Modelltreue statt Fantasie: Kann daraus eine Kuh entstehen? In der Vorstellung der Designer wohl kaum.
Eigene Welten entstehen lassen
Einförmige und -farbige Spielzeugbestandteile sind der kindlichen Fantasie meist weitaus förderlicher als mit zahllosen Formen und Farben überlastete Spielgegenstände. So kann das Kind aus einer Grundauswahl an Bauklötzen eigene Welten entstehen lassen und ist nicht auf die Vorgaben des Designers angewiesen. Der selbstständige Umgang mit Material erst schafft die Basis für eine kreative Auseinandersetzung mit der Umwelt. Auch die Entwicklung berufsrelevanter Fähigkeiten lässt sich im ungelenkten Spiel leichter verwirklichen als in einer an Vorgaben orientierten Spielumgebung.
Zeit und Aufmerksamkeit
Achten sollten Eltern beim Spielzeugkauf darauf, dass das Kind im Spiel Umwelteindrücke und besondere Erlebnisse verarbeiten will. Grundschulkinder lieben es, auch am Wochenende Schule zu spielen. Nach der Lektüre von Harry Potter wird der Nachwuchs sich über Zauberstab und Nickelbrille freuen. Große Kosten muss das nicht verursachen - nur Zeit und Aufmerksamkeit für die Vorlieben des Kindes sind gefragt. Auch die Menge an Spielzeug, über die das Kind verfügen darf, sollte bedacht werden. Ein mit Spielmöglichkeiten vollgestopftes Kinderzimmer frustriert nur und schafft eine Welt der falschen Bedürfnisse. An gezielt ausgesuchtem Qualitätsspielzeug hingegen erfreut sich das Kind wahrscheinlich jahrelang.
Besser als jedes Computerspiel: der Ball, so simpel er auch daher kommen mag, ist seit Generationen bei Kindern beliebt.
Dass die materielle Fülle Kindern nicht gut tut und die hochkomplexe Spielwelt das kindliche Gemüt überlasten könnte, ist ein alter Verdacht. Den Trend zu Produkten mit stetig wachsendem Arsenal an elektronischen Zubehörteilen gibt es dennoch. Und die Zielgruppe für virtuelle Spielzeuge, also Computer- und Videospiele, sowie für elektronisches Lernspielzeug wird immer jünger. Ist solche (Inter-)Aktivität nicht besser als völlige Passivität vor dem Fernsehbildschirm? Das Argument der Hersteller klingt vernünftig, vernachlässigt jedoch, dass sich die Freizeitaktivitäten vieler Kinder einfach verschoben haben: Der Fernseher läuft trotzdem, es bleibt nur keine Zeit mehr, raus zu gehen, sich mit Freunden zu treffen, die Welt mit allen Sinnen zu erleben. Sybille Engstrom, Redakteurin bei Spiel und Zukunft, nennt dieses Phänomen "gut informierte Weltfremdheit".
Ladenhüter
Schlecht informierte Weltfremdheit könnte man dagegen dem Hersteller der "Computer-Eisenbahn" vorwerfen. Seine Entwicklung erwies sich nämlich als Ladenhüter. Nicht mal ein Jahr nach Markteinführung werden das Schienensystem und die fahrenden Figuren in Online-Spielzeug-Shops zu einem Zehntel des ursprünglichen Preises angeboten. Drei- bis Fünfjährige interessieren sich wohl doch mehr für "richtige" Eisenbahnen als für die Nachbildung eines Geräts, vor dem ihre Eltern eh schon viel zu viel Zeit verbringen…
Ulrike Wolf/Kathleen Niebl (01.12.2009)
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Das Sonneberger Spielzeugmuseum
Zurzeit zählen die Sammlungen des Sonneberger Spielzeugmuseums rund einhunderttausend Ausstellungsstücke. Auf drei Etagen präsentiert das traditionsreiche Haus unter anderem Thüringer Porzellanpuppen, Holzspielzeug aus Sonneberg und dem Erzgebirge, Spielzeuge aus dem alten Ägypten sowie antike Spielwaren aus Griechenland und Rom.
Neben Teddys und Modelleisenbahnen sind auch die Arbeitsstube eines Heimarbeiters und ein altes Klassenzimmer zu sehen. Die durchschnittlich tausend Neuzugänge pro Jahr und wechselnde Sonderausstellungen machen den Museumsbesuch zu einer vergnüglichen Reise in die Vergangenheit des Spielzeugs - und in die eigene Kindheit.
Neben Teddys und Modelleisenbahnen sind auch die Arbeitsstube eines Heimarbeiters und ein altes Klassenzimmer zu sehen. Die durchschnittlich tausend Neuzugänge pro Jahr und wechselnde Sonderausstellungen machen den Museumsbesuch zu einer vergnüglichen Reise in die Vergangenheit des Spielzeugs - und in die eigene Kindheit.
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Kindergarten ohne Spielzeug?
Aus Sicht einiger Reformpädagogen muss das kein Widerspruch sein. Sie haben das Konzept Spielzeugfreier Kindergarten entwickelt, das sich gegen die vorstrukturierte Freizeitgestaltung von Kindern richtet.
Drei Monate lang erhalten Kindergartenkinder weder Spielzeug noch andere animierende Angebote von ihren ErzieherInnen. Während dieser Zeit sollen die Kinder die Chance bekommen, sich mit sich selbst und anderen auseinanderzusetzen. Selbsterdachte Spiele und der Erwerb handwerklicher Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt. Ziel ist die Entwicklung eines gefestigten Selbstbildes und -bewusstseins.
Drei Monate lang erhalten Kindergartenkinder weder Spielzeug noch andere animierende Angebote von ihren ErzieherInnen. Während dieser Zeit sollen die Kinder die Chance bekommen, sich mit sich selbst und anderen auseinanderzusetzen. Selbsterdachte Spiele und der Erwerb handwerklicher Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt. Ziel ist die Entwicklung eines gefestigten Selbstbildes und -bewusstseins.



