben eines Computers nachbilden können, wo Figuren wie der Email-Man oder bösartige Viren auf Minizügen herumfahren. Derart spielerisch ließen sich schon die Kleinsten in die Computerwelt einführen, wirbt das Unternehmen für seine Innovation.
Zur Passivität verbannt
Bunter, komplexer, lebensechter - es scheint, als ob ein Spielzeug heute gar nicht genug "wirklichkeits"simulierende Funktionen haben kann. Mancher sieht darin eine bedenkliche Entwicklung. Das riesige, unüberschaubare Angebot entspringe mehr der Geschäftstüchtigkeit des stetig wachsenden Industriezweigs, heißt es etwa beim Eltern-Online-Portal Spiel und Zukunft. Der Wunsch, die kindliche Entwicklung durch sinnvolles Spielzeug zu unterstützen, sei kaum noch von Bedeutung. In beinahe jedem Spielzeugsektor fänden sich Produkte, die dem Kind Initiative und Fantasieleistung abnehmen. Sei es die Puppe, die spricht, weint oder Bäuerchen macht, oder das Kindertelefon, das fertige Dialogteile abspult: "Immer mehr wird das Kind zur Passivität im Spiel verbannt, der Knopfdruck ist alles, was von ihm noch eingebracht werden muss oder darf."
Sozialisation per Knopfdruck?
Neu ist der Trend nicht: 1996 meldete sich ein Küken aus Bits und Bytes erstmals elektronisch zu Wort. Gefüttert, sauber gehalten und gestreichelt wollte das virtuelle Federvieh werden. Die Frage nach dem pädagogischen Wert des elektronischen Freundes beantworteten die Hersteller mit dem Hinweis auf das Sozialverhalten des jungen Benutzers, das durch den fürsorglichen Umgang mit dem Bildschirmtier trainiert werde. Sozialisation per Knopfdruck, kann das funktionieren?
Zwang zur Dauerinnovation
Wichtige Verbündete der Hersteller und Vertreiber sind die Eltern. Deren Angst, aus der Unterversorgung ihrer Kinder mit elektronischem Spielzeug könne für den Nachwuchs im späteren Berufsleben ein Nachteil erwachsen, drängt die Industrie zur Dauerinnovation. Die Frage, was eigentlich gutes Spielzeug ausmacht, gerät bei der Suche nach möglichst "zukunftsorientierten" Spielwaren jedoch aus dem Blick. Dabei lässt sich Spielzeug, das diesen Namen verdient, leicht von bloßer Unterhaltungselektronik unterscheiden...
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Ausgezeichnetes Spielzeug
Spiel gut - auf dieses Prädikat sollten Eltern achten, die sich für kindgerechtes Spielzeug interessieren. Der gleichnamige, 1954 von Praktikern und Wissenschaftlern gegründete Verein hat ein Testverfahren entwickelt, mit dem Spielsachen untersucht werden können. Bei Erfüllen bestimmter Kriterien wie Spielwert, Gestaltung, Verarbeitung und Umweltverträglichkeit zeichnen die Tester die Spielwaren mit dem Siegel spiel gut aus. Jedes Jahr begutachtet der Arbeitsausschuss auf diese Weise rund fünfhundert neu auf den Markt kommende Spielsachen. Auf den Vereins-Webseiten können sich Eltern über Kriterien für gutes Spielzeug informieren und Anregungen für Spielzeuggeschenke zu Weihnachten erhalten. Herstellern steht es frei, Informationen zu den Voraussetzungen und Bedingungen für die Spielzeugerprobung, Begutachtung sowie die spiel gut - Auszeichnung abzurufen.



